13.12.2007 · Der Streit über die Abschlusserklärung des UN-Klimagipfels auf Bali wird schärfer: Umweltminister Gabriel droht damit, ein von Washington organisiertes Klimatreffen im Januar zu boykottieren.
Von Konrad Mrusek, Nusa DuaBundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) droht damit, ein von Washington für Ende Januar in Honolulu geplantes Treffen der 16 Staaten mit dem größten Treibhausgasausstoß zu boykottieren, wenn die Vereinigten Staaten bei den Emissionszielen nicht nachgäben.
Bei einem nur mageren Ergebnis auf Bali werde Deutschland nicht an den Klimagesprächen teilnehmen, sagte Gabriel. Er versicherte, das sei keine Erpressung Amerikas, doch die Gespräche ergäben dann keinen Sinn mehr: „Ich wüsste nicht, worüber wir da reden sollen.“
Auch die Europäische Union droht mit einem Boykott der Gespräche. „Es ist wahr, bei einem Scheitern in Bali wäre es sinnlos, ein Treffen großer Staaten in Amerika abzuhalten“, sagte der portugiesische Umweltstaatssekretär Humberto Rosa am Donnerstag. Rosa fungiert bei der Klimakonferenz auf Bali als Chefunterhändler der EU.
Gabriel: Konferenz auf Bali wird nicht scheitern
Während Deutschland darauf dringt, in der Abschlusserklärung der Konferenz festzulegen, dass die Industrieländer ihre Emissionen bis zum Jahr 2020 um 25 bis 40 senken, wehrt sich Amerika dagegen, dass man ein solches Ziel in jenem Mandat festschreibt, mit dem bis zum Jahr 2009 ein zweites Kyoto-Protokoll ausgehandelt werden soll. Gabriel sagte, von einer Zusage der Industrieländer hänge es ab, ob auch China freiwillige Pflichten beim Klimaschutz übernehme. Dieses Land wird demnächst die Vereinigten Staaten als größten Emittenten von Treibhausgasen ablösen.
Amerika hatte erstmals im Herbst in Washington zu den Klimagesprächen der größten Emittenten geladen und will Ende Januar ein weiteres Treffen auf Hawaii organisieren. Die Regierung Bush sieht in diesen Gesprächen eine Ergänzung, aber keine Konkurrenz zu den UN-Verhandlungen innerhalb der Klimarahmenkonvention. Ein Scheitern der Klimakonferenz auf Bali ist nach Ansicht Gabriels nicht zu erwarten, weil alle 192 Staaten über ein neues Protokoll verhandeln wollten. Strittig ist indessen, welche mittel- und langfristigen Ziele bei den Emissionen bereits auf Bali festgelegt werden.
Beim G-8-Gipfeltreffen im Juni in Heiligendamm hatten die Vereinigten Staaten zugestimmt, bis zum Jahr 2050 eine Halbierung des Ausstoßes an Treibhausgasen zu prüfen. Gabriel forderte bis 2020 eine Reduktion der Industriestaaten um 30 Prozent, weil das langfristige Ziel sonst nicht zu schaffen sei. Falls Amerika nicht einlenkt, wird bei der Konferenz nicht ausgeschlossen, statt der Erwähnung von Zahlen in dem Dokument auf den Weltklimabericht zu verweisen, der bis 2020 eine Reduktion um 25 bis 40 Prozent empfiehlt, um die maximale Erwärmung auf zwei Grad zu begrenzen.
Schaden die Abgase der Industriestaaten mehr als die aus den anderen Ländern?
Josef Bujtor (Mramorak)
- 13.12.2007, 12:45 Uhr
Klimakonferenz
Bevan Engelbrecht (bevan)
- 13.12.2007, 13:36 Uhr
Wie naiv ist Gabriel?
Arwed Schmidt (SDT)
- 13.12.2007, 13:57 Uhr
Solange nicht entschieden ist, muss um Fortschritte gekämpft werden.....
wolf haupricht (emilgilels)
- 13.12.2007, 14:08 Uhr
"Klimaschutz?" Darüber kann ich nur lachen...
Julio Carlo (julioc)
- 13.12.2007, 14:48 Uhr