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Stadtklima Die reinste Sauna

 ·  Das Problem mit der Hitze hat Freiburg genauso wie New York. Klimaforscher warnen schon seit langem: Unsere Städte heizen sich auf. Doch Stadtplaner wissen immer noch nicht so recht, was sie dagegen tun sollen.

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© dapd Vergrößern Auch Deutschlands Bankenstadt Frankfurt hat ein Problem mit dem Stadtklima.

Freiburg kann das Paradies sein. Doch in der sengenden Mittagshitze ist die Stadt eher die Hölle. Die Sonne scheint nicht, sie brät. Einzig im Schatten lässt es sich aushalten. Den findet man dieser Tage beispielsweise auf dem Platz der Alten Synagoge, der an das Freiburger Universitätsgelände grenzt. Stämmige Platanen haben an den Rändern der großen Rasenfläche ein grünes Dach aufgespannt. Noch bieten sie Schutz. Doch schon in ein paar Monaten wird die Motorsäge anrücken.

Freiburg soll urbaner werden, hat die selbsternannte „Green City“ beschlossen. Dafür müssen Rasen und zahlreiche Bäume weichen. Die Neugestaltung des Platzes ist längst zum Politikum geworden. Kritiker sprechen von einem Backofen, den man sich da in der wärmsten Stadt Deutschlands bauen werde. Ein neues Gutachten der Universität Freiburg bescheinigt, dass das zu unerträglicher Hitze im Sommer führen wird. Die Klimaerwärmung ist in dem Szenario noch gar nicht berücksichtigt.

Mehr als die Hälfte der Menschheit wohnt mittlerweile in Städten, in Deutschland sind es drei Viertel der Bevölkerung. Um Wohn- und Büroraum zu schaffen, werden Freiflächen systematisch zugebaut. Die kompakte, verdichtete City ist eines der beliebtesten Konzepte der modernen Stadtplanung.

Welche Folgen das für das Stadtklima hat, ist bislang kaum erforscht worden. „Das Wissen über den Klimawandel in der Stadt ist kümmerlich bis nicht vorhanden“, sagt der Meteorologe Hans von Storch von der Universität Hamburg. Global gesehen sei der Klimawandel zwar sehr gut untersucht und nachgewiesen, und er sei keineswegs auf die zunehmende Urbanisierung zurückzuführen, wie Klimaskeptiker gerne behaupten. Doch auf lokaler Ebene lägen bisher lediglich dürre Ergebnisse und vage Erkenntnisse vor, sagt von Storch.

Dazu tausendundeine meteorologische Prozessstudien, die zwar hübsche Ergebnisse lieferten, aber kein überzeugendes Gesamtbild. Dabei ist der städtische „Wärmeinsel-Effekt“ schon vor zweihundert Jahren beschrieben worden. Der Apotheker, Hobby-Meteorologe und Wolkenforscher Luke Howard wies ihn 1819 am Beispiel seiner Heimatstadt London nach und verfasste zwei Bände zum Thema „The Climate of London“.

Städte sind häufig einige Grad wärmer als das Umland

Er zeigte damals, dass die Stadt, vor allem bei strahlungsintensiven Hochdruckwetterlagen, ganzjährig um ein bis drei Grad wärmer ist als ihr Umland. Ursachen für diesen Effekt sind ebenfalls schon gefunden worden: Die dichte Bebauung bremst Winde, erzeugt aus sich heraus Wärme, speichert sie und fördert damit häufig noch die Konvektion im Osten der Stadt, so dass dort mehr Regen fällt. Zudem ist die Stadt eine stete Quelle von Luftschadstoffen. Die Wärme- und Schadstoffschicht hängt häufig wie eine Glocke über der Stadt, sie kann Dutzende Meter mächtig sein.

Seit rund vierzig Jahren weiß man auch, dass die Intensität des Wärmeinsel-Effekts mit der Größe der Stadt zunimmt. Er wirkt sich in höheren Breiten stärker aus als in den Tropen. In Vancouver etwa sind in den siebziger Jahren ganze zwölf Grad Unterschied zwischen Stadt und Umland gemessen worden.

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