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+++ Klimaticker +++ Samenverbreiter, Staubstürme

 ·  Die indirekten ökologischen Kosten des Klimawandels werden in den entfernstesten Ecken des Planeten fällig: in der Antarktis oder auf Islandgletschern.

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+++ 6. März. Jeder Antarktis-Tourist schleppt im Schnitt zehn Pflanzensamen ein, die am Südpol nichts zu suchen haben. Das Einjährige Rispengras etwa erobert allmählich die Inseln der Westantarktischen Halbinsel. Bei schon heute 33 000 Touristen jährlich und 7000 Wissenschaftlern wird sich die Ausbreitung von „invasiven“ Pflanzen-Neubürgern am Südpol im Zuge der Klimaerwärmung künftig erheblich verstärken, insbesondere auch an den Küsten des Rossmeeres und der Ostantarktis, warnt ein internationales Team in den „Proceedings“ der amerikanischen Wissenschaftsakademie. Auf einem Gipfel der Antarktis-Vertragsstaaten müsse kurzfristig über Schutzmaßnahmen entschieden werden. So sei an die einheitliche Installation chemischer Dekontaminationsanlagen entlang neuralgischer Küstenabschnitte zu denken. Für Küstenseeschwalben, die am Südpol überwintern und das Jahr über bis zum Nordpol kommen, werden Quarantänemaßnahmen ausgearbeitet. +++

+++ 1. März. Der Norden wird immer staubiger. Atmosphärenforscher der University of Miami haben auf der Islandinsel Heimaey rapide steigende Konzentrationen von eisenreichem Mineralstaub gemessen. Die Partikeln sollen hauptsächlich aus Böden stammen, die durch das rasche Schmelzen der Gletscher freigelegt wurden. Dazu kommen solche, die im Frühjahr von dem schmelzenden Eis ausgeschwemmt werden. Wie die Forscher in „Science“ (Bd. 335, S. 1078) berichten, seien jüngst Staubstürme mit bis zu 20 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft aufgetreten. Vor sechs Jahren wurde nur ein Bruchteil an Staub aufgewirbelt. Wenn die Erosion in der Geschwindigkeit weitergeht, dürfte sich Island bis Ende des Jahrhunderts in Luft aufgelöst haben. Die Hoffnung bleibt, dass sich der Staub bis dahin längst mit Saharastaub vermischt hat, was zu einer markanten Abschwächung der Klimaerwärmung führen sollte. Die Gletscherschmelze könnte dann abrupt zum Stillstand kommen.+++

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Jahrgang 1964, Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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