Home
http://www.faz.net/-gx8-usyn
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Weltklimabericht Amerikaner lassen kritische Passagen streichen

06.04.2007 ·  Dem neuen Weltklimabericht zufolge sind durch die globale Erwärmung bis zu dreißig Prozent aller Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht. Auf Druck der Vereinigten Staaten und anderer Länder sollen kritische Passagen aus dem Bericht entfernt worden sein.

Artikel Bilder (5) Lesermeinungen (7)

Nach tagelangem Ringen um einzelne Formulierungen hat sich der Weltklimarat (IPCC) am Freitag auf einen neuen Bericht geeinigt, demzufolge durch die globale Erwärmung bis zu 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht sind. Die Verhandlungen in Brüssel über einzelne Passagen währten bis zur letzten Minute. Vor allem die Vereinigten Staaten, China und Saudi-Arabien meldeten Änderungswünsche an.

Einige Wissenschaftler kritisierten, der Bericht sei durch politische Einflussnahme verwässert worden. Der IPCC-Vorsitzende Rajendra Pachauri sprach von einer „schwierigen Übung“. Strittig waren während der Beratungen nach Angaben von Teilnehmern das Ausmaß der erwarteten Ausrottung von Tier- und Pflanzenarten sowie die Frage, ob eine Schätzung zu den finanziellen Kosten der Klimakatastrophe in den Bericht aufgenommen werden soll.

Einige Wissenschaftler widersetzten sich den Änderungen, die Regierungsvertreter an dem Entwurf vornehmen wollten und kündigten an, sie wollten an einem weiteren Klimabericht nicht mehr mitarbeiten. In dem von Wissenschaftlern erstellten Entwurf für den Bericht hieß es, dass etwa 20 bis 30 Prozent aller Arten von unumkehrbarer Auslöschung bedroht sind, wenn die globale Durchschnittstemperatur um 1,5 bis 2,5 Grad steigt. Diese Stelle sei bei den Beratungen für die Endfassung abgeschwächt worden, kritisierte Ian Burton vom Stockholmer Umweltinstitut, der an den Beratungen teilnahm.

„Ein sehr deutliches Signal“

Der IPCC-Report sei dennoch „ein sehr, sehr deutliches Signal“ für die Regierungen, erklärte der Chef des UN-Klimasekretariats, Yvo de Boer. Hans Verolme von der Naturschutzorganisation WWF erklärte, auf die wissenschaftlichen Ergebnisse des Berichts müsse eine ähnlich dringende Antwort folgen. „Nichts zu tun ist keine Option“, sagte Verolme. EU-Umweltkommissar Stavros Dimas sagte, die IPCC-Ergebnisse verstärkten die Entschlossenheit der Europäischen Union, die Emission von Treibhausgasen zu verringern. Von den Folgen der globalen Erwärmung sind dem Weltklimarat zufolge Milliarden Menschen betroffen.

Am dramatischsten sind die Auswirkungen demnach für Afrika, wo bis 2020 vermutlich bis zu 250 Millionen Menschen unter Wassermangel zu leiden haben. In einigen Ländern werden die Ernten um die Hälfte zurückgehen. In Nordamerika drohen dem Bericht zufolge vermehrt tödliche Wirbelstürme, Überschwemmungen, Hitzwellen und Buschbrände mit enormen wirtschaftlichen Folgen. Asien ist ebenfalls von heftigen Überflutungen durch Gletscherschmelze bedroht.

Der Anfang Februar in Paris vorgestellte erste Bericht stellt die Verantwortung des Menschen für die Erderwärmung so deutlich heraus wie kein Report zuvor: Als sehr wahrscheinliche Ursache des Temperaturanstiegs wird der von Menschen verursachte Ausstoß von Treibhausgasen genannt. Anders seien die Veränderungen in der Atmosphäre und den Weltmeeren sowie das Abschmelzen der Pole nicht zu erklären.

Quelle: FAZ.NET mit Material von AP
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Das Gespenst Gentechnik geht

Von Joachim Müller-Jung

Während fast überall auf der Welt neue Nutzpflanzen gezüchtet werden, sinkt das Interesse für die grüne Gentechnik in Deutschland und Europa ständig. Auf dem Acker fahren wir im Rückwärtsgang. Die EU-Kommission versucht das zu ändern. Mehr 9 7