07.12.2009 · Mit Appellen an die Delegierten, sich auf ein umfassendes Abkommen zum Klimaschutz zu einigen, ist in Kopenhagen die UN-Klimakonferenz eröffnet worden. „Lasst uns die Tore zu einem CO2-armen Zeitalter öffnen“, sagte die Präsidentin des Gipfels, Connie Hedegaard.
Mit Appellen an die Delegierten, sich auf ein umfassendes Abkommen zum Klimaschutz zu einigen, ist am Montag in Kopenhagen die UN-Klimakonferenz eröffnet worden. Bis zum Freitag kommender Woche beschäftigen sich in der dänischen Hauptstadt etwa 15.000 Delegierte, Vertreter von Umweltorganisationen und Journalisten mit dem Versuch, ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll auszuhandeln. Dessen Bestimmungen gelten nur bis zum Jahr 2012.
Man stehe vor schwierigen, aber notwendigen Entscheidungen, sagte der dänische Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen. Nach mehr als einem Jahr der Vorbereitungstreffen gelte es jetzt zu handeln. 110 Staats- und Regierungschefs hätten ihr Erscheinen zum Abschluss zugesagt. Unter ihnen sind Bundeskanzlerin Merkel und der amerikanische Präsident Obama.
„Lasst uns die Tore zu einem CO2-armen Zeitalter öffnen“
Auch der Vorsitzende des UN-Klimarates IPCC, Rajendra Pachauri, verlangte, dass die Konferenz ein Abkommen verabschiedet. Er erinnerte an die 2007 vorgelegten Szenarien des IPCC über Temperatursteigerungen und die Erhöhung des Meeresspiegels, die ganze Inselstaaten und Bangladesch bedrohten. Die weitere Erwärmung müsse auf zwei Grad Celsius begrenzt werden. Nach IPCC-Angaben müsste der Höhepunkt des Kohlendioxidausstoßes demnach schon 2015 überwunden werden. Die Kosten betrügen nur drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts aller Staaten der Erde.
Pachauri verteidigte nachdrücklich die Ernsthaftigkeit der Klimaforscher. Der „Diebstahl“ von E-Mails, die Hacker von Rechnern eines wichtigen Klima-Instituts der Universität von East Anglia kopiert hatten, diene anscheinend der Diskreditierung des IPCC. Der Klimawandel könne jedoch nicht bestritten werden.
Nach ihrer Wahl zur Präsidentin der Klimakonferenz appellierte die dänische Ministerin für Energie und Klimaschutz, Connie Hedegaard, an die Delegierten: „Lasst uns die Tore zu einem CO2-armen Zeitalter öffnen.“ Wenn man jetzt keine Lösung erreiche, werde es viele Jahre dauern, bis man vielleicht wieder eine Chance habe, sagte Hedegaard. Sie gab zu, dass ein Haupthindernis für eine Einigung in den Finanzforderungen der Entwicklungsländer bestehe. Diese verlangen großzügige Hilfen der Industriestaaten und wollen zugleich erweitern, dass dies nicht auf Kosten der herkömmlichen Entwicklungshilfe geht.
Dass in Kopenhagen schon ein Folgeabkommen für das Kyoto-Protokoll verabschiedet wird, gilt als unwahrscheinlich. So gibt es eine große Kluft zwischen der erklärten Bereitschaft der meisten Industriestaaten, ihren Kohlendioxidausstoß bis 2020 gegenüber 1990 um 20 bis 30 Prozent zu reduzieren (die Bundesregierung hat sich auf 40 Prozent festgelegt) und der jüngsten Offerte der Vereinigten Staaten, die zu 17 Prozent Reduktion gegenüber 2005 bereit sind - was 4 Prozent Verringerung gegenüber 1990 entspricht.
China wiederum hat sich nur zu einer Verminderung seiner „Karbonintensität“ um 40 Prozent gegenüber 2005 bereit erklärt, setzt den CO2-Ausstoß also in Relation zur Wirtschaftskraft statt eine absolute Verringerung zu versprechen. Auch Brasilien, Indien, Südafrika und Südkorea haben Reduktionsziele vorgelegt, die aber von den Klimaforschern als zu zaghaft kritisiert werden.