16.12.2011 · Das sind die Schrecksekunden des Klimawandels: Vor Ostsibirien, berichtet ein Forscher, tritt massenhaft das Treibhausgas Methan aus. Herrscht aktut Gefahr?
Von Joachim Müller-JungEs gibt auch dafür kein Dementi: Ein russischer Forscher gibt Anfang der Woche aus Anlaß eines amerikanischen Geophysikertreffens der britischen Zeitung „Independant“ ein Interview, in dem er ganz offensichtlich dick aufträgt mit seinen jüngsten Methanhydrat-Erkundungen in Ostsibirien. Die Armageddon-Story, die dabei herauskommt, könnte als Präludium für die Realisierung von Frank Schätzings Weltbedrohungsthriller „Der Schwarm“ dienen. Unter dem Eis, das mit der Klimaerwärmung immer schneller auf dem Rückzug ist, werden ein Kilometer lange Absenkungen im Meeresboden sichtbar, riesige Felder, zu Hunderten, aus denen Gasblasen mit Methan ausströmen. Die Frage ist also: Ist es schon soweit mit der Destabilisierung der Kontinentalhänge? Brechen wirklich schon die Methanhydrat-Vorkommen in der Tiefsee auseinander und pusten Milliarden Tonnen Methan in die Luft - ein Treibhausgas, das zwar viel seltener vorkommt in der Atmosphäre als das Verbrennungsprodukt Kohlendioxid, das aber pro Molekül gut zwanzigmal so effektiv zur Erwärmung beiträgt. Ein Gas mithin, das – in gigantischen Mengen jedenfalls - den Klimawandel katastropisch katalysieren könnte.
Am Westhang von Spitzbergen, wo man die Erwärmung des Wassers in den vergangenen dreißig Jahren auf ein bis zwei Grad schätzt, wurde zwar eine leichte Verschiebung der Zone nach unten festgestellt, innerhalb derer das „tiefgefrorene“ Methanhydrat noch stabil bleibt. Aber das reicht bei weitem nicht, die Methanspeicher kollabieren zu lassen. Wieviel Methan im Zuge der Erwärmung mehr austritt, ist völlig unklar. Torben Gentz vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, der zur Zeit versucht, genauere Methoden zur Erfassung der Gasaustritte zu entwickeln, hält wie Bohrmann aussagekräftige Methanbilanzen aus den Hydratspeichern derzeit für abwegig: „Globale Aussagen über Gasmengen sind noch nicht möglich“, so Gentz, und Bohrmann meint: „Seriös wird das in den nächsten zehn Jahren kaum möglich sein.“
Selbst für einzelne Polargebiete wie Ostsibirien sind Schätzungen schwierig. Igor Dimitrenko vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften der Universität Kiel hat vor wenigen Wochen mit russischen und kanadischen Partnern eine vorläufige vorsichtige Bilanz nach knapp drei Dekaden sporadischer Messungen veröffentlicht. Obwohl das Wasser an den methanhydrathaltigen Küstenabhängen seit den achtziger Jahren um knapp 2 Grad im Mittel wärmer geworden sei, habe sich die „dauertiefgekühlte“ Permafrostzone bisher lediglich um etwa ein Grad nach unten verschoben. Sein Fazit im „Journal of Geophysical Research“: Die Verschiebungen bislang seien eher auf die Erwärmung nach der letzten Eiszeit vor achttausend Jahren als auf den jüngsten Temperaturanstieg zurückzuführen: „Eine signifikante Zerstörung wird frühestens zu Beginn des nächsten Jahrtausends zu beobachten sein.“
Nicht aufregen...
Closed via SSO (cholerico)
- 19.12.2011, 14:03 Uhr
So, so,
Heinz Thieme (HeinzThieme)
- 19.12.2011, 13:20 Uhr
Bevölkerungsexplosion
Günter Bedessem (chemieguenter)
- 17.12.2011, 12:12 Uhr
Wozu der ganze Aufwand
Leo Bronstein (juvog)
- 17.12.2011, 08:58 Uhr
Ist das neu?
Ulla Nachtmann (fatumath)
- 16.12.2011, 23:28 Uhr
Joachim Müller-Jung Jahrgang 1964, Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.
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