14.03.2007 · Allein in Deutschland könnte der Klimawandel bis zum Jahr 2100 fast 3000 Milliarden Euro kosten, hat die Forscherin Claudia Kemfert berechnet. Im Gespräch mit FAZ.NET erklärt sie, was aus ihrer Sicht die beste Medizin gegen die Kostenexplosion wäre.
Von Nadine Bös3000 Milliarden Euro könnte uns der Klimawandel kosten - wenn nicht beizeiten etwas getan wird. Das hat die Forscherin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung berechnet und in ihrer heute veröffentlichten Studie bekannt gegeben. Doch die meisten der derzeitigen Vorschläge zur Bekämpfung des Klimawandels hält sie für „blinden Aktionismus“, sagte sie im Gespräch mit FAZ.NET. Von Energiesparlampen, über Tempolimit bis zur Abschaffung der Standby-Schaltungen - von derartigen Einschränkungen hält die Expertin wenig. „Was wir brauchen ist eine konkrete Strategie“, sagte Kemfert. „Es hat keinen Sinn, Leuten vorzuschreiben, was sie zu tun haben; ihnen beispielsweise Flugreisen zu verbieten.“
Statt dessen solle man lieber erheblich mehr Geld in die Forschung und Entwicklung stecken, um Technologien zur CO2-Vermeidung voranzubringen. Außerdem plädierte die Expertin dafür, Atomkraftwerke in Deutschland länger laufen zu lassen, um Zeit für die Erforschung neuer Technologien zu gewinnen. „Zwar birgt auch die Atomkraft Umwelt-, Finanz- und Terrorismusrisiken“, sagte sie zu FAZ.NET. Doch man müsse die Gefahren des Klimawandels dagegen abwägen und sehen, was schwerwiegender sei.
„Energierevolution einleiten“
„So schnell wie möglich handeln heißt jetzt das Plädoyer“, so Kemfert. Deutschland könne Vorreiter werden, falls das Land noch stärker in die Technologie investiere. Es sei gar möglich, „eine Energierevolution einzuleiten“. Für Deutschland bedeute das gute Wachstumschancen, glaubt die Expertin. Neue Branchen und Wirtschaftssektoren würden entstehen. Die Forscherin ist der Meinung, dass diese wirtschaftlichen Chancen die Kosten zur Bekämpfung des Klimawandels überkompensieren könnten. „Und man könnte den Vereinigten Staaten und China zeigen, dass solche Investitionen wirtschaftlich machbar sind“.
Die Expertin zeigte sich überrascht über das große aktuelle Interesse an der Klimaproblematik. „Wir arbeiten seit zehn Jahren an diesem Thema, aber bislang war es kaum in die politische Diskussion eingeflossen“, sagte sie zu FAZ.NET. „Wahrscheinlich ist die Zeit jetzt reif dafür.“
Kosten summieren sich auf fast 3.000 Milliarden
In ihrer aktuellsten Forschungsarbeit beschreibt Kemfert, dass sich bis zum Jahr 2100 die Kosten des Klimawandels in Deutschland auf fast 3.000 Milliarden Euro summieren, falls die Anstrengungen zum Klimaschutz nicht forciert würden. „Die Anzahl und Intensität von extremen Klimaereignissen werden auch in Deutschland weiter zunehmen; dies führt zu erheblichen volkswirtschaftlichen Schäden und zu erhöhten Anpassungs- und Energiekosten“, heißt es in dem Bericht.
Der Klimawandel führe dazu, dass extreme Witterungsverhältnisse auch in Deutschland zunehmen werden. Dabei handle es sich zum einen um sehr starke Niederschläge im Frühjahr und Winter mit der Folge vermehrter Überflutungen. Zum anderen stünden sehr heiße Sommer mit wenig Niederschlägen bevor.
Bis zu 0,5 Prozentpunkte weniger Wachstum pro Jahr
„Steigt die globale Oberflächentemperatur bis zum Jahr 2100 um bis zu 4,5 Grad Celsius, entstünden dadurch in Deutschland bereits bis zum Jahr 2050 Kosten von insgesamt knapp 800 Milliarden Euro“, schreibt Kemfert in ihrem Bericht. Der Klimawandel würde damit in den kommenden 50 Jahren durchschnittlich zu realen gesamtwirtschaftlichen Wachstumseinbußen von bis zu 0,5 Prozentpunkten pro Jahr führen, glaubt die Wissenschaftlerin.
„Da stark wachsende Volkswirtschaften wie China und Indien oder sehr energiehungrige Nationen wie die USA große Befürchtungen haben, die Verminderung von Treibhausgasen könnte zu starken wirtschaftlichen Einbußen führen, wird es sehr schwer werden, die notwendige Klimastabilisierung herbeizuführen“, heißt es in der Studie.
Fast alle Wirtschaftsbereiche betroffen
Von den ökonomischen Auswirkungen des Klimawandels in den kommenden 50 Jahren seien in Deutschland fast alle Wirtschaftsbereiche betroffen, so das Institut weiter: Der Land- und Forstwirtschaft entstünden, unter anderem für eine erhöhte Wasserbereitstellung, Kosten von bis zu drei Milliarden Euro. Eine globale Temperaturveränderung um ein Grad Celsius würde dazu führen, dass etwa 60 Prozent der heutigen Wintersportgebiete in Deutschland keinen Schnee mehr aufweisen. Auf die Tourismusindustrie kommen laut DIW Anpassungskosten von bis zu elf Milliarden Euro zu. „Die Kosten für Schäden durch den Klimawandel liegen bei bis zu 19 Milliarden Euro“, schreibt Kemfert.
Mit zunehmender Temperatur würden Krankheiten auftreten, die es bisher nur in tropischen oder subtropischen Gebieten gibt. In der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts führe der Anstieg der Temperatur zu einer deutlichen Zunahme der Hitzebelastung und dies wiederum zu hitzebedingten Sterbefällen und zu einem deutlichen Leistungsabfall der Beschäftigen. Für den Gesundheitssektor können so zusätzliche Kosten in Höhe von bis zu 61 Milliarden Euro entstehen.
In der Energiewirtschaft könne eine Verknappung des Angebots zu erhöhten Energiekosten führen. Aufgrund von Niedrigwasser in Flüssen werde nicht genügend Wasser für die Kühlung der Kraftwerke vorhanden sein. Stürme oder extreme Eislasten könnten zudem die Energieinfrastruktur und die Ölförderung beeinträchtigen. „Durch eine Energiepreiserhöhung um 20 Prozent entstehen volkswirtschaftliche Kosten von bis zu knapp 130 Milliarden Euro“, berichtet das DIW. Versicherungsunternehmen würden durch die Zunahme extremer Klimaereignisse und durch die dadurch verursachten Kosten belastet. Insbesondere bei großen Rückversicherungsunternehmen würden in den kommenden 50 Jahren zusätzliche Kosten von bis zu 100 Milliarden Euro anfallen.
Peinlich für DIW...
Sebastian Olbrich (Basti1976)
- 14.03.2007, 13:50 Uhr
Die wissenschaftlich unhaltbare Klimakatastrophen- Hypothese
Norbert Pütz (nevergiveup)
- 14.03.2007, 14:16 Uhr
Und glaube nur der Statistik, die Du selber gefälscht hast
Rüdiger Kimpel (rkimpel)
- 14.03.2007, 14:39 Uhr
Nur die eine Seite der Bilanz gezeigt
Closed via SSO (Morrissey)
- 14.03.2007, 15:53 Uhr
Und die anderen?
Sebastian Langer (seblanger)
- 14.03.2007, 16:15 Uhr