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Samstag, 18. Februar 2012
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Wissenschaft & Öffentlichkeit Vielleicht ein Denkmal für die Klimaforschung

30.12.2009 ·  Wenn auch der Kopenhagener Gipfel wenig erbrachte: Der Klimaforschung ist es gelungen, sich öffentliches Vertrauen zu erwerben. Nun wird sie den damit verbundenen Erwartungen auch gerecht werden müssen.

Von Joachim Müller-Jung
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Es sollte ein Höhepunkt kollektiver Vernunft am Ende dieses ersten Jahrzehnts eines neuen Jahrhunderts werden, ein historischer Markstein in der Menschheitsgeschichte - und endete als politischer Tiefpunkt. Das Debakel des Klimagipfels von Kopenhagen hätte leicht auch die Wissenschaften mit in die Tiefe reißen können, wäre da nicht dieser eine Satz in einem Manifest des klimapolitisch Ungefähren gewesen.

Die Unterzeichnerstaaten, so heißt es in dem entsprechenden Paragraphen der „Kopenhagen-Vereinbarung“, erkennen das Zwei-Grad-Ziel zur Vermeidung eines gefährlichen Klimawandels auf der Erde an. Das war eine Art Ehrenrettung für die etablierten Wissenschaften und der Grund, weshalb ausgerechnet politisch hochmotivierte Klimaforscher in dem lauwarmen Kopenhagener Deal sogar einen Fortschritt zu erkennen meinten.

Gesellenstück der Wissenschaftskommunikation

Und es stimmt ja auch: Selten und schon gar nicht bei einem so beispiellosen Mammuttreffen von beinahe hundertdreißig Staats- und Regierungschefs ist von den politischen Führern der Wissenschaft derart gehuldigt worden wie in Kopenhagen. „Die Wissenschaft sagt uns“ war in ihren Reden zum geflügelten Wort geworden. Wissenschaft und Weltrettung wurden buchstäblich in einem Atemzug genannt. Nun lässt sich aus heutiger Sicht nicht wirklich voraussagen, wie viel und was die Klimaforschung zur Weltrettung eines Tages wird beitragen können - zumal die Zwei-Grad-Formel am Ende von der Staatengemeinschaft formal nicht anerkannt wurde oder gar mit entsprechenden Maßnahmen ins Werk gesetzt werden sollte, sondern einstweilen nur „zur Kenntnis genommen“ wurde.

Fest steht indes: Die Klimaforscher haben ihr Gesellenstück der Wissenschaftskommunikation glücklich abgeliefert. Sie haben einen beachtlichen Teil der Öffentlichkeit und deren Entscheidungsträger für sich gewonnen und wenigstens einen Teil ihrer PR-Ernte eingefahren. Welche andere Wissenschaftsdisziplin könnte das von sich behaupten?

Der „aktive Dialog“ mit der Gesellschaft

Ist das nicht „Wissenschaft im öffentlichen Raum“ par excellence, wie vor kurzem die großen deutschen Wissenschaftsorganisationen mit der Allianz und dem Stifterverband an der Spitze ihre Bilanz einer Dekade forcierter Wissenschaftskommunikation überschrieben haben? Im Jahr 1999 hatten sie im Push-Memorandum - bezeichnet nach dem angloamerikanischen Vorbild des „Public Understanding of Science“ - sich selbst und ihre Zirkel zum „aktiven Dialog mit der Gesellschaft“ aufgefordert. Einiges hat sich in dieser Zeit getan, die Themenjahre an erster Stelle. Sie haben den Wissenschaftsbetrieb zum Event gemacht. Das dürfte im bevorstehenden Jahr der Energie unter den klimapolitischen Vorzeichen kaum anders werden, vielleicht noch intensiver.

Zehn Jahre lang wurden an Wissenschaftssommern, -nächten und -tagen die Gelehrten und die Interessierten zusammengeführt. Viel mehr aber auch nicht. Das Engagement für die Wissenschaftskommunikation bleibt leider noch immer ohne positive Folgen für die Karriere, haben die Organisationen jetzt enttäuscht resümiert. Weder bei Berufungen noch bei Förderentscheidungen oder Evaluierungen trägt die Öffentlichkeitsarbeit Früchte. Und von einem Großteil der Gesellschaft ist die Wissenschaft noch immer Welten entfernt.

Bewährung in der Krise

Was haben wir nicht alles erlebt in dieser an kritischen Themen nicht gerade armen Forschungsdekade, das auch diese Gesellschaftsteile hätte wachrütteln können: Klone, die das Menschengeschlecht zu degenerieren drohten; Genomingenieure, die sich anschickten, unser Intimstes auszuspähen und Unnatürliches in die Welt zu bringen; Stammzellen aus vermeintlichen Embryonenfabriken, Bioterror und Nanoschwaden - nicht zu vergessen die allgegenwärtige Pandemiegefahr. Die einzige wissenschaftliche Disziplin aber, die es in diesem misstrauensbildenden Milieu zu einigermaßen gesellschaftlichem Ansehen, ja Ruhm gebracht hat, ist die Klimaforschung.

Sie hat fertiggebracht, was nicht die Biologie und nicht einmal die Medizin vermochten. Sie hat das Abstrakte ihrer Forschung abstrakt sein lassen und das Unsichere ihrer Arbeit unsicher. Und sie hat in der Krise ein großes konkretes Versprechen gegeben: Wir holen euch da raus. Ausgerechnet die Klimaforschung, die es hierzulande nicht einmal zu einer eigenständigen Hochschuldisziplin geschafft hat, hat sich in dieser engagierten Dekade der Wissenschaftskommunikation das größte öffentliche Vertrauen erworben - und maximale Wirkung erzielt. Doch zu welchem Preis? Zum Preis des möglichen totalen Gesichtsverlustes, sicher. Vielleicht aber winkt auch ein Heldendenkmal. Das kommende Jahrzehnt wird es vielleicht schon weisen.

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