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Kohlendioxid-Emissionen Die Ablasshändler des Klimaschutzes

16.02.2007 ·  Umweltsünder können ihr schlechtes Gewissen durch Spenden entlasten. So kann man etwa in der Schweiz „klimaneutrale“ Skiferien buchen - der Hotelier verpflichtet sich, für ein Klimaprojekt zu spenden. Der Markt wird immer kreativer.

Von Konrad Mrusek
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Ein gutes Umweltgewissen im Straßenverkehr konnte man bisher auf drei Arten erwerben: mit dem Fahrrad, einer Fahrkarte der Bahn oder mit dem Kauf eines Autos, das wenig Sprit verbraucht. Doch der Markt für Umweltbewusste wird immer kreativer.

Der Mensch muss nicht mehr selbst die Kohlendioxid-Emissionen vermeiden, wenn er fährt oder fliegt. Er kann heute für seine Umweltsünden einen Ausgleich an Organisationen zahlen, die das Geld dann in der Dritten Welt für Klimaschutzprojekte verwenden. Solche Ablasshändler, die den mobilen Menschen „klimaneutral“ machen und ihm damit die ökologische Absolution erteilen, findet man immer häufiger. Nachdem die Bundesregierung beschlossen hat, für die Kohlendioxid-Emissionen ihrer Politiker eine Abgabe zu entrichten, dürfte die Zahl solcher Klimaschutzvermarkter weiter zunehmen.

Flug von Berlin nach Bonn kostet acht Euro

Eine der bekanntesten Organisationen war bisher Atmosfair, die 2005 unter Mithilfe des ehemaligen Umweltministers Jürgen Trittin gegründet worden war. Hier zahlt man freiwillig für jene Klimagase, die beim Fliegen entstehen: Bei einem einfachen Flug von Berlin nach Bonn sind dies acht Euro für 150 Kilogramm Kohlendioxid.

Obwohl die Zahl der Spender bisher gering ist und die Einnahmen von Atmosfair daher nicht gerade üppig sind - im Jahre 2005 waren es 166 000 Euro -, sehen Unternehmen es zunehmend als Werbung, sich „klimaneutral“ zu verhalten. Waren es zunächst Banken und Rückversicherungen, die für ihre Kohlendioxid-Emissionen Millionen-Entschädigungen zahlten, so kann man in der Schweiz nun schon „klimaneutrale“ Skiferien buchen. Der Hotelier verpflichtet sich, für ein Klimaprojekt zu spenden.

Bei der Firma ClimatePartner in München kann man im Internet eine Vignette erwerben und sich an die Autoscheibe kleben, wenn man einen gewissen Betrag überweist. Bei einem Mittelklassewagen kosten 10 000 Kilometer Klimaneutralität etwa 50 Euro.

Die Zahl der Klimavermarkter steigt

Die Verbindung von Klimaschutz und Werbung ist offenbar so attraktiv, dass die Zahl der Vermarkter zunimmt. Stefan Ziegler vom WWF in Frankfurt schätzt, dass es inzwischen in Deutschland zehn solcher Anbieter gibt.

Geht es auf dem Markt der klimapolitischen Korrektheit auch immer korrekt zu? Beobachter haben Zweifel. Denn es gibt bisher keine Gütezeichen für diese Form der Umweltspende. Man kann also nicht ausschließen, dass es windige Anbieter gibt, die zwar Geld kassieren, aber die Mittel für zweifelhafte Maßnahmen verwenden. Versickert womöglich Geld in dubiosen Kanälen? So hart will es Falk Heinen vom Umweltbundesamt nicht formulieren, doch er beklagt einen Mangel an Transparenz und verweist auf zweifelhafte Berechnungsmethoden beim Kohlendioxid-Ausstoß. „Man muss aufpassen bei diesen Projekten“, sagt er.

Umweltorganisationen wie WWF oder Greenpeace haben noch eine andere Befürchtung. Sie glauben, dass die Spende für die Emissionen von den Verursachern tatsächlich wie ein Ablass angesehen wird und somit die Umwelt weiter belastet wird, die Abgase selbst also nicht verringert werden.

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Jahrgang 1950, Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

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