http://www.faz.net/-gx8-7405r
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 30.10.2012, 17:10 Uhr

+++ Klimaticker +++ Regenfront und Methanblasen

Wer sucht, der findet? In den Datenbergen finden sich zwar nicht die erwarteten Niederschlagsentwicklungen, dafür bilden sich unter dem Golfstrom Methanblasen.

von
© Douglas-Film GmbH, MARUM Zentrum für Marine Umweltwissenschaften Bremen Gefrorenes Methanhydrat lagert in gewaltigen Reservoiren an den Küstenhängen.

+++ 29. Oktober. Die Gefahr von extremen Regenfällen beziehungsweise von extremen Dürren in ohnehin schon trockenen Weltregionen hat sich seit 1940 kaum verändert. Jedenfalls soll die globale Erwärmung, weltweit gesehen, überraschenderweise kaum Einfluss auf die Schwankungen der Niederschläge gehabt haben. Das haben australische Forscher nach Auswertung von sieben neu zusammengestellten Niederschlagsdatenbanken herausgefunden. Im Mittel sei es in feuchteren Regionen, beispielsweise in den Subtropen, trockener geworden, in den trockeneren Gebieten und Jahreszeiten durchschnittlich feuchter. Den größten Einfluss auf die Schwankungen der Niederschläge habe die jeweilige Luftverschmutzung mit Aerosolen, berichten die Forscher in den „Geophysical Research Letters“ (doi: 10.1029/2012GL053369): „Ein Zusammenhang der globalen Veränderungen mit den Temperaturen ist nicht zu sehen.“ Nicht nur bei Geoingenieuren tritt man mit diesem Befund offene Türen ein, sie aber sind besonders hellhörig. Die Pläne, Schwefelaerosole in die Stratosphäre zu pusten, um eine Art Strahlenschild aufzubauen und die Klimaerwärmung zu bremsen, wird nun durch die - preisgünstigere - Variante ergänzt, gefährliche Wetterextreme durch gezielte Aerosolverschmutzung in der unteren Atmosphäre zu dämpfen. +++

Joachim  Müller-Jung Folgen:

+++ 25. Oktober. Der Golfstrom wärmt sich immer stärker auf und löst derzeit gewaltige Methanhydratlager vor der Ostküste der Vereinigten Staaten auf. Das geht aus Untersuchungen hervor, die zwei texanische Geoforscher, Benjamin Pharampus und Metthew Hornbach, vorgenommen haben. Seismische Daten und der Vergleich mit Temperaturmodellen hätten gezeigt, dass der Meeresboden auf mehreren hundert Kilometern Strecke vor North Carolina, in dem das gefrorene Methanhydrateis lagert, schon deutlich tiefer liegt, als nacheiszeitlich zu erwarten war. Die Temperatur in ungefähr fünfhundert bis tausend Metern Tiefe, in der sich das gefrorene Treibhausgas Methan befindet, habe sich in den letzten gut 5000 Jahren sukzessive um mehrere Grad erhöht. Ob die austretenden Methanblasen die Luft erreichen, ist unklar. Mit der weiteren Erwärmung drohe eine Destabilisierung von 2,5 Milliarden Tonnen Methanhydrat, schreiben die Forscher in „Nature“ (10.1038/490491a). Das sei aber vermutlich nur ein Bruchteil dessen, was in der Zielregion des Golfstroms, der Arktis, mutmaßlich zu erwarten sei. Dem Golfstrom droht deshalb Ungemach. Die Inuit sind offensichtlich nicht länger bereit, als Wärmespülbecken der amerikanischen Südstaaten zu dienen, und haben angekündigt, auf der bevorstehenden Klimakonferenz in Doha die Welt vor die Wahl zu stellen: Sollte der Golf von Mexiko nicht wie gewünscht auf Kosten der Industrieländer trockengelegt und der Golfstrom gestoppt werden, wolle man mit der Ausrottung und Verspeisung aller noch lebenden Großwale antworten. +++

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Im Gespräch Immer völlig durchgedreht

In Fastfood-Ketten kommt Hackfleisch meist gefroren auf den Grill. Frisch klingt da natürlich besser. Aber ist es der Burger dann auch? Mehr Von Sonja Kastilan

23.05.2016, 11:00 Uhr | Wissen
Große Dürre Mit Waffen gegen Wasserdiebe in Indien

Indien wird seit längerem von einer außergewöhnlichen Dürre geplagt. In Madhya Pradesh werden Trinkwasserstellen nun rund um die Uhr von bewaffneten Sicherheitskräften bewacht - aus Sorge, dass die ebenfalls verzweifelten Bauern Wasser für ihre Zwecke abzapfen könnten. Mehr

20.05.2016, 08:20 Uhr | Gesellschaft
Erst heiß, dann stürmisch Gewitter und Hagel im Anmarsch

Für Sonntag gilt die Devise: Genießen, genießen, genießen. Sonne und sommerliche Temperauren sagen adièu. Zum Wochenanfang wird es von Westen kommend düster. Mehr

22.05.2016, 15:43 Uhr | Politik
Dürre in Zimbabwe Millionen Menschen von Hungersnot bedroht

Wegen einer Dürre fehlt es in Zimbabwe derzeit an Lebensmitteln: Die Ernten sind so schlecht wie lange nicht, viele Bauern haben ihre Tiere verloren. Dadurch sind Millionen Menschen von einer Hungersnot bedroht. Mehr

18.05.2016, 20:07 Uhr | Gesellschaft
Weltraum Gewaltige Flutwellen auf dem Mars?

Die nördliche Hemisphäre des Mars soll von gewaltigen Tsunamis heimgesucht worden sein, als sie noch von einem riesigen Ozean bedeckt gewesen war. Mehr

28.05.2016, 17:37 Uhr | Wissen

Rauchendes Elend

Von Joachim Müller-Jung

Eine EU-Umfrage vor dem Weltnichtrauchertag und ein böses Erwachen. Die E-Zigarette ist zerrieben - zwischen Fortschritt und Fluch. Sie boomt, aber ihr Ruf ist schon ruiniert. Durchatmen! Mehr 18 41