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Veröffentlicht: 09.04.2007, 12:32 Uhr

Umweltindustrie Die grünen Champions aus Deutschland

Jede dritte Solarzelle und jedes zweite Windrad kommt aus Deutschland. Das Klima wärmt die Umweltindustrie, die sich zur Leitbranche entwickelt. Ein Jobmotor sind die Geschäfte mit Sonne, Wind und Wasser schon heute.

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© AP Werden immer mehr

Die deutsche Wirtschaft erlebt ihr grünes Wunder: Geschäfte mit Sonne, Wind und Wasser entwickeln sich zum Exportschlager, die Öko-Szene zur Boombranche des 21. Jahrhunderts. „Deutschland nimmt in dem Bereich eine weltweite Führungsrolle ein“, sagt Roland-Berger-Chef Burkhard Schwenker. Eine Billion Euro Umsatz prognostiziert er der grünen Branche im Jahr 2030. Munter zählt er die Bereiche auf, in denen deutsche Firmen international die Maßstäbe setzen: größte installierte Windkraftkapazität, höchste Verwertungsquote bei Verpackungen, modernste Kraftwerktechnologie, höchster Anteil bei der Regenwassernutzung, Weltmeister bei vielen effizienten Verbrauchsgeräten.

Georg Meck Folgen:

Keine Frage: Grün ist in. Und Schwarz-Rot-Gold rennt dabei an der Spitze. So bedrohlich die Berichte über den Klimawandel sind, für den Standort Deutschland erwächst daraus eine ökonomische Chance. Dabei trifft es sich, dass wir für Ingenieurskunst ebenso stehen wie für Naturschwärmerei, wir bei der Anmeldung von Patenten ebenso Vorreiter sind wie bei Mülltrennung und Dosenpfand. Aus einer verlachten, mit Milliarden an Steuergeldern aufgepäppelten Öko-Branche entsteht so ein gewaltiger Wirtschaftsfaktor. Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD), stets das große Ganze im Blick, ruft bereits die „dritte industrielle Revolution“ aus.

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„Die Öko-Branche ist schon heute ein Jobmotor“

Tatsächlich wird heute schon jede dritte Solarzelle weltweit in Deutschland produziert sowie fast jedes zweite Windrad. „Selbst wenn GE draufsteht, ist größtenteils made in Germany drin“, tönt der Verband Erneuerbare Energie, der für das abgelaufene Jahr Exporte in Höhe von sechs Milliarden Euro meldet - ein Plus von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Die Öko-Branche entwickelt sich zur Leitbranche in Deutschland. Ein Jobmotor ist sie schon heute“, sagt Roland-Berger-Berater Torsten Henzelmann. Im Auftrag der Bundesregierung hat das Berater-Team einen Öko-Atlas Deutschland geschrieben, der zum EU-Umweltgipfel im Juni offiziell veröffentlicht werden wird. Knapp 1500 Firmen, allesamt in der Umwelttechnologie tätig, haben die Berater dazu befragt, Unmengen an Studien ausgewertet.

Das erfreuliche Ergebnis: „Green Tech made in Germany“ schafft Jobs und Wohlstand in Deutschland. „2020 wird die Branche mehr Mitarbeiter ernähren als der Maschinenbau oder die Autoindustrie“, sagt Henzelmann. Seine kühne Prognose: In wenigen Jahren nehmen die Ökos mehr Geld ein als die beiden traditionellen Vorzeigebranchen zusammen. Eine Million Arbeitnehmer beschäftigt der Bereich Umwelttechnik laut Berger-Studie. „Die Zahl wird parallel zu den explodierenden Umsätzen steigen“, sagt Berater Henzelmann. „Die Unternehmen klagen schon heute, dass sie nicht genügend qualifizierte Mitarbeiter finden - das ist der Engpassfaktor für ihr Wachstum.“

„Diese Fehler kann die Umweltbranche vermeiden

Mit den Öko-Pionieren habe Deutschland die Chance, endlich wieder globale Champions hervorzubringen, glaubt auch August Joas von der Beraterfirma Mercer. „In Zukunftsmärkten waren wir immer früh dabei, sehr oft scheiterten wir dann an der Vermarktung. Diese Fehler kann die Umweltbranche vermeiden.“ In der Phase der New Economy blühten auch hierzulande der Erfinder- und Gründergeist, die Vorherrschaft in dem daraus erwachsenen Geschäft sicherten sich jedoch andere, Firmen wie Google, Yahoo und Ebay. Die Deutschen hatten das Nachsehen. Wie schon so oft.

Konrad Zuse mit dem ersten programmierbaren Computer aus dem Jahr 1941 sowie der MP3-Player, der 1987 in einem Fraunhofer-Institut entwickelt wurde, sind berühmte Beispiele für deutsche Ideen, deren ökonomische Durchschlagskraft andernorts erkannt wurde. Selten münzten deutsche Pioniere ihre Erfindungen konsequent in ökonomischen Erfolg um wie Gottlieb Daimler und Karl Benz; aus deren 1886 konstruierter Motorkutsche erwuchs ein Weltkonzern, damit begründeten sie die deutsche Vorherrschaft im Automobilbau bis zum heutigen Tag.

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