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Rekordwärme im April Bauern fürchten um ihre Ernten

30.04.2007 ·  Die Wetterberichte feiern herrliches Ausflugswetter. Doch der schöne Schein wirft auch Schatten. Nach einem April, in dem es mancherorts in Deutschland buchstäblich keinen Tropfen geregnet hat, drohen ernsthafte Ernteeinbußen. Die Waldbrandgefahr könnte höher nicht sein. Helfen kann nur anhaltender Regen.

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Im zu Ende gehenden April war es so warm wie seit 207 Jahren nicht mehr. Zuletzt habe es im April des Jahres 1800 wahrscheinlich höhere Durchschnittstemperaturen gegeben als in diesem Jahr, sagte Meteorologe Michael Beisenherz vom Wetterdienst Meteomedia. Die Werte von damals seien allerdings nur vereinzelt überliefert und nicht so genau wie heute. Indes steht fest, dass der April 2007 gleich mehrere Rekorde seit Beginn regelmäßiger Wetteraufzeichnungen im Jahr 1901 bricht: So trocken, so warm und so sonnig war es in diesem Zeitraum noch nie.

„Die Mitteltemperatur für ganz Deutschland wird wahrscheinlich bei knapp 12 Grad liegen“, sagte Beisenherz über die vermuteten Werte im April. Bisher hatte der April 1961 mit 10,6 Grad den Rekord gehalten. Im Nordosten Deutschlands lagen die Temperaturen etwa 4 Grad über dem langjährigen Mittelwert der Jahre 1961 bis 1990, im Südenwesten waren es sogar 5 Grad. „Bemerkenswert sind vor allem die hohen Durchschnittswerte und nicht die absoluten Höchststände“, sagte Beisenherz. Einen Rekord stellt die Trockenheit dar, die an manchen Orten extreme Ausmaße annimmt: In Karlsruhe gab es im gesamten April keinen Regen. Dafür schien die Sonne mit etwa 350 Stunden gleich doppelt so lange wie im Schnitt.

Schon am Freitag hatte der Deutsche Wetterdienst (DWD) berichtet, dass der April wahrscheinlich gleich mehrere Rekorde brechen werde. In Deutschland liegen die Durchschnittstemperaturen demnach bei etwa 11,7 Grad Celsius und somit rund 4,4 Grad über dem Mittelwert. Mit rund vier Litern Niederschlag pro Quadratmeter ist es so trocken wie noch nie. Falls kein Regen mehr fällt, könnte dieser Monat den bisherigen Negativrekord aus dem Jahr 1908 einstellen, als lediglich 4,2 Liter pro Quadratmeter fielen.

Rekordwärme im April: Bauern fürchten um ihre Ernten

„Schon ein winziger Funke reicht“

Schon seit Wochen warnen Behörden in ganz Deutschland vor akuter Waldbrandgefahr und appellieren an die Umsicht der Bevölkerung, um flächendeckende Feuer zu verhindern. In den vergangenen Tagen hat sich diese Gefahr noch einmal verschärft. Das zeigt schon ein flüchtiger Blick auf die Waldbrandgefahrenkarte des Deutschen Wetterdienstes. Für fast das gesamte Bundesgebiet gilt die zweithöchste Gefahrenstufe, in weiten Teilen Brandenburgs, Sachsens und in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen die höchste.

Selbst Experten reiben sich angesichts der aktuellen Lage verwundert die Augen: „Die Situation ist schon einmalig“, sagt Sönke Jacobs vom Deutschen Feuerwehrverband (DFV). Verschärft wird die Lage noch durch unangenehme Spätfolgen des Orkans „Kyrill“, der im Januar gewütet und größte Forstschäden hinterlassen hatte.

Noch immer sind diese nicht beseitigt, in manchen Wäldern liegen umgeknickte Bäume laut DFV meterhoch übereinander. Bei einem Waldbrand kämen die Einsatzkräfte mancherorts dann nur schwierig oder kaum voran. Darüber hinaus bietet das aufgeschichtete, extrem trockene Holz beste Bedingungen für ein sich rasend ausbreitendes Feuer. „Wir wollen keine Panik machen, aber mittlerweile reicht schon ein winziger Funke für einen großflächigen Brand“, betont Jacobs. Angesichts der Trockenheit könne sich das Feuer dann explosionsartig ausbreiten.

Schicksalswoche für die Landwirtschaft

Schon jetzt lassen die sommerlichen Temperaturen die Bauern um ihre Getreideernten zittern. Der Sprecher des Deutschen Bauernverbandes, Michael Lohse, sagte dem Magazin „Focus“: „Wenn es in den nächsten zehn Tagen nicht dauerhaft regnet, drohen Missernten bei Sommergerste, -weizen und Zuckerrüben.“ Gerade auch die Braugerste sei gefährdet. „Die Frühsaat kann in den trockenen Ackerschollen nur mickrige Wurzeln ausbilden.“ Die meisten Felder in Deutschland sind nicht mit Bewässerungsanlagen ausgestattet. Es sei nicht auszuschließen, dass der heiße April im Herbst sogar den Bierpreis steigen lässt.

Die anhaltende Hitze hat besonders in der Landwirtschaft Brandenburgs aber auch schon in anderen Bundesländern erste Schäden angerichet. Sollte es in den kommenden Tagen nicht kühler werden und regnen, könnte es sehr problematisch werden, fürchtet Landesbauernpräsident Udo Folgart. „Die erste Maiwoche wird zur Schicksalwoche für die Landwirtschaft“, warnte er in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Alle Wintergetreidearten seien gefährdet und auch Raps, der in die Blüte geht. Die Pflanzen bräuchten dringend Nährstoff. „Nährstoff kann aber nur durch Wasser transportiert werden. Die Pflanzen, die gut aus dem Winter gekommen sind, lechzen nun nach Wasser“, sagte Folgart. Auch auf dem Grünland zeichneten sich Trockenschäden ab. Lediglich für den Obstbauern kam der Ausfall der gefürchteten Nachtfröste im April gelegen. Allerdings sind die Preise für Obst wegen früherer schlechter Ernte-Erträge schon jetzt so hoch wie noch nie.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa, AP, Reuters
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