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+++ Klimaticker +++ Inselflüchter, Grönlandschmelze

 ·  Noch steigt der Meeresspiegel moderat, doch was heißt das schon? Kirabati kauft schon Land auf Fidschi und das Grönlandeis ist zerbrechlicher als geglaubt.

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+++ 9. März. Die Bewohner des Südpazifik-Inselstaates Kirabati bereiten ihre Evakuierung vor. Präsident Anote Tong teilte der Nachrichtenagentur AP mit, dass man sich rund 2400 Hektar Land auf der gut zweitausend Kilometer entfernten Fidschi-Hauptinsel Viti Levu erworben habe. Von den 32 Atollen, die zu Kirabati zählen, erhebt sich keines mehr als zwei Meter über den Meeresspiegel. Lediglich die sechs Quadratkilometer große Vulkaninsel Banaba ragt 81 Meter über Normalnull. Die 300 Bewohner dort haben sich allerdings geweigert, alle rund 115 000 Landsleute aufzunehmen. Der Inselrat beruft sich auf den Minderheitenschutz, zudem sei die Massentierhaltung auf Kirabati seit der Ausrufung der Unabhängigkeit 1979 verboten. +++

+++ 11. März. Den mächtigen Gletschern auf Grönland droht möglicherweise schon bei einer globalen Erwärmung um 0,8 bis 3,2 Grad (“beste Schätzung“: 1,6 Grad) über dem vorindustriellen Niveau der totale Kollaps. Damit wäre das Polareis nur halb so stabil wie gedacht. Bislang war man von einem völligen Schmelzen der Eispanzer bei Erwärmungen um 1,9 bis 5,1 Grad ausgegangen. Alexander Robinson und Andrey Ganopolski vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung haben für ihre Klimamodellrechnungen zwei starke Rückkoppelungen besonders berücksichtigt: die Tatsache, dass die heute bis zu drei Kilometer dicken Eispanzer beim Schmelzen in immer tiefere, also wärmere Luftschichten kommen und zweitens die zusätzliche Erwärmung durch verringerte Rückstrahlung, sollten die hellen Eismassen weiter schwinden. Wie schnell es zum unumkehrbaren Verschwinden des Gletschereises kommt, hängt von der Erwärmung ab. Heizen wir die Luft in diesem Jahrhundert um acht Grad auf, ist das Eis in 2000 Jahren weg, bei zwei Grad Erwärmung in rund 50 000 Jahren, wie es in „Nature Climate Change“ (doi: 10.1038/Nclimate1449) heißt. Zeit genug, sollte man meinen, die Küstenmetropolen, in denen immerhin schon die Hälfte der Menschheit lebt, vor dem Anrollen der Meter hohen Fluten architektonisch zu schützen. Die Forscher warnen allerdings davor, die Sache auf die leichte Schulter zu nehmen. Bis zur völligen Eisfreiheit seien insbesondere die Pfahlbauten in Europa noch jahrhundertelang von bröckelnden und führerlos umherdriftenden Eisbergen bedroht. +++

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Jahrgang 1964, Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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