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+++ Klimaticker +++ Blutalgenschwemme, Atomklimaforscher, Evolutionsversager

Atomforscher kämpfen mit gegen den Klimawandel, doch es hilft nichts. Die Erwärmung hält die Welt in Atem: Im Zürichsee und in den Zentren der Artenvielfalt.

© picture-alliance/ dpa Unter den Ängsten der Gegenwart ist die vor dem Atomkrieg zu einer unter vielen geworden.

+++ 8. Juli. Im Zürichsee vermehrt sich die toxische „Burgunderblutalge“ immer hemmungsloser. Temperaturen an der Oberfläche von 0,6 bis 1,2 Grad über dem vierzigjährigen Mittel und mehrheitlich warme, windstille Winter verhindern die Durchmischung des 130 Meter tiefen Sees und halten die Massenvermehrung der fadenförmigen roten Einzeller, Planktothrix rubescens, in Gang. Die erfolgreiche Seesanierung Hunderter Trinkwasserreservoire sei gefährdet, berichtet die Gruppe um Thomas Posch von der Universität Zürich in „Nature Climate Change“ (doi: 10.1038/nclimate1581). In Schloss Châteauneuf hat die Nachricht für Unmut gesorgt: Der Versuch der Klimaforschung, den guten Namen des Burgund durch den Schweizer Kakao zu ziehen, will man per einstweiliger Verfügung unterbinden. +++

Joachim  Müller-Jung Folgen:

+++ 13. Juli. Die amerikanische Nuklearforschung hat sich dem Schutz vor dem Klimawandel verschrieben, sie nimmt sogar heute schon große Verdienste für den Klimaschutz in Anspruch. Über die globale Erwärmung wisse man heute tatsächlich nicht so viel ohne den Kalten Krieg, berichtet der Historiker Paul Edwards von der University of Michigan. „Die meisten Verbindungen zwischen beiden Gebieten erscheinen uns pervers.“ Doch ohne die systematische Suche der nationalen Atomlabors nach den radioaktiven Spuren des Fallouts wüsste man heute deutlich weniger über die Eigenschaften der Atmosphäre. Nationale Kerntechniklabors wie in Livermore, die einst an der Entwicklung der tödlichsten Waffenarsenale der Geschichte mitgewirkt hätten, würden heute ihre Supercomputer der Klimatologie zur Verfügung stellen und damit helfen, die „größte nicht von Regierungen, sondern von Milliarden einfacher Leute in einfachen Unterkünften“ angestoßene Katastrophe zu verhindern, heißt es im „Bulletin of the Atomic Sciences“ (Bd. 68, S. 28). Die Ausgabe, in der jeweils auch die „nationale Antwort“ auf die Klimafrage von drei Experten aus Amerika, Russland und Kanada angeboten wird, ist auszugsweise frei im Internet verfügbar. Das hat eine scharfe Reaktion der europäischen Regierungen provoziert. Sie fürchten, dass die Standorte der emissionslimitierenden unterirdischen Klimaschutzsprengsätze vor dem geplanten Detonationszeitpunkt öffentlich bekannt werden. +++

+++ 15. Juli. Mit der beschleunigten Klimaerwärmung lädt sich der Mensch eine schwere „evolutionäre Schuld“ auf. Zu diesem Ergebnis ist ein internationales Team von Klimamodellierern um Jon Norberg von der Stockholm-Universität gekommen. Die Wissenschaftler haben auf Grundlage der genetischen Vielfalt von Tier- und Pflanzenpopulationen, der ökologischen Konkurrenzverhältnisse sowie dem Ausbreitungspotential der Spezies die möglichen Folgen auf die Artenzusammensetzung und Aussterbewahrscheinlichkeiten für die kommenden rund 1500 Jahre ausgerechnet. Die höchsten Aussterberaten sind demnach zu befürchten, wenn sich das Klima längst stabilisiert hat. Der Grund: die verzögerte Reaktion biologischer Evolutionsmechanismen. Zum Beispiel würden Arten, die mobil sind und sich rasch ausbreiten können, nicht zwangsläufig die Artenvielfalt vergrößern. Beispiel Polargebiete: Zwar wandern mobile Arten, die an wärmere Habitate angepasst sind, rasch zu, sobald es wärmer wird. Aber auf längere Sicht werden einige wenige dieser eingewanderten Arten deutlich mehr polare Arten verdrängen, und zwar dauerhaft, wie die Wissenschaftler in „Nature Climate Change“ (doi: 10.1038/nclimate1588) berichten. In jagdaffinen Internetforen kursiert bereits eine schwarze Migrantenliste. Fangquoten für invasive Arten, provisorische Abschüsse und Treibjagden an den Grenzen der Klimazonen werden diskutiert. Besonderes Augenmerk gilt dem Eisbär: Der gefährdete Räuber droht zwischen den unverdaulichen, wild wuchernden Eukalyptusbeständen zu verhungern, in deren Kronendächern der Koala seine neckischen Paarungsspiele treibt und eine zirkumpolare Bärenmonokultur zu etablieren droht. +++

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 17.07.2012, 16:50 Uhr