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Klimabilanz der Bahn : Noch eine unbequeme Wahrheit

  • Aktualisiert am

Der ICE ist nur bei guter Auslastung klimafreundlicher als das Auto Bild: AP

Sind Eisenbahnfahrer große Energiesparer? Solange die Bahn so betrieben wird wie heute in Deutschland, wohl kaum. Rein rechnerisch könnte man sich fast gleich ins Auto setzen, rechnet Gottfried Ilgmann vor.

          In einem Artikel über den Transrapid erwähnten wir im vergangenen Jahr einen alten Statistikwert. Umgerechnet 7,2 Liter Benzin je 100 Kilometer und Passagier verbrauche die Bahn im Nahverkehr, hatte das ifo-Institut einst im Auftrag der Bundesregierung ermittelt. In der Diskussionsecke von FAZ.NET war die Erregung groß. 7,2 Liter auf 100 Kilometer? Die Bahnliebhaber konnten es nicht fassen. (Siehe: FAZ.NET-Spezial: Das Transrapid-Unglück)

          Auch die Bahn selbst erzählt anderes. Ende März, auf der Bilanzpressekonferenz seines Unternehmens, sagte Bahn-Chef Mehdorn, sogar der schnelle ICE verbrauche - voll besetzt - pro Passagier auf 100 Kilometer nur so viel Energie wie ein 1-Liter-Auto.

          Was stimmt nun?

          7 Liter, 1 Liter - was stimmt nun? Die Frage lässt sich beantworten, wenn man sich die nötigen Basisdaten zusammensucht. Um keine Zahlenschwemme auszulösen, konzentrieren wir uns auf den Fernverkehr - nur da fährt ja der ICE. Wie schneiden Auto und Bahn und auch Bus und Flugzeug im Verbrauchstest ab?

          Umweltfreundliche Bahn: Die Wirklichkeit scheint etwas rauher zu sein
          Umweltfreundliche Bahn: Die Wirklichkeit scheint etwas rauher zu sein : Bild: AFP

          Die deutsche Pkw-Flotte tankt im Durchschnitt 8,0 Liter Benzin oder 6,9 Liter Dieselkraftstoff je 100 Fahrzeugkilometer, so die Bundesstatistik. Diesel ist um 13 Prozent energiehaltiger. Energetisch entsprechen 6,9 Liter Diesel fast 8 Litern Benzin, die Fachleute sprechen vom „Benzin-Energieäquivalent“, verkürzen dann einfach wieder auf „Liter Benzin“. Die deutsche Pkw-Flotte, Benziner und Diesel, verbraucht also 8,0 Liter Benzin auf 100 km - energetisch gesehen.

          Nun berechnen die Fachleute mehr als nur den Energieverbrauch ab Zapfsäule. Korrekterweise addieren sie beim Auto die Energie hinzu, mit der man das Erdöl fördert, es in die Raffinerie transportiert, daraus Kraftstoff gewinnt und ihn bis zur Tankstelle bringt. Man nennt das „die Vorkette“. Berücksichtigt wird auch, dass Autos und Straßen unterhalten und repariert werden müssen. Ampeln, Beleuchtung, Reinigung, Schneeräumung, Streudienst, ja noch die Heizung der Autobahnmeisterei fließen in diese Rechnung ein. All dies zusammen mit dem Verbrauch ergibt den sogenannten Primärenergiebedarf. So wird aus 8,0 Litern getanktem Benzinäquivalent ein wahrer Wert von rund 9,8 Litern Primärenergie für je 100 Pkw-Kilometer in Deutschland.

          Fairer Vergleich: Energieverbrauch pro Passagier

          Für den fairen Vergleich misst man den Energieverbrauch pro Passagier. Da jeder Pkw im Mittel mit 1,5 Personen besetzt ist, beträgt dieser Wert 6,5 Liter je Person und 100 Kilometer. Nun gilt die Faustregel: Ein Pkw im Fernverkehr braucht etwa 10 Prozent weniger Kraftstoff und ist besser ausgelastet, im Mittel mit 1,7 Personen. Im Nah- und Regionalverkehr fließen hingegen 10 Prozent mehr Kraftstoff als im Durchschnitt, im Mittel sitzen nur 1,3 Personen im Auto. Also beträgt der Primärenergieverbrauch des Pkw im Fernverkehr 5,2 Liter, im Nahverkehr 8,3 Liter Benzin je Person auf 100 Kilometer (siehe nebenstehende Grafik „Primärenergieverbrauch Pkw und Bahn“).

          Mehr als fünf Liter im Fernverkehr mit dem Pkw! Da steht der Umweltsieger ja fest. „Dieses Rennen gewinnt das Auto wahrscheinlich nie“, vermerkte die Wirtschaftsredaktion des „Spiegel“ Anfang September in ihrer Umwelt-Titelgeschichte, denn „pro Zugpassagier wird etwa der Energiegehalt von zwei Liter Sprit auf 100 Kilometer verbraucht“.

          Siehe, da wirken die Anzeigen der Deutschen Bahn stärker auf die Volksbildung, als sie es vom Wortlaut her wollen. Die Bahn selbst sagt dort nämlich: „Wir haben das umweltfreundlichste Verkehrsmittel noch umweltfreundlicher gemacht. Der neue ICE 3 verbindet Europa mit bis zu 320 km/h. Und mit umgerechnet 2,3 Litern Benzinverbrauch pro Person auf 100 Kilometer schlägt er Auto und Flugzeug deutlich.“

          Ehrlicher: Umweltbericht der Bahn

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