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Südafrika Der Wellenreiter

24.10.2009 ·  In ganz Südafrika gibt es derzeit sieben Windräder - davon stammen vier vom Umweltpionier Hermann Oelsner. Das neue Projekt des Deutschen ist ein Wellenkraftwerk, dabei werden zur Stromerzeugung die durch den Wellengang ausgelösten Druckveränderungen auf dem Meeresboden genutzt.

Von Claudia Bröll
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Für Hermann Oelsner liegt der Schlüssel für eine klimafreundliche Energieversorgung nur wenige Kilometer entfernt von seinem viktorianischen Haus in Südafrikas Westkap. Die hohen Wellen des Atlantiks branden dort an die Küste. Der Wind fegt die Gischt durch die Luft. Die Südspitze Afrikas ist heute ein Surferparadies. Wenn es nach dem deutschen Einwanderer geht, sollen die Wellen jedoch bald einen höheren Zweck erfüllen: Sie sollen die Stromknappheit Südafrikas verringern, ohne die Luft zu verschmutzen.

"Man muss sich nur an den Strand setzen, dann sieht man, welche Kraft im Meer steckt. Diese Energie geht bisher völlig ungenutzt verloren", sagt der Ingenieur aus Nürnberg. Das von ihm geplante, 1,5 Milliarden Euro teure Wellenkraftwerk wäre das erste in Südafrika. Langfristig könnte es 770 Megawatt liefern, fast halb so viel wie das einzige Kernkraftwerk des Landes.

Pionier im Bereich erneuerbarer Energien

Oelsner, der schon mit allem Möglichen, von einer Bäckerei bis zum Maklerunternehmen, sein Geld verdiente, ist in Südafrika ein bekannter Pionier im Bereich erneuerbarer Energien. Vor einem Jahr eröffnete er unter großem Presserummel den ersten Windpark im Land. Zwölf Jahre hatte er dafür mit den Behörden und dem staatlichen Stromversorger Eskom herumgezackert. Dabei ging es um gerade einmal vier Windräder, die 5,2 Megawatt liefern. Der Strom wird an die Stadt Kapstadt verkauft.

Südafrika ist kein Vorreiter im Kampf gegen den Klimawandel. Die Regierung hat sich zwar das Ziel gesetzt, fünf Prozent des heute erzeugten Stroms bis zum Jahr 2013 aus erneuerbaren Energiequellen zu gewinnen. Bis dahin ist es jedoch ein weiter Weg. Im ganzen Land gibt es derzeit sieben Windräder - die vier von Oelsner und drei von Eskom. Auch in der Solarenergie hängt man hinterher. Der Großteil des Stroms stammt aus Kohlekraftwerken.

Dabei braucht Afrikas größte Volkswirtschaft neue Energiequellen dringend. Seit längerem kann der Strombedarf nicht mehr gedeckt werden. Gleichzeitig gehört Südafrika zu den 20 Ländern mit dem stärksten Kohlendioxid-Ausstoß. Das Secunda-Werk des Petrochemiekonzerns Sasol ist die größte einzelne CO2-Quelle der Welt. "Statt auf erneuerbare Energien aber setzt Eskom weiter auf die Kohle", stöhnt Oelsner.

Älteres Verfahren wiederentdeckt

Für sein Wellenkraftwerk hat der Deutsche ein Verfahren wiederentdeckt, das von der südafrikanischen Universität Stellenbosch während der Ölkrise in den siebziger Jahren entwickelt wurde. Angewendet wurde es nie. Zur Stromerzeugung werden die durch den Wellengang ausgelösten Druckveränderungen auf dem Meeresboden genutzt. Diese werden in einem Kanal in eine oszillierende Luftsäule umgewandelt, die eine Luftturbine und einen Generator antreibt. Das Kraftwerk befände sich großenteils auf dem Meeresboden, nur der Turm mit der Turbine und dem Generator ragte heraus. Anfangs plant Oelsner zu Demonstrationszwecken eine Kapazität von 5 Megawatt. Expertenschätzungen nach aber könnte am Kap das bis zu 2000-Fache an Energie aus dem Meer gewonnen werden.

Momentan ist der deutsche Energieunternehmer gerade dabei, Partnerunternehmen und Kapitalgeber zu suchen und einzubinden. Und er richtet sich auf einen langen bürokratischen Prozess ein. Zehn Jahre könne die Umsetzung dauern. "In Afrika muss man einen langen Atem haben."

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