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+++ Klimaticker September +++ : Eisreste, Antarktiskollaps, Eurokälte

Das Sommer-Eisminimum 2015. Die gelbe Linie skizziert die Umrisse des statistischen Mittelwerts der Jahre 1981 bis 2010. Bild: Nasa

Was macht eigentlich die Apokalypse? Unser Glossenticker mit ernsten Nachrichten zum Klimawandel und ihren (weniger ernsten) Pointen. Ein Update zurr anstehenden Wärmerekordwelle und zum traurigen Schicksal der Küstenmetropolen.

           +++ 15. September. Nur dreimal in der jüngeren Geschichte gab es weniger Packeis rund um den Nordpol als in diesem Sommer. Damit wurden die zehn eisärmsten Jahre im Arktischen Ozean in den zurückliegenden elf Jahre registriert. Das hat das Satellitenzentrum der Nasa, der Goddard Space Flight Center, bekannt gegeben. Am 11. September wurden 4,4 Millionen Quadratkilometer ermittelt, das sind 1,8 Millionen Quadratkilometer weniger als das langjährige Mittel seit Anfang der achtziger Jahre. Entscheidend ist: „Das Eis ist insgesamt noch etwas dünner und labiler geworden“, heisst es in der Nasa-Mitteilung, ein einzelner schwerer Sturm könnte noch dafür sorgen, dass die fragilen Eisfelder auseinanderbrechen und die Eisausdehnung in den nächsten Tagen noch einmal abrupt abnimmt. Vor drei Jahren, dem bisherigen Sommer-Eisminimum, war genau das passiert.  Damals hatte spät noch ein plötzlicher Zyklon zugeschlagen und die Eisdecke am Nordpol furchtbar zugerichtet. Passenderweise kam das Unwetter kurz nach den Eisheiligen. Seitdem pilgern jeden Sommer Millionen entschlossener Katastrophentouristen mit Stapeln von Bofrostdecken zu den asketischen Eisbergen in die Arktis und versuchen weiterhin verzweifelt, die letzten Packeisexemplare mit einem kräftigen Schluck aus der geweihten Pulle der Klimaapostel zu mästen. +++

          Ein Jahr, in dem die Thermometer vielerorts an ihre Grenze gelangen. Beim diesjährigen Juni handelte es sich um den heißesten seit Beginn der Temperaturaufzeichnung.
          Joachim  Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          +++ 14. September. Das britische Met Office, einer der arriviertesten Wetterdienste weltweit, rechnet mit neuen historischen Wärmerekorden für die Jahre 2015 und 2016. Mit 0,68 Grad über dem langjährigen Mittel für das erste dreiviertel Jahr sei man auf gutem Weg, die alten Bestmarken Ende der neunziger Jahre zu übertreffen. Das liegt natürlich am Klimaphänomen El Nino, das in den kommenden Monaten die Temperaturen nach oben treibt. Angetrieben wird dieser wie er auf Twitter bezeichnet wird „Monster-El-Nino“ von den ungewöhlichen Warmwassertemperaturen im tropischen Pazifik vor den amerikanischen Westküsten. Kräftig unterfüttert werde der Temperaturanstieg durch den globalen Klimawandel. Für Europa allerdings hat Steven Belcher, Chef des britischen Met Office Hadley Centres in Reading, freilich wenig erfreuliche Nachrichten: Unsere Sommer könnten gleichzeitg kälter werden. Etwas besseres haben wir wir auch nicht verdient, werden jetzt viele denken. Die Flüchtlingskrise hat gezeigt, wie viel Kälte Europa zu generieren vermag. Vor allem Ungarn gilt unter Meteorologen inzwischen als Europas Kältepol. Die Frostwelle, die derzeit von dort über Europa schwappt, droht vor allem Paris lahmzulegen. Für Freunde humaner Klimaverhältnisse droht der Kontinent unbewohnbar zu werden. +++ 

          Adeliepinguine in der Antarktis wagen den Absprung.

          +++ 11. September. Würden alle unterirdischen Reserven an Erdöl, Gas und Kohle weltweit vebrannt und damit 10.000 Millairden Tonnen Kohlenstoff in die Luft gepustet, wäre Schluß mit dem Ewigen Eis. Das verfüssigte Eis würden den Meerespiegel, wenn auch mit einiger Zeitverzögerung, um fünfzig Meter ansteigen lassen. Das haben Ricarda Winkelmann und ihre Kollegen vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung zusammen mit Ken Caldeira vom Carnegie Institut der Universität Stanford berechnet. Gut zehntausend Jahre würde der schmerzliche Einstieg in die Unterwasserxistenz der schmucken Küstenmetropolen dauern. Anfangs, in den dersten tausend Jahren, würde der Pegel um drei Zentimeter pro Jahr steigen, berichten die Forscher in „Science Advance“. Das wären dreißig Zentimeter in zehn Jahren. Den Bewohnern in Tokio, Hong Kong, Schanghai, Kalkutta, Hamburg oder New York müssten bei solchen Aussichten die Knie schlottern. Tatsächlich besitzt heute noch kaum einer der Bewohner unterhalb des fünfzehnten Stockwerks einen Tauchschein. Die Arbeit in den Kinderwunschzentren der Küstenstädte kommt dagegen ganz gut voran. Die ersten flossenbewehrten Babys mit funktionstüchtigen Kiemenansätzen sollen noch vor Überschreiten der ersten zwei Grad Erwärmung die Kliniken verlassen und in den Hafenvierteln ausgewildert werden.+++

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