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Veröffentlicht: 22.02.2016, 09:00 Uhr

Flüchtlinge Auf der Flucht vor dem Klima?

Die globale Erwärmung soll zum syrischen Bürgerkrieg und zu den Flüchtlingsströmen beigetragen haben. Konfliktforscher zweifeln, daran. Aber es geht bei diesem Thema nicht nur um Wissenschaft.

von Andreas Frey
© A1Pix/Your_Photo_Today Syrien wurde fünf Jahre lang von Dürre heimgesucht: Ein Staubsturm nahe Resafa, dem antiken Sergiopolis.

Alles begann mit einer Dürre. In Syrien blieb vor zehn Jahren plötzlich der Regen aus. Fünf lange Jahre fiel kaum ein Tropfen. Vor allem der Norden des Landes litt unter Wasserknappheit. Klimaforscher sagen, es war die längste und schlimmste Dürre, die jemals in Syrien registriert wurde. Sie sagen außerdem, dass für die extreme Dürre wohl der Klimawandel schuld sei. Felder verdorrten, Ernten blieben aus, Bauern hungerten und flohen in die großen Städte des Landes. Erst im Jahr 2010 besserte sich die Situation. Doch da war es schon zu spät. Aufstände begannen, ein Krieg brach aus. Millionen von Menschen flohen aus ihrem Land. Der Rest ist bekannt.

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Aber kann man diese Geschichte so erzählen? Sind die Menschen aus Syrien hauptsächlich vor dem Klimawandel geflohen? Insbesondere Syrer, die nach Europa ausgewandert sind, werden immer häufiger als Klimaflüchtlinge bezeichnet. Präsident Obama nahm den Begriff kürzlich in den Mund, John Kerry ebenfalls, Al Gore natürlich, aber auch Prinz Charles. Die Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton sieht infolge des Klimawandels sogar ein Zeitalter der Wasserkriege aufziehen.

Die jetzt in Europa eintreffenden Klimaflüchtlinge jedenfalls sollen erst der Anfang einer der größten Wanderungen der Menschheitsgeschichte sein, heißt es. Politiker, Ökonomen, Wissenschaftler und NGOs rechnen mit Millionen von Klimageschädigten, die in den kommenden Jahren und Jahrzehnten aus ihrer Heimat fliehen werden. Die Prognosen schwanken allerdings stark. Vorsichtige Schätzungen gehen von etwa fünfzig Millionen Menschen bis zum Jahr 2050 aus. Es sind in der Literatur aber auch Zahlen von einer halben Milliarde und mehr zu finden. Nur rein formal steht eines fest: Ein Recht auf Asyl aufgrund des Klimas gibt es bislang nicht.

Klimawissenschaftler vs. Konfliktforscher

Zwei kontroverse Themen mit ähnlichen Problemen prallen da aufeinander. Auf der einen Seite der Klimawandel, den viele immer noch leugnen oder nicht wahrhaben wollen. Und auf der anderen Seite die Masse der Flüchtlinge, um deren Akzeptanz es schon besser stand. Entsprechend erhitzt wird diskutiert. Die große Frage ist, ob Erderwärmung und Flucht kausal zusammenhängen. Führt der Klimawandel bereits heute unmittelbar zu Konflikten, Krieg und Flucht?

Antworten darauf sind nicht einfach. Das Deutsche Klimakonsortium, der Verband deutscher Klimainstitute, hat es vergangene Woche trotzdem versucht. Auf einer Pressekonferenz in Berlin haben Klimaforscher und Konfliktforscher allerdings eine andere Geschichte erzählt. Der Klimawandel sei lediglich ein Faktor von vielen. Nicht mehr, und nicht weniger. Das Thema sei zudem zu wenig erforscht, um eindeutige Ursachen für ein so komplexes Thema wie Migration zu benennen.

In einer immer unübersichtlicher werdenden Welt wollen viele Menschen aber vor allem Klarheit. Sie möchten wissen, ob dieser oder jener Sturm schon in der Verantwortung des Menschen liegt, ob ein Jahrhunderthochwasser noch normal ist, und ob es solche warmen Winter wie derzeit schon immer gegeben hat.

Dürren sind besonders schwierig zu prognostizieren

Mit diesem Anspruch müssen Naturwissenschaftler leben. Auch wenn es ihnen schwerfällt: Dürren zum Beispiel sind noch schwieriger vorherzusagen als Hochwasser. Regionale Niederschlagsentwicklungen und -prognosen gehören zu den besonders delikaten Themen der Klimaforschung. Einfache Antworten gibt es selten. Dafür ist das System Atmosphäre zu chaotisch. Gleichwohl ist die eindeutige Trennung zwischen natürlicher Schwankung und menschlichem Einfluss eine der Kernaufgaben der Forscher.

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