Home
http://www.faz.net/-h73-7405r
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

+++ Klimaticker +++ Regenfront und Methanblasen

Wer sucht, der findet? In den Datenbergen finden sich zwar nicht die erwarteten Niederschlagsentwicklungen, dafür bilden sich unter dem Golfstrom Methanblasen.

© Douglas-Film GmbH, MARUM Zentrum für Marine Umweltwissenschaften Bremen Vergrößern Gefrorenes Methanhydrat lagert in gewaltigen Reservoiren an den Küstenhängen.

+++ 29. Oktober. Die Gefahr von extremen Regenfällen beziehungsweise von extremen Dürren in ohnehin schon trockenen Weltregionen hat sich seit 1940 kaum verändert. Jedenfalls soll die globale Erwärmung, weltweit gesehen, überraschenderweise kaum Einfluss auf die Schwankungen der Niederschläge gehabt haben. Das haben australische Forscher nach Auswertung von sieben neu zusammengestellten Niederschlagsdatenbanken herausgefunden. Im Mittel sei es in feuchteren Regionen, beispielsweise in den Subtropen, trockener geworden, in den trockeneren Gebieten und Jahreszeiten durchschnittlich feuchter. Den größten Einfluss auf die Schwankungen der Niederschläge habe die jeweilige Luftverschmutzung mit Aerosolen, berichten die Forscher in den „Geophysical Research Letters“ (doi: 10.1029/2012GL053369): „Ein Zusammenhang der globalen Veränderungen mit den Temperaturen ist nicht zu sehen.“ Nicht nur bei Geoingenieuren tritt man mit diesem Befund offene Türen ein, sie aber sind besonders hellhörig. Die Pläne, Schwefelaerosole in die Stratosphäre zu pusten, um eine Art Strahlenschild aufzubauen und die Klimaerwärmung zu bremsen, wird nun durch die - preisgünstigere - Variante ergänzt, gefährliche Wetterextreme durch gezielte Aerosolverschmutzung in der unteren Atmosphäre zu dämpfen. +++

Joachim  Müller-Jung Folgen:    

+++ 25. Oktober. Der Golfstrom wärmt sich immer stärker auf und löst derzeit gewaltige Methanhydratlager vor der Ostküste der Vereinigten Staaten auf. Das geht aus Untersuchungen hervor, die zwei texanische Geoforscher, Benjamin Pharampus und Metthew Hornbach, vorgenommen haben. Seismische Daten und der Vergleich mit Temperaturmodellen hätten gezeigt, dass der Meeresboden auf mehreren hundert Kilometern Strecke vor North Carolina, in dem das gefrorene Methanhydrateis lagert, schon deutlich tiefer liegt, als nacheiszeitlich zu erwarten war. Die Temperatur in ungefähr fünfhundert bis tausend Metern Tiefe, in der sich das gefrorene Treibhausgas Methan befindet, habe sich in den letzten gut 5000 Jahren sukzessive um mehrere Grad erhöht. Ob die austretenden Methanblasen die Luft erreichen, ist unklar. Mit der weiteren Erwärmung drohe eine Destabilisierung von 2,5 Milliarden Tonnen Methanhydrat, schreiben die Forscher in „Nature“ (10.1038/490491a). Das sei aber vermutlich nur ein Bruchteil dessen, was in der Zielregion des Golfstroms, der Arktis, mutmaßlich zu erwarten sei. Dem Golfstrom droht deshalb Ungemach. Die Inuit sind offensichtlich nicht länger bereit, als Wärmespülbecken der amerikanischen Südstaaten zu dienen, und haben angekündigt, auf der bevorstehenden Klimakonferenz in Doha die Welt vor die Wahl zu stellen: Sollte der Golf von Mexiko nicht wie gewünscht auf Kosten der Industrieländer trockengelegt und der Golfstrom gestoppt werden, wolle man mit der Ausrottung und Verspeisung aller noch lebenden Großwale antworten. +++

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Dürre in Brasilien São Paulo geht das Wasser aus

Die Wasserreserven im brasilianischen Bundesstaat São Paulo sind erschöpft, Millionen Bewohner betroffen. Vor der Stichwahl um das Präsidentenamt spielt die Dürre deshalb auch im Wahlkampf eine wichtige Rolle. Mehr Von Matthias Rüb, São Paulo

21.10.2014, 14:08 Uhr | Politik
Dürre in Kalifornien Wasser wird Luxus

Kalifornien leidet unter einer extremen Dürre, so dass viele Menschen kein fließendes Wasser mehr haben. So wie die Bewohner in Porterville, deren Brunnen versiegen. Auch in den Bergen wird das Wasser allmählich knapp. Mehr

17.10.2014, 12:20 Uhr | Gesellschaft
Wolkenphysik Mit Halo in das Gewitter hinein

Wie entstehen die turmartigen Wolken über dem Amazonasgebiet? Was spielt sich in ihnen ab? Und wie machen sich großflächige Waldrodungen bemerkbar? Fragen, denen eine internationale Gruppe von Atmosphärenforschern jetzt vor Ort nachgegangen ist. Mehr Von Manfred Lindinger

16.10.2014, 13:00 Uhr | Wissen
Zigarettenkippen als Energiespeicher

Südkoreanische Forscher haben eine Methode entwickelt, aus den nikotinverfärbten Stummeln Kohlefasern für Superkondensatoren herzustellen. Mehr

08.09.2014, 12:50 Uhr | Wissen
Kaffeebohnen-Ernte Regen ist eine gute Nachricht für Kaffeetrinker

Die schlimmste Dürre seit 30 Jahren ließ die brasilianische Kaffee-Ernte schrumpfen – und die Preise explodieren. Jetzt können alle Kaffeeliebhaber aufatmen: Der Regen lässt die Preise wieder sinken. Mehr Von Judith Lembke

22.10.2014, 09:13 Uhr | Finanzen
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 30.10.2012, 17:10 Uhr

Haltung!

Von Joachim Müller-Jung

Ärzte lieben Symbole, wie die Kunst und Geschichte. Und besonders lieben sie politische Symbole. Wenn Ärzte der Stadt Berlin also zehn Spree-Eichen spenden, dann steckt da sicher etwas dahinter. Oder wünschen sie sich einfach nur eine schönere, grüne Hauptstadt? Mehr 8