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+++ Klimaticker extra +++ Zum Gipfel: Was dem Wald weh tut

Die Klimakonferenz von Doha - eine Farce? Möglich. Nicht aber für die Wissenschaft. Sie lässt es krachen. Vor dem Gipfel hat sie eine Berichtslawine losgetreten.

© picture-alliance / dpa/dpaweb Trostloses Bild: abgestorbene Bäume

Der Klimawandel törnt ab, ist jetzt immer öfter in politischen Kreisen zu hören. Viele wollen das Thema abhaken. Zum Klimagipfel der Vereinten Nationen, der diese Woche in Doha (Qatar) begonnen hat, reisen trotzdem 17 000 Delegierte und Wissenschaftler, fast 6000 Vertreter von Nichtregierungsorganisationen und 1500 Medienleute. Vor dem Gipfel rollt eine Studienlawine. Macht die angekündigte Apokalypse doch keine Pause?

Joachim  Müller-Jung Folgen:

+++ 19. November. Die Woche vor dem Beginn des achtzehnten Klimagipfels in Doha beginnt mit einem tsunamiverdächtigen Aufbäumen der Wissenschaft. Der verschriftlichte Klimakollaps nimmt wieder konkretere Formen an. „Wir befinden uns auf einem Kurs, der schon bis Ende des Jahrhunderts zu einer Erderwärmung von vier Grad führen dürfte. Und somit in eine Welt mit Risiken außerhalb der Erfahrung unserer Zivilisation.“ Die unheilvolle Botschaft, die das Vier-Grad-Dossier (“Turning down the Heat“) der Weltbank in Washington begleitet, ist das Resultat einer „risikobasierten Analyse“ des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, in der gewarnt wird: „Keine Nation der Welt wird immun sein gegen die Auswirkungen des Klimawandels.“ Dieser Satz hat in der nationalen Akademie für Technikwissenschaften „acatech“ für maximale Empörung gesorgt. Er könne missverstanden werden. Nach Erkenntnissen der Technikakademie und ihrer Industriepartner ist für Deutschland weiter von einer „beherrschbaren“ Entwicklung auszugehen. Dafür spreche schon der siebte Satz in der zweiten Spalte der Zusammenfassung, in der die Weltbank feststellt: „Der Meerespiegelanstieg wird in den Tropen wahrscheinlich 15 bis 20 Prozent höher liegen als im globalen Mittel.“ Einflussreiche Geographen hätten der Aklademie zugesichert, dass Deutschland in geologisch überschaubaren Zeiträumen außerhalb der Tropen zu verorten sei. +++

+++ 20. November. Ein neuer Paukenschlag: Wie die Weltwetter-Behörde WMO in Genf in ihrem Treibhausgas-Bulletin mitteilt, haben die Mengen an Kohlendioxid, Methan und Lachgas in der Atmosphäre 2011 neue Rekordwerte erreicht. Mit 390,9 ppm (Teile pro Million Luftmoleküle) liege der CO2-Anteil 140 Prozent über dem vorindustriellen Niveau, Methan 259 Prozent und Lachgas - Distickstoffoxid - 120 Prozent drüber. Die maximale Arbeitsplatzkonzentration werde stellenweise stark überschritten. Vor allem in Hochhäusern mit Balkontüren droht die Luft dünn zu werden. Je nach Wetterlage droht der Anteil biologisch verwertbarer Luftmoleküle unter die Schwelle zu fallen, die Leben in der uns bekannten Form möglich macht. +++

+++ 20. November. Ein amerikanischer Geologe, James Lawrence Powell, veröffentlicht zwei bemerkenswerte Zahlen zur Lage in der Klimatologie: 13 950 und 24: Die erste gibt die Summe der im „Web of Science“ veröffentlichten Artikel an, die zwischen 1991 und November 2012 in Fachzeitschriften mit Peer-Review unter den Schlüsselbegriffen „Global Warming“ und „Global Climate Change“ erschienen sind. In nur 24 Studien wird die Existenz einer beschleunigten Klimaerwärmung durch Treibhausgase kategorisch abgestritten. Unerklärlich ist, wie die Fußnote zu der Erhebung von der Homepage des Geologen verschwinden konnte. In der war zu lesen, dass die Suche nach dem Schlüsselbegriff „Welcome Warming“ einen statischen Verlauf ergeben hat, der die Klimaforschung aufhorchen lässt: Die Kurve hat eine hockeyschlägerartige Form und verläuft parallel zur Temperaturkurve der vergangenen Jahrzehnte. +++

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