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Donnerstag, 09. Februar 2012
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Weltklimabericht Der Menschheit bleiben acht Jahre Zeit

04.05.2007 ·  Der dritte Teil des Weltklimaberichts liegt vor. Die schlechte Nachricht: Spätestens 2015 muss der immer noch steigende Treibhausgasausstoß der Welt wieder sinken. Die gute Nachricht: Die Klimakatastrophe lässt sich mit nur einem Tausendstel der Weltwirtschaftsleistung vermeiden.

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Die Klimakatastrophe lässt sich mit nur einem Tausendstel der Weltwirtschaftsleistung vermeiden. Das ist eines der wichtigsten Ergebnisse des jüngsten UN-Klimaberichts, dessen dritter Teil am Freitag in Bangkok veröffentlicht worden ist. Der Menschheit bleibt allerdings kaum noch Zeit: Spätestens in acht Jahren muss der momentan immer noch steigende Treibhausgasausstoß der Welt wieder sinken, wenn die Folgen der Erderwärmung beherrschbar bleiben sollen. „Wir müssen handeln und dürfen keine zehn Jahre mehr warten“, mahnte einer der Mitherausgeber des Reports, Prof. Olav Hohmeyer von der Universität Flensburg. „Die Reduktionsziele für den Treibhausgasausstoß müssen ehrgeiziger sein.“

Die Klimaschutzkosten sind nach Analyse des UN-Klimarats IPCC überschaubar. „Im ehrgeizigsten Szenario würde das Weltwirtschaftswachstum bis 2030 im Jahr höchstens 0,12 Prozentpunkte niedriger liegen“, sagte der zweite Vorsitzende der IPCC- Arbeitsgruppe, Bert Metz. Das bedeute keine gravierenden Einbußen in der Lebensqualität, betonte der Co-Vorsitzende der Arbeitsgruppe, Ogunlade Davidson. „Es geht hier nicht um Opfer, die die Menschen bringen müssen, sondern um Änderungen des Lebensstils.“ So schlagen die Wissenschaftler etwa vor, mehr Rad zu fahren und zu laufen, statt das Auto zu benutzen.

„Wir haben keine Zeit zu verlieren“

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) mahnte einen konsequenteren Ausbau der Bioenergie und Energiespartechniken an. „Wir haben keine Zeit zu verlieren“, sagte Gabriel, der auch amtierender EU-Umweltratspräsident ist. Die EU sei auf einem guten Weg. „Jetzt kommt es darauf an, dass wir bei der Klimakonferenz im Dezember auf Bali auch international die Weichen richtig stellen.“

Um die Erderwärmung im beherrschbaren Bereich von 2 bis 2,4 Grad Celsius zu halten, müssen die weltweiten Kohlendioxidemissionen bis Mitte des Jahrhunderts um 50 bis 85 Prozent sinken - verglichen mit den Werten vom Jahr 2000. Damit soll die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre begrenzt werden, und zwar auf 445 bis 490 ppm (Teile pro Millionen Teile Luft). „Um das zu erreichen, ist eine riesige Anstrengung erforderlich“, sage Metz.

Preisschild für Kohlendioxid

Viele nötigen Techniken sind nach Angaben des UN-Klimarats IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) bereits heute verfügbar, andere müssen entwickelt oder verbessert werden. In allen Sektoren könnte eine Art Preisschild darüber informieren, wie viel Kohlendioxid ein Gegenstand oder eine Dienstleistung verursacht und damit zu einem Bewusstseinswandel beitragen.

Der Direktor des UN-Umweltprogramms, Achim Steiner, warnte angesichts der teils dramatischen Prognosen möglicher Klimawandelfolgen vor Fatalismus. „Im Jahr 2007 werden uns nicht nur die Konsequenzen in drastischer Weise vor Augen geführt, sondern die Lösungen bekommen eine klarere Kontur“, sagte Steiner. „Der dritte Teil des Berichts setzt sich mit der Machbarkeit von Lösungsansätzen auseinander, das ist Grund für Mut und Optimismus.“

„Die Arbeit ist vollendet“

Die Delegierten des Weltklimarats (IPCC) in Bangkok hatten sich nach zähem Ringen auf den abschließenden Wortlaut des Weltklimaberichts geeinigt. Im Mittelpunkt des dritten Teils dieses Berichts stehen Maßnahmen zur Eindämmung der Erderwärmung. „Die Arbeit ist vollendet“, sagte ein Mitglied der südafrikanischen Delegation, Peter Lukey. Es sei alles erreicht was man habe erreichen wollen, und sogar noch mehr. „Die Botschaft lautet: Wir müssen jetzt handeln.“

Schon vor der Veröffentlichung des Berichts sagte der deutsche Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Michael Müller: „Die Weltgemeinschaft muss die Klimakatastrophe ernster nehmen“. Der Klimarat gebe dem G-8-Gipfel Anfang Juni in Heiligendamm an der Ostsee damit eine starke Vorgabe, um entschlossene Signale für den Kampf gegen den Klimawandel zu setzen.

Im Kapitel über Atomkraft argumentierte die deutsche Delegation gegen eine zu starke Betonung von Atomstrom als Alternative zu fossilen Brennstoffen. Hier habe vor allem die amerikanische Delegation eine deutlichere Befürwortung gewünscht, hieß es. In dem Text wird die Atomkraft zur Stromerzeugung als treibhausgasneutrale Alternative aufgeführt, allerdings mit dem Hinweis auf die Sicherheitsrisiken und die ungelöste Abfallproblematik.

Zähes Ringen um das Schlussdokument

Die Wissenschaftler und Vertreter von mehr als hundert Ländern hatten in Bangkok vier Tage und überwiegend Nächte an dem Schlussdokument gearbeitet. Es handelt sich um eine Zusammenfassung von mehr als tausend Seiten wissenschaftlicher Daten und Analysen. Der Text musste von den Regierungsvertretern abgesegnet werden.

Auch vor der Vorstellung des zweiten Teils des Klimaberichts Anfang April in Brüssel hatten die Delegierten bis zur letzten Minute über Formulierungen debattiert. Dieser Text zeichnete ein dramatisches Bild von den Folgen des Klimawandels. Vor allem die ärmsten Länder sind demnach von Hunger, Wassermangel, Stürmen und Überschwemmungen betroffen. Bis zu 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten sind der Einschätzung zufolge vom Aussterben bedroht, wenn die Temperatur um zwei Grad Celsius steigt.

Der Anfang Februar in Paris vorgestellte erste Teil des IPCC-Berichts stellte die Verantwortung des Menschen für die Erderwärmung so deutlich heraus wie keine Studie zuvor.

Quelle: FAZ.NET mit Material der Nachrichtenagenturen
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