07.11.2007 · Laut der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen sinkt der Energieverbrauch in Deutschland in diesem Jahr deutlich. Deutschland könnte nach Berechnungen der Umweltgruppe German Watch schon 2007 seine Klimaschutzziele nach dem Kyoto-Protokoll erreichen.
Deutschland könnte nach Berechnungen von Klimaexperten überraschend schon 2007 seine Klimaschutzziele nach dem Kyoto-Protokoll erreichen. Die Prognose stellte die Klimaschutzgruppe German Watch auf Grundlage des deutlichen Rückgangs beim Energieverbrauch auf. Damit wäre das Ziel fünf Jahre früher erreicht als ursprünglich geplant.
Zu erwarten sei im laufenden Jahr ein Rückgang der Emissionen um mindestens drei bis vier Prozent und damit „mit ziemlicher Sicherheit die zugesagten 21 Prozent Reduktion gegenüber 1990“, sagte Klimaexperte Christoph Bals der Nachrichtenagentur AP in Berlin. Bals beschäftigt sich seit Jahren mit dem Klimaschutz und vertritt seine Organisation bei den Weltklimakonferenzen.
Andere Experten halten diese Prognose für plausibel. So erklärte der zuständige Referatsleiter im Umweltbundesamt, Michael Strogies, auf AP-Anfrage: „Es ist möglich.“ Allerdings müsse man den Jahresabschluss abwarten. Würden die nächsten Monate extrem kalt, wäre auch die bislang positive Klimabilanz getrübt. Strogies ist für die offizielle Meldung des deutschen Klimagasausstoßes an die Vereinten Nationen zuständig. Die Energieexpertin beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, Claudia Kemfert, sagte, die Prognose sei optimistisch, „aber nicht ausgeschlossen“. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel äußerte sich auf AP-Anfrage zurückhaltend: „Das will ich erst einmal sehen.“
Extrem milder Winter
Hintergrund für Bals' Prognose sind Zahlen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen, wonach der deutsche Energieverbrauch bis Ende September gegenüber dem Vorjahr um 7,5 Prozent zurückgegangen ist. Dabei sank der Verbrauch an Mineralöl um 10 Prozent, der an Erdgas um 11,6 Prozent. Gleichzeitig stieg wegen außergewöhnlich guter Windbedingungen die Produktion an Windstrom um knapp 60 Prozent.
Damit werde Deutschland „in diesem Jahr vermutlich erstmals sein Kyoto-Ziel erreichen“, sagte Bals der AP. Nach dem Kyoto-Protokoll ist Deutschland verpflichtet, den Ausstoß von sechs Klimagasen von 1990 bis 2012 um 21 Prozent zu vermindern. Die letzte offizielle, bei den Vereinten Nationen erfasste Zahl sind 18,4 Prozent Rückgang bis zum Jahr 2005.
Die positive Entwicklung 2007 ist allerdings laut Bals hauptsächlich Sondereffekten geschuldet: So trug der extrem milde Winter dazu bei, dass wenig geheizt wurde; wegen der Mehrwertsteuererhöhung Anfang des Jahres zogen viele Verbraucher ihren Heizölkauf ins Jahr 2006 vor. Die hohen Öl- und Gaspreise boten einen Anreiz zum Sparen. Kurzfristige Entwicklungen solle man nicht überbewerten, betonte Bals. Stützen lasse sich der Trend nur mit verbindlichen und langfristigen Maßnahmen.
Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen
Die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen wurde 1971 von sieben Verbänden der deutschen Energiewirtschaft und drei auf dem Gebiet der energiewirtschaftlichen Forschung tätigen Instituten gegründet. Der Verein erstellt jedes Jahr eine Energiebilanz der Bundesrepublik Deutschland