04.10.2011 · Der Klimawandel im toten Winkel des Katastrophenjournalismus? Nicht bei uns. Im apokalyptischen Liveticker glossieren wir die Protokolle vom Klimakollaps.
Von Joachim Müller-Jung+++ 30. September. Astronomen wie unsere diesjährigen Nobelpreisträger fliegen im Schnitt 36 800 Kilometer zu ihren Oberservatorien und Konferenzen. Damit verbrauchen sie 130 Kilowattstunden im Jahr mehr als der durchschnittliche britische Haushalt und schädigen massiv das Klima, moniert Phil Marshall von der Oxford-Universität in "Physics World". Bonusmeilen, die mit den Flügen bisher gesammelt wurden, sollten entwertet und der versprochene Prämienflug zum Mars gestrichen werden.+++
+++ 29. September. Für Schokolade droht eine Preisexplosion. Das steht in einem neuen Bericht des International Center for Tropical Agriculture. Die flachen Großanbaugebiete in Westafrika böten den hitzeempfindlichen Kakao-Pflanzen wenig Ausweichbiotope. Ab 2030 drohten Ernteausfälle. Einer Rationierung von Schokoprodukten müsse züchterisch entgegengewirkt werden, weil sonst Volksaufstände im reichen Norden drohen. +++
+++ 4. Oktober. Die Erwärmung des Planeten lässt kaltblütige Organismen schneller wachsen, führt aber im Endeffekt zu einer geringeren Endgröße. Das haben Forscher der University of London in einer vierzig Jahre dauernden Studie an Ruderfußkrebsen herausgefunden. Was den Menschen betrifft, besteht kein Grund zur Panik. In der Online-Ausgabe der "Proceedings" der amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften berichten Forscher der Universität Hongkong zwar auch von einer "Kausalität zwischen Klimawandel und großen Menschheitskrisen - jedenfalls in der Zeit zwischen dem sechzehnten und neunzehnten Jahrhundert. Aber wirklich geschrumpft sind die Europäer den historischen Dokumenten zufolge nur in einer moderaten Kälteperiode zwischen 1560 und 1660. Die Ernteausfälle ließen die Menschen um durchschnittlich zwei Zentimeter schrumpfen. Bei der prognostizierten Klimaerwärmung von bis zu sechs Grad in hundert Jahren müssten sämtliche Gebäude grundsaniert und der Riesenwuchs zum Standard erhoben werden. Bettenlängen unter zweieinhalb Metern würden unverkäuflich.+++
Joachim Müller-Jung Jahrgang 1964, Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.
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