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Nicholas Williams, Baring Auf der Suche nach unbeachteten Strategien

20.01.2010 ·  Baring-Manager Nicholas Williams sucht nach Unternehmen, die mit neuen oder unbeachteten Strategien die Erosion ihrer Margen verhindern können. Strikte Kursziele und das Achten auf Liquidität sollen Irrtümer begrenzen.

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Nicholas Williams arbeitet seit Oktober 2004 bei Baring Asset Management und ist als Senior Investment Manager für den Baring Europe Select Trust sowie für die kontinentaleuropäischen Small- und Mid-Cap-Produkte verantwortlich. Zuletzt war er seit 1993 bei Singer & Friedlander tätig. Dort war er als Leiter des europäischen Investmentteams und Mitglied des Investment Policy Committee für Europäische Aktienfonds für institutionelle und Privatkunden verantwortlich. Nicholas Williams absolvierte ein Studium der Englischen Philologie am Corpus Christi College der Universität Oxford.

Wie wird das Jahr 2010?

Die Wirtschaft wird sich weiter erholen, wie es die meisten Wirtschaftsdaten indizieren. Vor allem trifft das auf die Schwellenländer zu, aber auch die Vereinigten Staaten. Europa wird weniger aufregend werden. Nicht zuletzt wird die Situation durch die Haushaltsdefizite verkompliziert, vornehmlich im Süden der EU. Aber wir werden keinen Zahlungsausfall und auch kein Ausscheiden aus der Eurozone erleben. Im Grunde wird die Entwicklung also ziemlich normal verlaufen, wie es eben nach Rezessionen die Regel ist.

Was sind die Wachstumstreiber?

Die wichtigste Ursache sind die niedrigen Kreditzinsen. Die Banken vergeben wieder mehr Darlehen, auch wenn sie noch mit ihrer Kapitalstruktur beschäftigt sind. Doch die Bilanzen der Nicht-Finanz-Unternehmen sehen besser aus, als dies in früheren Rezessionen der Fall war. Eine große Rolle spielen auch die Konjunkturprogramme und das Wieder-Auffüllen der 2009 drastisch verringerten Lagerbestände.

Was geschieht, wenn die Konjunkturmaßnahmen auslaufen?

Die Erfahrung zeigt, dass wirtschaftliche Erholungsphasen sich selbst nähren. Wann das Verbrauchervertrauen wieder anspringt, weiß letztlich niemand. Es gibt aber ermutigende Signale: So erholen sich die britischen und amerikanischen Immobilienmärkte und das Weihnachtsgeschäft in Großbritannien ist besser als erwartet und ziemlich normal verlaufen - auch wenn noch nicht klar ist, ob nicht Vorzieh-Effekte wegen der anstehenden Erhöhung der Umsatzsteuern eine Rolle gespielt haben. Zudem sollten höhere Zinsen mit einem größeren Verbrauchervertrauen einhergehen.

Ihre Strategie sieht vor, Unternehmen zu finden, die bessere Ergebnisse vorlegen werden als allgemein erwartet, Sind sie im aktuell optimistischen Markt demnach ein „Super-Optimist“?

Wir suchen nach qualitativ besseren Ergebnissen. Üblicherweise sinken die Margen von Unternehmen, die lange Zeit an ihren Produkten gut verdient haben. Wir suchen diejenigen, die in der Lage sind, durch neue Produkte, Investitionen oder den Verkauf schwächer rentierlicher Geschäftszweige, dieses Schicksal im Gegensatz zur vorherrschenden Ansicht zu verhindern. Oft handelt es sich um längst bekannte Strategieentwürfe, die niemand beachtet hat oder auf deren Ergebnisse noch gewartet wird. Die eine Hälfte unserer Erträge ist auf bessere Ergebnisse zurückzuführen, die andere darauf, dass andere unserer Einschätzung folgen.

Sie greifen damit auf weiche Faktoren zurück. Wie begrenzen Sie Irrtümer?

Prognosen sind letztlich auch keine harten Tatsachen. Wir beschränken uns daher auch auf einen Zeithorizont von höchstens drei Jahren. Mit einem Unternehmen, das wir vorausgewählt haben, treten wir in Kontakt und halten diesen während der Dauer unseres Investments. Wir beteiligen uns selten an Neuemissionen und springen nicht auf Modethemen auf, weil viele dieser Aktien überbewertet sind, weil sich gerade alle Anleger darauf stürzen.

So sind wir auch vom Absturz der Biomasse-Aktien verschont geblieben - wir waren gar nicht erst dabei. Auch alternative Energien spielen bei uns aufgrund der hohen Erwartungen an die Unternehmen eine eher geringe Rolle. Wir haben für jede Aktie ein Kursziel und achten sehr auf Liquidität. Deswegen sind wir derzeit in mehr als 100 Aktien investiert.

Wo sehen Sie zur Zeit Gelegenheiten?

Wir beobachten die Aktienmärkte der angeschlagenen EU-Länder, weil wir hoffen, dass sich dort Einstiegsmöglichkeiten ergeben. Russland sollte sich im laufenden Jahr erholen. Zudem sehe ich viel Potential in Medien-Aktien. Mit dem Werbepotential der bevorstehenden Fußball-WM, einiger Parlamentswahlen und angesichts der wirtschaftlichen Erholung halte ich sie für unterbewertet. Viele Firmen haben obendrein ungenutzte Vermögenswerte. Allerdings ziehe ich Fernsehsender den Zeitungen vor.

Und obwohl ich keine Investmentthemen verfolge, so ist die Frage interessant, wer von der alternden Gesellschaft profitiert und wer nicht. So hat Stada darunter leiden müssen, dass der Bedarf für Deutschland einfach nicht finanzierbar ist. Und auch wenn Rhön-Klinikum ein hervorragend geführtes Unternehmen ist und es seinen Marktanteil ausbauen kann, so schwinden doch die Margen. Das wirft hinsichtlich der künftigen Strategie Fragen auf.

Quelle: Das Gespräch führte Martin Hock.
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