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Kopenhagener Klimagipfel eröffnet „So einen Andrang hat keiner erwartet“

 ·  In den Hallen des Bella Centers, wo der UN-Klimagipfel stattfindet, wird schnell klar, was „historische“ Ausmaße bewirken können: Eine Überforderung der Organisatoren zum Beispiel. Die Zulassung von Beobachtern und Journalisten musste unterbrochen werden, weil der Andrang zu groß war.

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Am Klimagipfel kommt in Kopenhagen niemand mehr vorbei. Am Flughafen schon heißen Kanzler und Präsidenten die Besucher willkommen. Russlands Präsident Medwedjew schaut grimmig und ergraut von einem Poster auf die langen Flure hinab. Auch Polens Ministerpräsident Tusk und Kanzlerin Merkel tun dies auf anderen Postern in anderen Fluren, ebenso mit grauem Haar und tiefen Falten. Es soll der Ausblick auf das Jahr 2020 sein, jenes Jahr, um das sich in Kopenhagen alles dreht. Das Jahr, bis zu dem die Staaten den Ausstoß von Kohlendioxid laut Weltklimarat deutlich reduzieren müssten, damit sich die Erde nicht um mehr als zwei Grad Celsius erwärmt. Der Text dazu auf allen Poster ist derselbe: „Es tut mir leid, wir hätten den katastrophalen Klimawandel stoppen können - aber wir haben es nicht.“

Nicht nur die Werbeaktion von Greenpeace macht den Besuchern schnell deutlich, wie hoch die Erwartungen an die Klimakonferenz in Kopenhagen sind. Und während in langen Schlangen Delegierte, Beobachter und Journalisten auf Einlass warten - der Philosophieprofessor aus Amerika neben dem Delegationsmitglied aus Japan, gleich hinter dem Umweltaktivisten aus Deutschland -, ist immer wieder ein Wort zu hören: Historisch.

Spätestens seit der amerikanische Präsident Barack Obama seine Reisepläne umgestellt hat, und nun doch zum Ende der Konferenz anreisen will, hoffen viele Beobachter zumindest darauf, nach gut zwei Wochen Verhandlungen nicht ganz mit leeren Händen dazustehen. Auch wenn an einen verbindlichen Vertrag kaum jemand glauben mag - ein klares Abkommen, das den Weg dorthin noch im Jahr 2010 festlegt, erhoffen sich doch viele.

Die Hallen des Bella Centers, in denen die Delegationen zusammenkommen und verhandeln, liegen abgeschieden, weit außerhalb von Kopenhagens Stadtkern. Der graue Zweckbau fügt sich ein in das trübe Winterwetter. Vor den Toren haben sich Klimaaktivisten versammelt, sie tanzen, singen, und verteilen Flugblätter. Laut und harmlos. Langsam schmilzt am Eingang ein Abbild der Kopenhagener Meerjungfrau aus Eis, im Hintergrund kündet düster eine vier Meter hohe Statue, die „Der Mahner“ heißt, vom Untergang der Welt.

In den Hallen des Bella Centers wird dann schnell klar, was historische Ausmaße bewirken können: Eine Überforderung der Organisatoren zum Beispiel. Schon am Sonntagabend wurde die Zulassung von Beobachtern und Journalisten vorübergehend abgebrochen, weil der Andrang zu groß war. Da hatten andere noch über Bali gespottet, der Klimakonferenz im Jahr 2007, die den Verhandlungsweg bis nach Kopenhagen abgesteckt hatte. Zu laut sei es da gewesen, zu heiß, und noch vor dem Ende der Verhandlungen seien die mobilen Toiletten schon wieder abgeräumt worden. In Kopenhagen aber schaffen es viele nicht mal mehr zu den Toiletten.

„Einen solchen Andrang hat keiner erwartet“, sagt ein Mitarbeiter. Seit zehn Jahren arbeite er schon bei Klimakonferenzen, doch so etwas habe er noch nicht erlebt. Offiziell verhandeln, beobachten und berichten seit Montag gut 15.000 Menschen aus 192 Ländern im und aus dem Bella Center. Innoffiziell heißt es, es habe weit mehr als 20.000 Anmeldungen gegeben. So findet nicht jeder seinen Platz bei den Verhandlungen. Manche nehmen es aber mit Humor. Dann könne sie eben bis Samstag Kopenhagen besichtigen, sagt eine Abgewiesene.

„Die Stimmung aufnehmen“

Denn zumindest bis zum Wochenende droht sie wohl keine Entscheidungen zu verpassen - niemand erwartet bis dahin schon Festlegungen. In zwei Hauptverhandlungsrunden werden stattdessen bei Arbeitssitzungen Vertragsentwürfe vorbereitet - Absatz für Absatz. Die Entwürfe wiederum wurden schon bei fünf Vorbereitungstreffen in diesem Jahr zusammengestellt. Ein Beteiligter sagt, die ersten Tage dienten mehr dazu, „die Stimmungen aufzunehmen“.

Der wichtigste Platz dafür sind aber nicht die kargen Verhandlungsräume, sondern die Flure dazwischen. Erst mit dem Eintreffen der Minister in der kommenden Woche, könnten dann auch die ersten Entscheidungen fallen. Der Höhepunkt der Verhandlungen aber - und zugleich das Finale der Konferenz - wird erst am 17. Dezember erreicht, wenn mehr als 100 Staats- und Regierungschefs nach Kopenhagen kommen. Erst sie werden wohl entscheiden, ob es einen Vertrag gibt und wie er aussieht. Wie viel dann noch von den Entwürfen der ersten Woche über bleibt, ist fraglich.

In Kopenhagen konzentrieren sich daher nicht nur die Demonstranten auf die zweite Hälfte der Konferenz - die ersten Großveranstaltungen soll es erst am Wochenende geben. Auch die vielen Vertreter von Staaten, Nichtregierungsorganisationen oder aus der Wissenschaft, nutzen die Gelegenheit, um bei zahlreichen Pressekonferenzen und Nebenveranstaltungen, ihre Erwartungen an die Konferenz kundzutun - während im Bella Center die offiziellen Arbeitsgruppen sich noch formieren und über Tagesordnungen abstimmen. Und bei all diesen Erklärungen, so gehört es sich wohl bei großen Konferenzen, ist ein Wort fast genauso oft zu hören wie „historisch“. Es ist das Wort „Hoffnung“.

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Jahrgang 1982, Redakteur in der Politik.

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