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Montag, 13. Februar 2012
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Weltklimagipfel Politisierte Wissenschaft

11.12.2009 ·  Politik hat ein Mandat - Wissenschaft soll unabhängig und ergebnisoffen forschen. Glaubwürdigkeit kann die Klimaforschung nur bewahren, wenn sie die Distanz zur Politik wieder herstellt, die einigen ihrer Protagonisten im Weltklimarat offenbar abhandengekommen ist.

Von Stefan Dietrich
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Sonnenenergie ist der älteste Hut der Welt. Alle Brennstoffe, die seit Beginn des Industriezeitalters gefördert werden, um sie in Strom und Motorkraft umzuwandeln, sind nichts anderes als das: gespeicherte Sonnenenergie. Einen Großteil dieses Speichers, den die Erde in Milliarden Jahren angelegt hat, haben die Industrienationen in nur zweihundert Jahren geleert. Die künftige Entwicklung darauf zu gründen, dass die fossilen Energieträger bis zur Neige verbrannt werden, wäre selbstmörderisch.

Allein die absehbare Gefahr weltweit geführter Verteilungskämpfe um die knapper werdenden Kohle-, Öl- und Gasvorräte ist Grund genug, beizeiten andere Energiequellen zu erschließen. Abgesehen davon wäre es auch naiv zu glauben, dass die – erdgeschichtlich betrachtet – schlagartige Auflösung der Kohlenstoffspeicher der Erde und die Deponierung ihrer gasförmigen Rückstände in der Atmosphäre keine Rückwirkungen auf unseren eng bemessenen Lebensraum hätte. Den allermeisten leuchtet es deshalb unmittelbar ein, dass eine Umstellung auf ressourcenschonende Produktionsweisen und eine möglichst kohlendioxidarme Energiegewinnung das politische Gebot der Stunde sind.

Kann es da verkehrt sein, wenn die Wissenschaft der Politik zur Hand geht, um der guten Sache zum Durchbruch zu verhelfen? Es kann, wenn sie dabei den Versuchungen erliegt, die der Zoologe und Wissenschaftsmanager Hubert Markl unlängst beschrieben hat. Für die größte Versuchung hält Markl den Hochmut. Wer sich dünke, schon im endgültigen Besitz der Wahrheit über eine umstrittene Tatsache zu sein, neige zur Abschottung. Wissenschaft, die keine Zweifel mehr zuließe, „gäbe buchstäblich den Geist auf, der sie beseelen muss“, schrieb er unter Anspielung auf den Weltklimarat.

Dabei konnte Markl noch gar nicht wissen, was erst jüngst durch einen Datendiebstahl zutage kam: Federführende Mitglieder dieser weltumspannenden Wissenschaftlergemeinde haben tatsächlich versucht, unliebsame Kritiker zu unterdrücken und eigene Forschungen der Nachprüfbarkeit zu entziehen. Das hat zwar die Theorie des Treibhauseffekts nicht zum Einsturz bringen können – Kritiker, die das behaupten, haben sich zu früh gefreut –, aber die Glaubwürdigkeit mancher Protagonisten der Klimapolitik schwer erschüttert.

Heiligt der gute Zweck die Mittel?

Schon lange hat eine Mehrheit der Klimaforscher das Treiben im Weltklimarat mit Unbehagen verfolgt. Die Zuspitzung der Befunde in Berichten „für politische Entscheider“ oder auch die berühmte Hockeyschlägerkurve, die den Temperaturverlauf der Erde über tausend Jahre fast konstant zeichnete, um dann in einen jähen Anstieg in der Gegenwart auszumünden, wurden teils belächelt, teils hingenommen, weil diese Aussagen ja einem guten Zweck dienten: der Rettung der Welt. Damit hat sich die schweigende Mehrheit allerdings auch mitschuldig gemacht an der Verbreitung radikaler Gegenpositionen. Lange vor dem Bekanntwerden des „Tricks“ von Phil Jones war der Hockeyschläger als methodischer Schwindel entlarvt, der die abenteuerlichsten Verschwörungstheorien ins Kraut schießen ließ.

Der Hamburger Klimaforscher von Storch sieht „eine Geistesverwandtschaft“ zwischen „Klimaskeptikern“ und „Alarmisten“. Beide Seiten „haben keine Hemmungen, Wissenschaft als Handlanger einer ,guten Politik‘ zu instrumentalisieren“, schrieb von Storch, „beide Gruppen beschädigen die Unabhängigkeit der gesellschaftlichen Einrichtung Wissenschaft und beide beschädigen den demokratischen Willensbildungsprozess“. Von Storch ist mit der großen Mehrheit seiner Kollegen verschiedener Disziplinen durchaus der Meinung, dass der Klimawandel eine ernstzunehmende Herausforderung für die Menschheit darstelle. Und „als Privatperson“ wünscht er auch, dass in Kopenhagen ein wirksames Abkommen zur Verminderung der Kohlendioxid-Emissionen zustande kommt. Er ist jedoch nicht bereit, sich dafür „zum Büttel der Politik“ zu machen.

Politiker werden dafür gewählt, dass sie Entscheidungen treffen. Selten kommen sie dabei ohne Expertenwissen aus. Da lauert die nächste Versuchung: Vielfach werden Forscher geradezu bedrängt, den Weg, den die Politik gehen will, mit unwiderlegbaren Argumenten freizuschießen. Zur Begründung der Energiewende etwa, die zunächst enorme volkswirtschaftliche Kosten verursacht und erst später Rendite abwirft, genügte ihr nicht die Einsicht in die Endlichkeit der vorhandenen Ressourcen – es musste ein Untergangsszenario her, das auch den letzten Widerspenstigen zur Räson bringt. Den Wissenschaftlern, die sich darauf einließen, fehlt es seitdem nicht an Forschungsmitteln. Doch mit dem Anspruch, Kenntnisse und Mittel zu besitzen, mit denen sich das Weltklima auf das Grad genau einstellen ließe, haben sie den Boden seriöser Wissenschaft verlassen.

Nicht umsonst sind diese Sphären streng getrennt: Politik hat ein Mandat – Wissenschaft den gesellschaftlichen Auftrag, unabhängig und ergebnisoffen zu forschen. Glaubwürdigkeit kann die Klimaforschung nur bewahren, wenn sie die Distanz zur Politik wieder herstellt, die einigen ihrer Protagonisten offenbar abhandengekommen ist.

Einigen Klimaforschern ist die nötige Distanz
abhandengekommen.

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