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Klimawandel : Das wird nichts mehr

Schaffen wir rechtzeitig den Ausstieg aus der Kohle? Bild: dpa

Die Pariser Klimakonferenz läuft. Forscher werden warnen, Aktivisten fordern und Politiker feilschen. Doch den Planeten, so wie wir ihn kennen, retten sie nicht mehr. Warum uns jetzt nur ein Wunder helfen kann.

          Spitzbergen ist der polnächste Ort, zu dem man per Linienflug reisen kann. Aber nicht nur das macht die Inselgruppe im Herzen der Hocharktis zu einem Symbol der planetaren Herrschaft des Menschen – und seinem Hadern damit. Das Archipel verfügt über reiche Kohlevorkommen, doch anderswo ist der fossile Brennstoff billiger aus der Erde zu holen. So reiht sich an den kahlen Felshängen oberhalb des Hauptortes Longyearbyen eine verlassene Mine an die nächste. Stattdessen werden heute Tourismus und vor allem Wissenschaft großgeschrieben. Seit 1993 verfügt Longyearbyen über eine Universität, und das Dienstboot des Syssel­manns, des norwegischen Gouverneurs, sieht aus wie ein Forschungsschiff.

          Ulf von Rauchhaupt

          verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Tatsächlich können Wissenschaftler hier das Heraufziehen eines neuen Abschnitts der Erdgeschichte studieren. Die mittlere Jahrestemperatur steigt in den hohen nördlichen Breiten doppelt so schnell wie im globalen Durchschnitt, mit Folgen bis in die Tiefsee. Kürzlich veröffentlichten Forscher des Alfred-Wegener-Instituts Ergebnisse einer biologischen Langzeitstudie zwischen Grönland und Spitzbergen über 15 Jahre hinweg. Zwischen 2005 und 2008 kam es dabei zu einem vorübergehenden Einströmen ein bis zwei Grad wärmeren Wassers mit deutlichen Auswirkungen auf die Meeresfauna. Und manche Änderungen blieben auch bestehen, nachdem sich die Temperaturen wieder stabilisierten. Die von Schaum­algen verdrängten Kieselalgen erholten sich kaum, und die mit dem Wärmeeinbruch eingewanderten Flügelschnecken scheinen heimisch geworden zu sein.

          Noch ist es in den meisten solcher Fälle statistisch unzulässig, die einzelnen Veränderungen kategorisch auf die globale Erwärmung zu schieben, denn dazu müsste lange genug beobachtet worden sein, um Trends in den Mittelwerten über mindestens 20 Jahre feststellen zu können. Doch auch wenn man sie alle nur als Hinweise wertet, nehmen sie doch allmählich überhand. Hingegen sprechen die Trends in einigen wichtigen physikalischen Parametern heute eine klare Sprache, allen voran die globalen Durchschnittstemperaturen. Das Jahr 2015 dürfte das wärmste seit Beginn der weltweiten Statistiken 1880 werden. Und der Mensch ist der Verursacher dieser Erwärmung. 

          Wer daran noch zweifeln will, muss schon eine Weltverschwörung der Klimaforscher postulieren. Alle anderen erkennen den Schuldigen im Kohlendioxid aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe, aber etwa auch aus der Betonherstellung. Und die CO2-Konzentrationen steigen unvermindert. Im Frühjahr 2015 überschritten sie im Monatsmittel zum erstem Mal die Marke von 400 ppm, also 400 Kohlendioxidmoleküle unter einer Millionn Luftmolekülen. Zu Beginn der Industrialisierung waren es noch weniger als 280 ppm.

          Vier Grad in 100 Jahren

          CO2 und andere klimawirksame Gase sorgen über den sogenannten Treibhauseffekt für höhere Temperaturen, da sie Wärmestrahlen zurückhalten. Physikalisch bekannt ist dieser Effekt seit über 100 Jahren. Dass er in der Atmosphäre wirksam sein muss, ist seit mehr als 50 Jahren sicher. Doch erst seit den späten 1980ern begann er sich in den Klimadaten empirisch anzudeuten. Und die im jüngsten, 2014 veröffentlichten Sachstandsbericht des Weltklimarates IPCC zitierten Modelle sagen für das Jahr 2100 im Mittel einen Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur um etwas über vier Grad gegenüber dem Durchschnitt von 1986 bis 2005 voraus, sollten die CO2-Emissionen weiter so steigen wie bisher.

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