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Veröffentlicht: 10.04.2007, 13:18 Uhr

Forscher Stefan Rahmstorf Die Wahrheit zum Klima

Der Mensch ist an der Erwärmung weit weniger schuld als es der Weltklimarat nahelegt, behauptete der Forscher Augusto Mangini in der F.A.Z. Nun antwortet ihm Stefan Rahmstorf, Mitautor des Weltklimaberichts. Wollen wir wirklich zurück zu einer wärmeren Epoche?

© dpa „Es war in der Erdgeschichte schon deutlich wärmer”: Stefan Rahmstorf

Der moderne Mensch sei an der Erwärmung weit weniger schuld, als der Weltklimarat nahelege, argumentierte Augusto Mangini am 5. April an dieser Stelle (siehe: Augusto Mangini: Einspruch gegen den Weltklimabericht ). Ihm antwortet hier sein Kollege, der Klimaforscher Stefan Rahmstorf.

Pünktlich zum Erscheinen des neuen Berichts des Weltklimarates IPCC melden sich auch wieder einige Skeptiker zu Wort, die bezweifeln, dass der Mensch die aktuelle Klimaerwärmung verursacht. Höchst selten kommen solche Zweifel noch von seriösen Wissenschaftlern, denn inzwischen haben sich fast alle von den erdrückenden Belegen überzeugen lassen. Eine ernst zu nehmende Ausnahme ist der Beitrag von Augusto Mangini aus Heidelberg, mit dem ich vor einem guten Jahr eine gemeinsame Studie zu eiszeitlichen Klimaschwankungen in der Fachzeitschrift „Nature“ publiziert habe.

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Neutraler Überblick über umfangreiche Fachliteratur

Mangini schreibt, zwei Aussagen des IPCC-Berichts seien falsch: dass es keine Belege für global wärmere Perioden als heute im Holozän (den letzten 12.000 Jahren) gäbe - und dass die derzeitige Erwärmung rascher ablaufe als frühere, natürliche Erwärmungsphasen. Zudem vertritt Mangini bereits seit einigen Jahren die These, die Erwärmung im zwanzigsten Jahrhundert sei überwiegend auf natürliche Sonnenzyklen zurückzuführen. Dies alles schließt er aus Stalagmitendaten.

Ich bin einer der Autoren des IPCC-Kapitels zu den Klimavariationen der Erdgeschichte. In einem Briefwechsel habe ich mit Mangini diese Fragen diskutiert und ihn explizit als IPCC-Autor um Belege für seine Thesen gebeten. Aufgabe der Autorenteams des IPCC ist es ja, einen neutralen Überblick über die umfangreiche Fachliteratur zu leisten und damit zu sortieren, was Einzelmeinung und was wirklich gut belegte Wissenschaft ist. Das Kapitel zu den Klimavariationen der Erdgeschichte wurde von sechzehn international führenden Paläoklimatologen unter anderem aus den Vereinigten Staaten, Norwegen, China, Indien, Argentinien und Frankreich verfasst.

Jeder kann Kommentare und Vorschläge einbringen

Weitere dreiunddreißig Kollegen haben Beiträge geliefert, darunter übrigens auch der Stalagmitenexperte Dominik Fleitmann, Professor für Isotopengeologie in Bern. In dem mehrere Jahre dauernden Entstehungsprozess werden die Textentwürfe dreimal dem Kollegenkreis zur Begutachtung zur Verfügung gestellt. Jeder kann Kommentare, Kritik und Vorschläge einbringen. Mehr als hundert Kollegen haben dies auch getan; unabhängige Review Editors wachen darüber, dass die Autoren alles angemessen berücksichtigen.

Der IPCC-Bericht zeigt alle publizierten großräumigen Temperaturrekonstruktionen für die Zeit vor Beginn der Temperaturmessungen. Diese basieren auf Daten aus Baumringen, Eisbohrkernen, Sedimenten, Korallen oder der Ausdehnung von Gebirgsgletschern. Dass keine derartigen Rekonstruktionen aus Stalagmiten dabei sind, liegt nur daran, dass es sie bislang in der Fachliteratur nicht gibt. Dies liegt zum Teil an deren Problemen mit der Datierung und mit der Eichung des Zusammenhangs zwischen den gemessenen Isotopenwerten und der Temperatur; zudem gibt es noch zu wenige solcher Höhlendaten.

Lokal und regional größere Schwankungen als global

Auch Mangini konnte uns lediglich Resultate für einzelne Orte nennen - die auch in den IPCC-Bericht eingeflossen sind, etwa die Stalagmiten aus den Höhlen von Oman oder Hulu Cave in China. Auch in seinem F.A.Z.-Artikel diskutiert Mangini nur einzelne Orte. Dass lokal und regional wesentlich größere Klimaschwankungen auftreten als in der globalen Mitteltemperatur, ist für jeden Klimatologen klar, denn die Mechanismen dafür sind vielfältig, etwa Veränderungen der atmosphärischen Zirkulationsmuster.

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