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Klimaschutz Teure Erderwärmung

08.10.2007 ·  Effektive Maßnahmen gegen den Klimawandel kosten wenig im Vergleich zu den Folgen der Erderwärmung, sagt der Vorsitzende des Weltklimarats, Pachauri, vor seinem Treffen mit Kanzlerin Merkel. Den Vorwurf, die Lage zu dramatisieren, weist er zurück.

Von Christian Schwägerl
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Effektive Maßnahmen gegen einen gefährlichen Klimawandel kosten nach Angaben des Vorsitzenden des Weltklimarats IPCC, Rajendra Pachauri, sehr wenig im Vergleich zu den möglichen Folgen einer starken Erderwärmung. Pachauri sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am Montag, der Zuwachs an Wohlstand werde sich weltweit bis 2030 nur um acht Monate verzögern, wenn die erforderlichen Mittel von Regierungen und Wirtschaft in den Klimaschutz investiert würden.

„Das ist im Gegensatz zu einem steigenden Meeresspiegel und zur möglichen Ausrottung von 30 bis 40 Prozent der Tier- und Pflanzenarten sehr wohl erträglich“, sagte Pachauri. Der IPCC-Vorsitzende ist zu einer Zusammenkunft von fünfzehn Nobelpreisträgern nach Potsdam gekommen, die am Dienstag in Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Maßnahmen gegen den Klimawandel erörtern wollen.

Dreißig Seiten Klimawandel

Die IPCC, in der Klimaforscher und Regierungen seit 1988 den Stand der Wissenschaft zusammentragen, werde im November eine Zusammenfassung ihrer derzeitigen Erkenntnisse vorlegen. „Diese dreißig Seiten wird hoffentlich jeder Verantwortliche lesen“, sagte Pachauri. Er verteidigte den Klimarat gegen Kritik, man übertreibe die Gefahren des Klimawandels: „Ganz im Gegenteil sieht es eher so aus, als würden wir den Klimawandel eher zu zurückhaltend bewerten als zu drastisch.“

Der Klimarat gründe seine Arbeit nur auf begutachteten wissenschaftlichen Veröffentlichungen und müsse von deren Aussagekraft auch die Regierungsvertreter in dem Gremium überzeugen. „Es gibt ausreichend Kontrollen, die uns vor Übertreibungen bewahren“, sagte Pachauri.

Suche nach dem richtigen Weg

Im Zentrum des neuen Berichts stünden die enormen Kosten, die ein ungebremster Klimawandel für die Menschheit bedeutete. Damit solle eine von der Wissenschaft getragene Grundlage für die Weltklimaverhandlungen geschaffen werden, die auf einer UN-Konferenz in Bali im Dezember in eine neue Runde gehen. Pachauri, der aus Indien stammt und am Energy and Resources Institute in Delhi tätig ist, hob hervor, er sei optimistisch, dass vor dem Ende des Kyoto-Klimaschutzvertrags ein angemessener Nachfolgevertrag erreicht werde. „Inzwischen beschäftigt der Klimawandel Regierungschefs, das ist ein gutes Zeichen“, sagte er.

Ob das Ziel am besten durch Kohlendioxidsteuern, Handel mit Emissionsrechten oder spezifische Zielvorgaben für einzelne Wirtschaftssektoren erreicht werden könne, müsse diskutiert werden. Wichtig sei, dass der Ausstoß von Treibhausgasen weltweit einen Preis bekomme und sich Investionen in den Klimaschutz auch finanziell unmittelbar rentierten.

„Revolutionäre Idee“ der Kanzlerin

Ausdrücklich unterstützte Pachauri den Vorstoß von Bundeskanzlerin Merkel, bei internationalen Klimaschutzverhandlungen künftig auf einen einheitlichen Pro-Kopf-Verbrauch von fossilen Energieträgern zuzusteuern. „Das ist eine revolutionäre Idee, die es ermöglichen könnte, dass Entwicklungsländer und Industriestaaten künftig an einem Strang ziehen“, sagte der IPCC-Vorsitzende. Bisher sei eine Einigung zwischen Indien, China und anderen Entwicklungsländern mit dem Westen daran gescheitert, dass kein gemeinsames Ziel möglich erschien. Er könne sich aber gut vorstellen, dass Merkels Idee in den nächsten zwei Jahren ins Zentrum der Klimaverhandlungen rücke.

Der IPCC-Vorsitzende bewertete auch die Klimapolitik der amerikanischen Regierung optimistisch. „In Washington ist viel Bewegung zu verzeichnen, und niemand dort kann sich den zahlreichen Klimaschutzbemühungen von Gemeinden, Städten und Bundesstaaten wie Kalifornien verschließen“, sagte er. Noch vor fünf Jahren habe die amerikanische Regierung einen vom Menschen verursachten Klimawandel nicht auf der Tagesordnung gehabt, inzwischen habe sich dies aber grundlegend geändert.

HWWI: „Jetzt kommt die Zeit des Erntens“

Unterdessen zeigt eine neue Studie, dass die deutsche Wirtschaft in den kommenden Jahren und Jahrzehnten zu den Gewinnern des Klimawandels zählen könnte. In dem entstehenden Milliardenmarkt habe sich Deutschland in zahlreichen Zukunftsbranchen zum Marktführer aufgeschwungen, heißt es in der am Montag in Hamburg vorgestellten Klimawandel-Studie des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Instituts (HWWI) und der Berenberg Bank. „Die Wirtschaft hat oft über die Kostenbelastung durch grüne Politik geklagt“, sagte HWWI-Chef Thomas Straubhaar. „Jetzt kommt die Zeit des Erntens.“

Für die Gewinner des Klimawandels, die Anbieter so genannter „grüner Technologien“, könnten die Märkte bis zum Jahr 2030 um durchschnittlich acht Prozent wachsen und damit doppelt so schnell wie die Weltwirtschaft, heißt es in der Studie. „Deutschland wird sich von diesem Kuchen ein ganz großes Stück abschneiden“, sagte Straubhaar. Heute sei Deutschland schon vorn bei erneuerbaren Energien, in der Abfallwirtschaft, der Nano-und Biotechnologie und der Effizienzsteigerung. „Um die negativen Folgen des Klimawandels zu verhindern, müssen Milliarden von Euro in neue Technologien, Prävention, Anpassung und Schutz investiert werden“, erklärte der HWWI-Chef. „Das ist eine elektrisierende Einladung an kreative Tüftler, neugierige Erfinder, kluge Investoren und mutige Unternehmer.“

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