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Klimaexperte Ottmar Edenhofer : Ein ehemaliger Jesuit rettet jetzt die Welt

Wissenschaftler sind keine Ersatz-Politiker: Ottmar Edenhofer Bild: Andreas Pein / F.A.Z.

Ottmar Edenhofer hat Marx gelesen, eine Firma gegründet und war im Orden. Heute ist der Ökonom einer der Chefs des Weltklimarates.

          Marx. Ottmar Edenhofer hatte ohnehin keine rechte Lust auf die Schule, dann drückte ihm seine Lehrerin auch noch ein Referat über Marx aufs Auge. Also ging er brav in die Buchhandlung seines Heimatortes Gangkofen und bestellte mit mulmigem Gefühl im Bauch die drei Bände des deutschen Ökonomen. "Der Buchhändler hat mich angeschaut, als ob ich gerade einen Mord begehen wollte." Jetzt nehmen die in der Schule sogar den Marx schon durch, und das hier in Niederbayern - da hört sich alles auf!

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Für Ottmar Edenhofer fing dadurch vieles an. Er las und las und verstand zwar nicht alles, was der Marx da geschrieben hatte. Aber eine Idee begeisterte ihn, die, wie Marx die Entwicklung der Menschheit dachte: als einen ständig aufzulösenden Widerspruch zwischen gerade real existierenden Verhältnissen und immer neuen Erfindungen, die genau diese Gegebenheiten in Frage stellen, einen fortlaufenden Wandel, kaum vorhersagbar, zu steuern schon gleich gar nicht: eine Evolution - und das in der menschengemachten Wirtschaftswelt!

          Sein Leben ist eine Evolution

          Für Edenhofer ein Faszinosum, denn wenn es dem naturverbundenen Schuljungen damals einer richtig angetan hatte, dann war das Charles Darwin gewesen, der seine "Entstehung der Arten" 1859 herausgebracht hatte - acht Jahre, bevor der erste Teil von Marx' "Kapital" erschien. Das Prinzip von Mutation und Selektion fand Edenhofer hochspannend. Vielleicht auch (was er damals noch nicht wissen konnte), weil in der Rückschau betrachtet sein eigenes Leben ebenfalls eine Evolution gewesen ist, während der er zuweilen seine Verhältnisse und seine Verhältnisse dann wieder ihn verändert haben.

          Und dann hatte Marx ja noch diese berühmte Passage über die Ausbeutung der Arbeiter geschrieben. Die fand Edenhofer ebenfalls toll, wenngleich nicht aus einem intellektuellen Erhellungsbedürfnis heraus. Die eignete sich für ihn als pubertierendem Jugendlichen nämlich ganz prima, um dem Unternehmer-Vater einmal vorzurechnen, wie der seine Mitarbeiter Tag für Tag ausbeute. Und um hernach zu verkünden: "Ich werde mal ein Unternehmen gründen, in dem die Ausbeutungsrate gleich null ist." Sprach's - und in der Tat: Er tat's. Edenhofer gründete einen Versicherungsverein mit 30 angestellten Pflegekräften. Dann machte er sich auf nach München.

          Hans-Werner Sinn war sein Professor

          Im Fach Volkswirtschaftslehre hatte er sich an der Ludwig-Maximilians-Universität eingeschrieben. Weil er sich davon mehr versprach als vom Studium einer einzelnen Entscheidungseinheit. Ihn unterrichtete damals übrigens auch ein am Beginn seiner Karriere stehender Wirtschafts-Professor namens Hans-Werner Sinn. Das Studium fand Edenhofer interessant und schloss mit Prädikat ab, 1987 war das gewesen. Der damals Sechsundzwanzigjährige hatte aber trotz guter Noten ein Problem: "Die Volkswirtschaftslehre hat mir nicht alle Antworten gegeben." In der inneren Auseinandersetzung darüber, was er tun sollte, bekam das zweite geistige Gepäckstück Gewicht, das er neben dem ungebrochenen Interesse an Natur und Wirtschaft aus Gangkofen mitgebracht hatte: sein katholischer Glaube. Ottmar Edenhofer trat in den Jesuitenorden ein.

          Wieso? "Das religiöse Leben erschien mir für mich richtig." Und was war mit Kindern? "Damals gab es bei mir nicht den Wunsch, irgendwann einmal eine Familie gründen zu wollen." Seine Familie war der Orden. Edenhofer lernte beten und meditieren, die Ordensoberen schickten ihn als humanitären Helfer für zwei Jahre nach Kroatien und Bosnien.

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