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Nach der Konferenz auf Bali Der Klima-Umbau

17.12.2007 ·  Legt man die Messlatte der Untergangspropheten an, hat die Klimakonferenz auf Bali nicht viel erreicht. Deren Erwartungen waren indes ebenso übertrieben wie die Hysterie, die sie entfachten. In einer weniger erregten Analyse ist das Resultat befriedigend.

Von Konrad Mrusek
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Legt man die Messlatte der Untergangspropheten an, hat die Klimakonferenz auf Bali nicht viel erreicht. Deren Erwartungen waren indes ebenso übertrieben wie die Hysterie, die sie entfachten. In einer weniger erregten Analyse ist das Resultat befriedigend. In den nächsten zwei Jahren wird über ein neues Abkommen verhandelt, das das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll ersetzt. Mittelfristige Reduktionsziele gibt es zwar nicht, wie sie die EU und auch Deutschland gerne gesehen hätten. Umweltminister Gabriel kann sich dennoch zu Hause blicken lassen. Immerhin wird anerkannt, dass es einen "tiefen Schnitt" bei den Emissionen geben muss. Ferner kann ein Mangel des Protokolls behoben werden: Nicht nur die Industriestaaten sind zu Maßnahmen verpflichtet, auch Entwicklungsländer haben zugesagt, nach Maßgabe ihres ökonomischen Leistungsvermögens nationale Schritte zur Eindämmung von Treibhausgasen zu ergreifen. Dafür bekommen sie technische und finanzielle Hilfe.

Der gemeinsame Nenner der 192 Staaten wirkt klein, er ist gleichwohl größer als erwartet. Bisher zögerten die Armen mit Zusagen, weil sie mehr Ehrgeiz der Reichen sehen wollten. Das Versprechen der EU, die Emissionen unilateral um mindestens zwanzig Prozent bis 2020 zu senken, reichte ihnen nicht, sie wollten auch etwas von den Vereinigten Staaten. Der einzig verbliebene Außenseiter beim Kyoto-Protokoll machte einen halben Schritt. Er will sich weiterhin nicht festlegen, ob er national agieren oder sich demnächst multilateral binden will. Doch Amerika hat sich verpflichtet, Maßnahmen mess- und überprüfbar zu gestalten.

Selbst Bush wagt nicht mehr den Alleingang

Trotz dieser Flexibilität wäre es fast zum Eklat gekommen. Amerika lehnte kurz vor Schluss einen Änderungsantrag der Schwellenländer Indien und China ab. Die Großmacht blieb jedoch allein, weder Japan noch Russland sprangen ihr bei. Der Salto, den die amerikanische Delegationsleiterin darauf vollführte, war ein Zeichen dafür, dass selbst die Bush-Administration in der Klimapolitik nicht mehr den Alleingang wagt. Wenn in einem Jahr die Demokraten die Präsidentenwahlen gewinnen, könnte der neue Vertrag ehrgeiziger werden, als im Mandat vorgezeichnet ist.

Interaktive Grafik: Fakten aus der Klimaforschung

Beim Klimaschutz werden Reiche und Arme auf unterschiedlichen Bahnen laufen, die einen auf der Außenbahn, die anderen auf der kürzeren Innenbahn. Schwellenländer wie China oder Indien werden Emissionen noch nicht reduzieren, höchstens ihre bisher steile Kurve abflachen. Doch dies ist dringlich, denn die Industriestaaten können ohne Mithilfe der Entwicklungsländer nicht viel bewirken, weil auf diese schon in einigen Jahren die Hälfte der Emissionen entfällt.

Der Umbau wird riesige Summen verschlingen

Wenn die Staatengemeinschaft die Erwärmung auf maximal zwei Grad über dem vorindustriellen Niveau begrenzen will, wie es der Klimarat empfiehlt, erfordert dies einen teuren Umbau der Wirtschaft. Man greift nicht zu hoch, dies eine neue industrielle Revolution zu nennen. Die Nutzung fossiler Energie muss vermindert und zugleich sauberer werden, indem man Kohlendioxid in Kraftwerken abscheidet und in Kavernen lagert. Die Stromlücke werden Atomkraft oder erneuerbare Energien schließen müssen. Die Reichen können sich dies leisten, die Armen nicht. Daher brauchen sie Geld. Man muss sie mit einer Bestechungssumme ködern, damit sie im ökonomischen Aufholprozess ökologischer vorgehen, nicht allein auf dem fossilen Weg, sondern regenerative Pfade mit Hilfe von Windkraft, Sonnen- oder Bioenergie beschreiten.

Dieser Umbau der Wirtschaft wird riesige Summen verschlingen. Der Aufwand zur Emissionsreduktion wird 2030 auf etwa 200 Milliarden Dollar geschätzt. Das können selbst reiche Staaten nicht aus den Etats bestreiten. Es müssen zusätzliche Mittel beschafft werden. Entweder über eine Öko-Steuer oder über den Handel mit Emissionszertifikaten, der Kohlendioxid zum Kostenfaktor macht. Diese marktwirtschaftliche Form hat Vorzüge. Sie ist nicht nur kosteneffizient, sie weckt auch den Erfindergeist: Wer Zertifikate kaufen muss, mobilisiert technische Phantasie, um möglichst kohlendioxidfrei Energie zu produzieren und zu nutzen.

Der Emissionshandel mobilisiert Milliarden

Der Emissionshandel hat weitere Vorteile: Wenn er global organisiert wird, verzerrt er nicht den Wettbewerb der Standorte, weil überall Kohlendioxid zum Kostenfaktor wird. Hinzu kommt, dass man in diesem Rechtehandel die Entwicklungsländer bei der Erstausstattung besserstellen, also eine Umverteilung von Einkommen über den privaten Sektor arrangieren kann. Diese Rechte können die Armen an die Reichen verkaufen, die Zertifikate brauchen. Der Emissionshandel mobilisiert also auch jene Milliarden, die man für den Umbau der Wirtschaft in Entwicklungsländern braucht. Einen Preis gibt es jedoch nur, wenn es Obergrenzen für den Kohlendioxidausstoß gibt. Aus dem Mandat kann selbstverständlich noch nicht abgeleitet werden, wo diese Obergrenze in den nächsten Jahrzehnten liegen wird. Der Trend scheint aber klar vorgezeichnet: Die Grenze wird langsam sinken und der Preis somit steigen. Damit könnte der Einkommenstransfer an die Entwicklungsländer gelingen.

Quelle: F.A.Z., 17.12.2007, Nr. 293 / Seite 1
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Jahrgang 1950, Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

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