Home
http://www.faz.net/-h73-74n0w
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

+++ Klimaticker extra +++ Zum Gipfel: Was dem Wald weh tut

Die Klimakonferenz von Doha - eine Farce? Möglich. Nicht aber für die Wissenschaft. Sie lässt es krachen. Vor dem Gipfel hat sie eine Berichtslawine losgetreten.

© picture-alliance / dpa/dpaweb Vergrößern Trostloses Bild: abgestorbene Bäume

Der Klimawandel törnt ab, ist jetzt immer öfter in politischen Kreisen zu hören. Viele wollen das Thema abhaken. Zum Klimagipfel der Vereinten Nationen, der diese Woche in Doha (Qatar) begonnen hat, reisen trotzdem 17 000 Delegierte und Wissenschaftler, fast 6000 Vertreter von Nichtregierungsorganisationen und 1500 Medienleute. Vor dem Gipfel rollt eine Studienlawine. Macht die angekündigte Apokalypse doch keine Pause?

Joachim  Müller-Jung Folgen:    

+++ 19. November. Die Woche vor dem Beginn des achtzehnten Klimagipfels in Doha beginnt mit einem tsunamiverdächtigen Aufbäumen der Wissenschaft. Der verschriftlichte Klimakollaps nimmt wieder konkretere Formen an. „Wir befinden uns auf einem Kurs, der schon bis Ende des Jahrhunderts zu einer Erderwärmung von vier Grad führen dürfte. Und somit in eine Welt mit Risiken außerhalb der Erfahrung unserer Zivilisation.“ Die unheilvolle Botschaft, die das Vier-Grad-Dossier (“Turning down the Heat“) der Weltbank in Washington begleitet, ist das Resultat einer „risikobasierten Analyse“ des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, in der gewarnt wird: „Keine Nation der Welt wird immun sein gegen die Auswirkungen des Klimawandels.“ Dieser Satz hat in der nationalen Akademie für Technikwissenschaften „acatech“ für maximale Empörung gesorgt. Er könne missverstanden werden. Nach Erkenntnissen der Technikakademie und ihrer Industriepartner ist für Deutschland weiter von einer „beherrschbaren“ Entwicklung auszugehen. Dafür spreche schon der siebte Satz in der zweiten Spalte der Zusammenfassung, in der die Weltbank feststellt: „Der Meerespiegelanstieg wird in den Tropen wahrscheinlich 15 bis 20 Prozent höher liegen als im globalen Mittel.“ Einflussreiche Geographen hätten der Aklademie zugesichert, dass Deutschland in geologisch überschaubaren Zeiträumen außerhalb der Tropen zu verorten sei. +++

+++ 20. November. Ein neuer Paukenschlag: Wie die Weltwetter-Behörde WMO in Genf in ihrem Treibhausgas-Bulletin mitteilt, haben die Mengen an Kohlendioxid, Methan und Lachgas in der Atmosphäre 2011 neue Rekordwerte erreicht. Mit 390,9 ppm (Teile pro Million Luftmoleküle) liege der CO2-Anteil 140 Prozent über dem vorindustriellen Niveau, Methan 259 Prozent und Lachgas - Distickstoffoxid - 120 Prozent drüber. Die maximale Arbeitsplatzkonzentration werde stellenweise stark überschritten. Vor allem in Hochhäusern mit Balkontüren droht die Luft dünn zu werden. Je nach Wetterlage droht der Anteil biologisch verwertbarer Luftmoleküle unter die Schwelle zu fallen, die Leben in der uns bekannten Form möglich macht. +++

+++ 20. November. Ein amerikanischer Geologe, James Lawrence Powell, veröffentlicht zwei bemerkenswerte Zahlen zur Lage in der Klimatologie: 13 950 und 24: Die erste gibt die Summe der im „Web of Science“ veröffentlichten Artikel an, die zwischen 1991 und November 2012 in Fachzeitschriften mit Peer-Review unter den Schlüsselbegriffen „Global Warming“ und „Global Climate Change“ erschienen sind. In nur 24 Studien wird die Existenz einer beschleunigten Klimaerwärmung durch Treibhausgase kategorisch abgestritten. Unerklärlich ist, wie die Fußnote zu der Erhebung von der Homepage des Geologen verschwinden konnte. In der war zu lesen, dass die Suche nach dem Schlüsselbegriff „Welcome Warming“ einen statischen Verlauf ergeben hat, der die Klimaforschung aufhorchen lässt: Die Kurve hat eine hockeyschlägerartige Form und verläuft parallel zur Temperaturkurve der vergangenen Jahrzehnte. +++

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
+++ Klimaticker September +++ Ozonloch, Treibhausspitze, Vogelschwund

Was macht eigentlich die Apokalypse? Unser Glossenticker mit ernsten Nachrichten zum Klimawandel und ihren (weniger ernsten) Pointen. Ein Update zur Erholung der Ozonschicht, dem Rekordanstieg der Treibhausgase und dem drohenden Vogelsterben in Nordamerika. Mehr

11.09.2014, 01:26 Uhr | Wissen
Kredite für den Kampf gegen Ebola

Es seien viele Menschenleben in Gefahr, wenn man die Erkrankung nicht stoppen könne, sagte Weltbank-Präsident Jim Yong Kim. Aktuell breitet sich die Seuche weiter aus. Mehr

05.08.2014, 16:31 Uhr | Gesellschaft
Expertenbericht vor Klimagipfel Studie: Grünes Wachstum ist möglich

Ist Wirtschaftswachstum immer schlecht für das Klima? Nein, sagt ein Expertenbericht, das sei ein Mythos. Es ist kein Zufall, dass die Studie jetzt vorgestellt wird. Mehr

15.09.2014, 17:00 Uhr | Wirtschaft
Kaum noch Zeit

Weltklimarat mahnt schnelle Maßnahmen gegen Klimawandel an. Mehr

13.04.2014, 17:21 Uhr | Wissen
Die Zerstörung der Ozonschicht ist gestoppt. Und nun? Die Heilung des Ozonlochs

Die Regierungen der Welt haben die irdische Ozonschicht gerettet. Das hat auch Folgen für die Klimaproblematik. Allerdings wohl keine für die Klimapolitik. Mehr

15.09.2014, 00:12 Uhr | Wissen
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 28.11.2012, 09:11 Uhr