20.01.2010 · Lupus-Alpha-Manager Josef Schopf sucht nach Unternehmen, die von Analysten unbeachtet gelassen und von Anlegern vergessen sind. Den Konjunkturhilfen misst er geringere Bedeutung zu und setzt unter anderem auf Autozulieferer.
Josef Schopf ist Partner von Lupus alpha und als Senior Manager für den Bereich der europäischen Small und Mid Caps verantwortlich. Er gilt mit mehr als 18 Jahre Investmenterfahrung als einer der erfahrensten Small- und Mid-Caps-Manager in Deutschland. 2001 zu Lupus alpha gekommen, war Schopf zuvor in der Aktienanalyse von Foreign & Colonial in London für den deutschen und österreichischen Aktienmarkt verantwortlich, später bei der Dresdner Bank, wo er 1998 die Leitung für den Bereich European Small- und Mid Caps übernommen hatte.
Wie wird das Jahr 2010?
Ich denke, dass wir in Deutschland ein leichtes Wirtschaftswachstum verzeichnen werden und das Umfeld keineswegs so dramatisch schlecht sein wird wie 2009. Damals hatten wir im März praktisch ein Weltuntergangsszenario eingepreist, was die Erholungsrally im Rest des Jahres begründet hat. Jetzt sind wir steckengeblieben, weil nicht ganz klar ist, wie es wirtschaftlich weitergeht. Aber die makroökonomischen Daten spielen für unseren Investmentansatz keine herausragende Rolle, es sei denn, es wird so dramatisch wie eben 2009.
Was sind die Wachstums- und Ergebnistreiber?
Die Schwellenländermärkte sind ohnehin die ganze Zeit ungebremst weiter gelaufen. In Europa und den Vereinigten Staaten scheint das normale Leben wieder einzukehren. Die drastisch geräumten Lager werden sukzessive aufgefüllt, der Investitionsstau löst sich auf. Wenn man mit den Unternehmen spricht, so scheint das vierte Quartal im Ganzen einen Tick besser gewesen zu sein, als noch vor drei Monaten erwartet. Ich rechne auch mit verbesserten Prognosen. Die Unternehmen haben ihre Kostenstrukturen stark verbessert und wenn da etwas Nachfrage reinkommt, könnte sich das in guten Erträgen niederschlagen. Nach dem ersten Quartal wird man allerdings vor allem auf die langfristige Zinsentwicklung aufpassen müssen.
Was geschieht, wenn die Konjunkturmaßnahmen auslaufen?
In dieser Beziehung ist in Europa und den Vereinigten Staaten mit Ausnahme der Abwrackprämie noch gar nicht so wahnsinnig viel passiert. Diese hat weitgehend einen Lagerabbau bewirkt, so dass die Produktion eine Chance hat zu steigen, allzumal sich auch die Kaufzurückhaltung bei Dienstwagen auflösen dürfte. Die Geldpolitik dürfte frühestens gegen Jahresende ein Thema werden. Es ist aber schwer, dies ganz genau einzuschätzen. Insgesamt dürfte sich die Normalisierung der Wirtschaft stärker auswirken als der Wegfall der Konjunkturhilfen.
Auch das Kreditumfeld ist dank höherer Zinsmargen schon jetzt deutlich besser. Problematisch kann es in der ferneren Zukunft werden, wenn die Rechnung für die hohen öffentlichen Schulden präsentiert wird. Das sieht man jetzt schon in Irland, wo viele Nominallöhne gesunken, die Steuern aber gestiegen sind. Das ist natürlich sehr schlecht für den Konsum. Solche Entwicklungen muss man dies genau verfolgen.
Sie setzen auf unterbewertete Unternehmen. Sind Sie in einem aktuell eher optimistischen Markt demnach ein „Super-Optimist“?
In einem Umfeld niedriger Zinsen sind Nebenwerte auch bei Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 16 oder 17 immer noch attraktiv. Aber nur wenige Portfolio Manager haben diese Titel im Visier. Nebenwerte werden vielfach von Analysten nicht regelmäßig beobachtet, manchmal regelrecht vergessen. Solche Unternehmen sind oft vergleichsweise günstig bewertet. Das ist häufig bei Zyklikern der Fall, die auf dem Höhepunkt über- und im Zyklustief unterbewertet sind. Operieren Manager auf Basis normalisierter Margen, so können sie das Überschießen der Märkte gut nutzen. Bei Lupus alpha setzen wir nicht auf das, was gerade in Mode ist. Das ist meist viel zu teuer. Als Stockpicker suchen wir Qualitätswerte mit langfristigem Potential. Kurzfristige Tradingstrategien verfolgen wir nicht.
Man muss Unternehmen dazu sehr gut kennen und wissen, wie sie ticken. Wir benoten diese nach Faktoren wie ihrer Marktstellung oder der Erfolgsbilanz und Erfahrung des Managements. Wer schlechte Noten erhält, in den investieren wir nicht, auch wenn die Aktie quantitativ günstig erscheint.
Sie greifen damit auch auf weiche Faktoren zurück. Wie begrenzen Sie Irrtümer?
Die Gefahr ist immer da, dass man sich in ein Unternehmen „verliebt“ und beginnt, Misserfolge zu entschuldigen. Dagegen gibt es leider kein Patentrezept. Wir arbeiten immer mindestens zu zweit mit einem Unternehmen und setzen auf eine langfristige Vertrautheit. Wenn Fehler vorkommen, muss man sich diese eingestehen und handeln - das ist sicher eine der schwersten Übungen eines Portofolio Managers, wie jeder Investor weiß.
Wo sehen Sie zur Zeit Gelegenheiten?
Hier geht der Blick auf Zykliker, Investitionsgüterhersteller und Maschinenbauer. Aber auch Autozulieferer haben nach dem starken Lagerabbau des Vorjahres gute Chancen.
Langfristig sind im Technologiebereich vor allem Verschlüsselungstechnologien für HDTV interessant, aber auch Standardsoftware für Banken. Diese müssen ihre Kostenstrukturen weiter verbessern und können sich ihre teuren proprietären Systeme eigentlich nicht mehr leisten.