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Klimaschwankungen Seit 10.000 Jahren erstaunlich stabil

10.12.2004 ·  Unser Wissen über die globale Klimageschichte im Holozän ist überraschend unvollständig - auch weil die Ausschläge weit weniger ausgeprägt sind als im vorangegangenen Pleistozän.

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Unser Wissen über die globale Klimageschichte im Holozän ist überraschend unvollständig - auch weil die Ausschläge weit weniger ausgeprägt sind als im vorangegangenen Pleistozän.

Was wir darüber wissen

Seit etwa 10.000 Jahren ist das Klima auf der Erde erstaunlich stabil. Die Temperaturschwankungen waren vergleichsweise gering. Ihr genaues Ausmaß ist noch Gegenstand der Diskussion. Links eine ältere Abschätzung, die auf deutlich stärkere Ausschläge kommt als der "Hockeyschläger". Die Wärmeperioden in der Mitte des Holozäns bringen manche Forscher mit der "neolithischen Revolution" in Verbindung, also der Entstehung seßhafter, ackerbauender Kulturen. Verführerisch ist es auch, die Blütezeiten des Römischen Reiches und des Hochmittelalters mit entsprechenden Warmperioden in ursächlichen Zusammenhang zu bringen - sowie die Wirren der Völkerwanderungszeit sowie des Spätmittelalters und der Reformationszeit mit kälteren Phasen. Über die ganze Nordhemisphäre betrachtet, zeigt sich aber allenfalls ein Zusammenhang zwischen dem Optimum und der neolithischen Revolution. Die Auswirkungen von Schwankungen kürzerer Periode auf die Menschheit dürften von anderen Effekten überlagert worden sein. So erlebte etwa China mit der Tang-Dynastie eine Blüte als sich Europa gerade von der Völkerwanderung erholte.

Was dahinter stecken könnte

Die Ursachen dieser Temperaturschwankungen sind komplex. Nur die langfristigsten Klimatrends im Holozän haben astronomische Gründe. So hängt die tendenzielle Abkühlung nach dem Optimum vermutlich mit der langsamen Verlagerung der Erdachse relativ zu ihrer Umlaufbahn um die Sonne zusammen. Kurzfristigere Klimaschwankungen haben ihre Ursachen zum einen in Änderungen der Sonnenaktivität, wie sie sich etwa an der Anzahl der Sonnenflecken ablesen läßt. Nicht unerheblich ist auch der Einfluß explosiver Vulkanausbrüche, die große Mengen Asche und Aerosole ausstoßen und damit die Sonneneinstrahlungen abschwächen. Die wohl gewaltigste Eruption der vergangenen tausend Jahre ereignete sich im Jahre 1259. Sie könnte vielleicht den Übergang von der "Mittelalterlichen Warmperiode" zu jener Abkühlung eingeleitet haben, für die sich der Ausdruck "kleine Eiszeit" eingebürgert hat. Die ungewöhnlich rasche Erwärmung der vergangenen 30 Jahre dürfte maßgeblich durch menschengemachte Änderungen in der Zusammensetzung der Atmosphäre verursacht sein.

Wie wir etwas darüber erfahren

Unser Wissen über die globale Klimageschichte im Holozän ist überraschend unvollständig - auch weil die Ausschläge weit weniger ausgeprägt sind als im vorangegangenen Pleistozän. Umfassende direkte Temperaturmessungen, aus denen sich globale Erwärmungen und Abkühlungen rekonstruieren lassen, gibt es erst aus den letzten 150 Jahren. Für alle Zeiten davor ist man auf sogenannte Proxy-Daten angewiesen, also erdgeschichtliche Hinterlassenschaften, die indirekte Aufschlüsse über die Temperaturentwicklung geben. Die für den Holozän wichtigsten Quellen für Proxy-Daten sind in gemäßigten Breiten die Jahresringe von Bäumen, in den Tropen die Wachstumsmuster von Korallen und in Polargebieten Bohrkerne aus Gletschereis. In letzterem gibt das Verhältnis zweier Sauerstoffisotope Aufschluß über die Temperatur zur Zeit der Ablagerung. Proxy-Daten geben in der Regel nur die lokale Klimageschichte wider. Dennoch konnte man für die letzten 1800 Jahre aus Kombination vieler verschiedener Quellen Rückschlüsse auf die globale Klimaentwicklung ziehen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 5.12.2004, Nr. 49 / Seite 73
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