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Kopenhagen-Gipfel Ihr Rezept für den Klimakollaps

18.12.2009 ·  Maximal zwei Grad wärmer darf es nach der großen Mehrheit in Kopenhagen also werden. Das ist kaum noch zu schaffen. Und gefährlich wird's obendrein. Sogar Pillen werden da zur Gefahr.

Von Joachim Müller-Jung, Kopenhagen
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Drei bis dreieinhalb Grad Erwärmung, das war nicht das, was sich die Teilnehmer des Kopenhagener Klimagipfels erhofft hatten. Nun aber sieht es am späten Freitagnachmittag so aus, jetzt, da die mutmaßlich finalen Textentwürfe für ein „Kopenhagener Klimaübereinkommen“ munter im Bella-Center kursieren, dass man sich bis auf Weiteres mit der Aussicht auf eine kräftigere globale Erwärmung als gewünscht einstellen muss.

Im Übereinkommen wird man sich zwar vermutlich erstmals in dieser Runde von 193 Vertragsstaaten auf ein Ziel von maximal zwei Grad globaler Erwärmung gemeinsam verpflichten - ausgehend von dem Niveau vor der Industrialisierung. Und so lautet ja auch der Auftrag in der Klimarahmenkonvention: „Gefährlichen Klimawandel“ zu verhindern. Aber die geophysikalischen Realitäten sind nun mal anders. Nach den Berechnungen einiger Experten ergibt die Summe der in Kopenhagen bis kurz vor Schluss eingereichten nationalen Zusagen zur Emissionsminderung von Treibhausgasen eine Temperaturerhöhung auf längere Sicht um mindestens drei Grad.

„Die Leute retten sich immer noch in ihre Klima-Halluzinationen“

„Ein einziger großer Selbstbetrug“, meint dazu der ehemalige Kanzlerinnenklimaberater und Mitglied der deutschen Kopenhagen-Delegation, Hans Joachim Schellnhuber. An der Realität gnadenlos vorbei verhandelt. „Die Leute retten sich immer noch in ihre Klima-Halluzinationen“, so der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) leicht resignierend, als schon längst klar war, wie festgefahren der Klimakarren im Bella-Center schon war.

Was die festgestellte klimapolitische Ignoranz nicht nur für die Inselstaaten bedeutet (Schellnhuber: „Die Malediven sind schon heute nicht mehr zu retten“), sondern womit sich nach Überzeugung angesehener Institutionen wie dem österreichischen IIASA-Institut in Laxenburg auch die Bewohner der mittleren Breiten zu beschäftigen haben, das war jetzt im „European Journal of Neurology“ nachzulesen: Finger künftig weg von hitzesensitiven Pillen. Das Iiasa (Internatinal Institute for Applied Systems Analysis) arbeitet seit Jahren entscheidend dem Weltklimabeirat IPCC zu, insbesondere mit seinen Emissionsberechnungen.

Todesopfern bei Hitzewelle: Kombination aus Hitzschlag und Dehydrierung

Wolfgang Lutz vom Iiasa hat nun zusammen mit Ärzten des Rudolfstiftung-Klinikums in Wien die Wirkung gewisser Substanzen unter der Einwirkung starker Hitze untersucht. Hintergrund war die ungewöhnliche Zahl von Todesopfern während der Hitzewelle des Jahres 2003. Allein in Frankreich werden knapp 15.000 Tote den Auswirkungen der ungewöhnlichen Temperaturen zugeschrieben. Ein Fünftel davon an einer Kombination aus Hitzschlag und Dehydrierung, ein Zehntel gar ausschließlich an tödlichem Wasserverlust.

Lutz und sein Team hatte einen konkreten Verdacht, warum viele der Opfer ganz offenkundig an Dehydrierung gestorben waren, obwohl vielen Opfern eigentlich Wasser zur Verfügung gestanden hatte: Bestimmte Medikamente könnten das Durstgefühl künstlich unterdrückt und den Stoffwechsel zum Entgleisen gebracht haben.

Extremsommer wie 2003 werden „ganz normal“ oder „recht kühl“ sein

Wie sich in den Analysen zeigte, gilt das tatsächlich für eine ganze Reihe gebräuchlicher Wirkstoffe. Insbesondere für Schilddrüsenhormone und Antidepressiva gelte das - und nicht zuletzt Kokain. „Wenn wir vermehrt solche Hitzewellen zu erwarten haben, muss vor allem das medizinische Personal darauf vorbereitet werden“, schreiben die Forscher, auf jeden Fall müssten die entsprechenden Arzneien (und Drogen) vorsichtig eingesetzt werden.

Von einer künftigen Hitzewellen-Häufung musste man in Kopenhagen niemanden überzeugen. Im Jahr 2050 hieß es da von Seiten der Klimaexperten, könnten Extremsommer wie 2003 „ganz normal“ sein - und fünfzig Jahre später schon als „recht kühle Sommer“ in die Annalen eingehen.

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Jahrgang 1964, Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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