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Klimakonferenz : Die Prüfung der Menschlichkeit

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Es geht mal wieder um die Stabilisierung des Weltklimas: Doch politisch hohe Erwartungen werden eher nicht an Durban geknüpft. Bild: dpa

Die bevorstehende Konferenz in Kopenhagen muss zum historischen Wendepunkt der globalen Klimapolitik werden. Es wäre für die Welt fatal, diese Chance zu vertun. Ein Gastbeitrag der Klimaforscher Mojib Latif und Hans Joachim Schellnhuber.

          Unmittelbar vor der großen Konferenz von Kopenhagen häufen sich – erwartungsgemäß – die Versuche gewisser Kreise, die Öffentlichkeit zu verwirren und den Einfluss des Menschen auf das Klimasystem als bedeutungslos darzustellen. Deshalb im Klartext vorneweg: Die Erderwärmung findet bereits statt, und menschliche Aktivitäten sind ihre Hauptursache! Die Auswirkungen der schon verursachten, harmlos erscheinenden Erderwärmung von nicht einmal einem Grad Celsius sind unübersehbar: Fast alle Gletscher der Welt befinden sich in einer rapiden Rückzugsbewegung; die arktische Eisbedeckung hat sich in den vergangenen 30 Jahren um etwa dreißig Prozent verringert; der Meeresspiegel ist im 20. Jahrhundert um knapp zwanzig Zentimeter angestiegen.

          Der Weltklimarat (IPCC) geht je nach Emissionsszenarium und Klimaempfindlichkeit von einer weiteren Erwärmung von bis zu sechs Grad im weltweiten Durchschnitt bis zum Ende des Jahrhunderts aus, falls keine energischen Maßnahmen zur Minderung des weltweiten Ausstoßes von Treibhausgasen ergriffen werden. Eine derartige Erwärmung wäre nach Ausmaß und Geschwindigkeit einmalig und würde mit großer Wahrscheinlichkeit zu unbeherrschbaren Folgen führen. Denn unsere Zivilisation kann nicht innerhalb von Jahrzehnten auf radikal veränderte Umweltbedingungen umgepolt werden.

          Der Klimawandel bedroht vorallem die Entwicklungsländer

          Wie aber können wir die Forderung der UN-Klimarahmenkonvention von Rio de Janeiro aus dem Jahr 1992 erfüllen und einen „gefährlichen“ Klimawandel doch noch vermeiden? Nach Meinung der überwältigenden Mehrheit der Wissenschaftler sollte die Erdtemperatur um möglichst nicht mehr als zwei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit ansteigen, um das Risiko von „Kippeffekten“ zu minimieren – also beispielsweise das unwiderrufliche Abschmelzen des Grönlandeises (was zu einem Meeresspiegelanstieg von sieben Meter führen würde), die Destabilisierung des indischen Sommermonsuns (was die Lebensgrundlagen von Hunderten Millionen Menschen bedrohen würde) oder das Entweichen von gigantischen Mengen von hochwirksamen Treibhausgasen aus den auftauenden „Permafrost“-Böden (was die globale Erwärmung zum Galopp beschleunigen würde).

          Das Eis wird weniger: ein driftender Eisberg
          Das Eis wird weniger: ein driftender Eisberg : Bild: dpa

          Um die Zwei-Grad-Linie mit akzeptabler Wahrscheinlichkeit (also spürbar höher als fünfzig Prozent) zu halten, müsste der weltweite Ausstoß an Treibhausgasen bis zum Jahr 2050 mehr als halbiert werden und deutlich vor 2020 seinen Scheitelpunkt überschritten haben. Man kann dies auch plastischer ausdrücken: Im Durchschnitt stehen jedem Erdenbürger in diesem Jahrhundert noch etwa hundert Tonnen CO2 als „Kohlenstoffkredit“ bei der Natur zu. Damit kommt man mit einem S-Klassen-Mercedes rund 500 000 Kilometer weit. Das hört sich viel an, ist aber von Vielfahrern nach zwanzig Jahren aufgezehrt – und lässt keinen Spielraum mehr für Heizen, elektrische Geräte oder Industrieproduktion. Es ist ernüchternd, wenn man diese Herausforderung mit den realen Entwicklungen vergleicht: Die Kohlendioxidemissionen sind weltweit zwischen 1990 und 2008 um gut vierzig Prozent gewachsen und allein seit 2000 um fast dreißig Prozent gestiegen!

          Versauerung der Ozeane

          Der Klimawandel ist höchst „unsozial“: Gerade die armen Länder der Erde, die bisher kaum Treibhausgase ausgestoßen haben, müssten mit lebensbedrohenden Auswirkungen rechnen. Dazu gehören ein weiteres Austrocknen der Subtropen und die damit einhergehende Verschärfung der Trinkwasserknappheit bei gleichzeitig wachsender Bedrohung durch Überschwemmungen infolge extremer Niederschläge. Ohne kraftvolle Klimaschutzmaßnahmen könnte der Meeresspiegel bis zum Ende des Jahrhunderts weltweit im schlimmsten Fall um mehr als einen Meter steigen, was für Millionen von Menschen, gerade in den Tropen, existenzbedrohend wäre.

          Eine weitere und bisher kaum bekannte Gefahr ist die Versauerung der Ozeane infolge der Aufnahme großer Mengen des von uns Menschen in die Umwelt eingebrachten Kohlendioxids. Dies stellt neben der Erwärmung eine ernsthafte Bedrohung für das Leben im Meer dar, was die ohnehin schon prekäre Ernährungssituation in vielen Entwicklungsländern verschärfen würde. Bei ungebremstem CO2-Ausstoß dürften in den tropischen Ozeanregionen langfristig sogar große „Sauerstofflöcher“ entstehen, also gewissermaßen Todeszonen, wo keine Fischbestände aufrechterhalten werden können.

          Die reichen Länder sind in der Pflicht

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