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Sonntag, 19. Februar 2012
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Pilze Heimtückischer Froschfeind

29.03.2007 ·  Ein parasitischer Pilz profitiert von den globalen Klimaveränderungen. Weil es in einigen Gebieten immer wärmer und feuchter wird, kann sich der tödliche Pilz öfters an vom Aussterben bedrohte Tiere wie Frösche, Kröten, Salamander und Molche haften.

Von Diemut Klärner
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Frösche und Kröten, Salamander und Molche sind vom globalen Artensterben besonders hart betroffen. Ein Drittel aller Amphibienarten gilt jedenfalls als gefährdet. Schon in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts hatten Fachleute Alarm geschlagen.

Zu den damals beklagten Opfern zählen australische Frösche der Gattung Rheobatrachus, die ihren Magen als Brutkasten nutzen, um schließlich kleine Fröschlein auszuspucken. Bedroht sind offenbar nicht nur Amphibien, die unter einer Zerstörung, Verschmutzung oder Versauerung ihrer Biotope zu leiden haben.

Zumindest bei einigen dieser rätselhaften Fälle ist wohl, begünstigt durch Klimaveränderungen, ein parasitischer Pilz im Spiel. Dieser schon länger gehegte Verdacht wird durch Untersuchungen bekräftigt, die unlängst in Spanien vorgenommen worden sind.

Nicht alle Spezies gleichermaßen bedroht

Der Pilz mit der wissenschaftlichen Bezeichnung Batrachochytrium dendrobatides wurde nach den Dendrobatiden benannt, den kleinen bunten Pfeilgiftfröschen in den tropischen Regionen Amerikas. Er ist der einzige Vertreter der Urpilze (Chytridiomyceten), der sich an Wirbeltieren vergreift.

Die meisten dieser mikroskopisch kleinen Pilze suchen verschiedenartige Pflanzen heim, und einige wenige befallen Insekten, die im Wasser leben. Mittlerweile wurde Batrachochytrium auch bei zahlreichen Amphibienarten entdeckt. Allerdings sind nicht alle diese Spezies gleichermaßen von dem Krankheitserreger bedroht.

Der afrikanische Krallenfrosch (Xenopus laevis) und der nordamerikanische Ochsenfrosch (Rana catesbeiana) beispielsweise zeigen niemals Krankheitssymptome, wenn sie den Pilz in ihren Hautzellen beherbergen. Dass beide Arten rund um den Globus verschleppt wurden, trug vermutlich zu der globalen Verbreitung von Batrachochytrium bei.

Die größte Gefahr lauert in mittleren Gebirgslagen

Ob die Pilzinfektion tödlich endet, scheint aber nicht nur von der Anfälligkeit seiner Opfer abzuhängen, sondern auch vom lokalen Ambiente. Diesen Verdacht schöpften Forscher, die Pfeilgiftfrösche der Gattung Atelopus studierten. Von einst 110 Arten dieser farbenfrohen, auch als Harlekinfrösche bekannten Tiere sind im Laufe der vergangenen zwanzig Jahre zwei Drittel verschollen („Nature“, Bd. 439, S. 161).

Dass die meisten Arten, nach denen die Wissenschaftler vergeblich suchten, in mittleren Gebirgslagen heimisch waren, ist wohl kein Zufall. Denn gerade in dieser Region, 1000 bis 2400 Meter über dem Meeresspiegel, hat sich das Klima merklich verändert. Vermutlich konnte der parasitische Pilz davon profitieren, dass die Nächte dort wärmer geworden und die Berghänge tagsüber häufiger wolkenverhangen sind.

Der Klimawandel und die tödliche Pilzinfektion

Einen Zusammenhang zwischen Klimawandel und tödlicher Pilzinfektion zeichnet sich auch im Südwesten Europas ab. Obwohl Batrachochytrium in Europa längst weit verbreitet ist, löste er bisher nur in einigen französischen und spanischen Gebirgsregionen ein Massensterben von Amphibien aus.

Wissenschaftler um Jaime Bosch vom Museo Nacional de Ciencias Naturales in Madrid und Susan Walker vom Imperial College in London haben kürzlich die Sierra de Guadarrama unweit von Madrid genauer unter die Lupe genommen. Seit 1997 ist dort nicht nur die Population der Geburtshelferkröte dramatisch geschrumpft, sondern auch Feuersalamander und Erdkröten sind in Scharen der Pilzinfektion erlegen („Proceedings of the Royal Society“, Teil B, Bd. 274, S. 253).

Tau und Nebel während der Paarungszeit

Welche klimatischen Veränderungen zeitgleich stattgefunden haben, zeigen die Aufzeichnungen der nahe gelegenen Wetterstation: Die Sommer sind wärmer geworden, die Winter milder, und vor allem im Mai hat die Zahl der Tage zugenommen, an denen Tau fällt und Nebel die Berge einhüllt.

Nach Einschätzung der Wissenschaftler kann sommerliche Hitze dem parasitischen Pilz nichts anhaben, weil sich Amphibien an solchen Tagen einen kühlen Schlupfwinkel suchen. Von höheren Temperaturen im Winter profitiert Batrachochytrium aber zweifellos. Darüber hinaus hat sich vermutlich die Ansteckungsgefahr vergrößert, weil Tau und Nebel ausgerechnet während der Paarungszeit besonders günstige Bedingungen für den Pilz schaffen.

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