http://www.faz.net/-gwz-87x2l

Feinstaub : Immer mehr Tote durch Luftverschmutzung

  • -Aktualisiert am

Smog in der chinesischen Stadt Tianjin. Hauptverursacher sind die qualmenden Schlote der Kraftwerke, der Straßenverkehr, vor allem aber die heimischen Holzöfen. Bild: Reuters

Etwa 3,3 Millionen Menschen sterben jährlich weltweit an Luftverschmutzung. Doch der Hauptgrund sind überraschenderweise nicht Industrie und Verkehr.

          In einer Studie vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz sind  neue Berechnungen zur weltweiten Sterberate durch Luftverschmutzung vorgestellt worden. Dabei verblüffen nicht nur die blanken Zahlen, sondern auch die Hauptquellen für die schlechte Luft.

          Dass die Belastung mit Luftschadstoffen in Peking, Schanghai oder in anderen chinesischen Metropolen hoch ist, sollte seit der Diskussion um die Olympischen Spiele in Peking im Jahr 2008 niemanden mehr wirklich  überraschen. In China und Indien treten ungefähr drei Viertel aller in der Studie errechneten Todesfälle auf. Im Reich der Mitte sterben vorzeitig 1,4 Millionen Menschen  pro Jahr. In Indien sind es rund 650.000 Opfer. Auch in den Ländern der Europäischen Union führt Belastung der Atemluft mit Ozon und Feinstaub zu 180.000 Todesfällen, davon 35.000 in Deutschland. Das ist die schreckliche Bilanz der Wissenschaftler um Johannes Lelieveld, Direktor am MPl  für Chemie in Mainz. Die Forscher haben nicht nur die nackten Zahlen analysiert, sondern auch die Emissionsquellen identifiziert, die sich am verheerendsten auf die Gesundheit der Menschen in den Ballungsräumen auswirken.

          Extrem schlechte Luft: Ein solcher Anblick ist Alltag in vielen asiatischen Großstädten.

          In ihrer Studie, die jetzt in der Zeitschrift „Nature“ erschienen ist, benennen die Forscher um Lelieveld vor allem heimische Kleinfeuer als den Hauptverursacher für Smog. Dazu werden Dieselgeneratoren, kleine Öfen und offene Holzfeuer gezählt. Letztere verwenden viele Menschen in Asien zum Kochen und zum Heizen. Damit sind nicht, wie bisher vermutet, die Emissionen der Industrieschornsteine und der Straßenverkehr die Hauptquellen für die Schadstoffe.

          „Meist wird ja angenommen, dass Industrie und Verkehr die schlimmsten Luftverschmutzer sind, aber weltweit ist das offenbar nicht der Fall“, erklärt Lelieveld. In Asien lebten rund 60 Prozent der Weltbevölkerung, deshalb verwundere es wenig, dass rund ein Drittel der weltweiten Todesfälle als Folge der schlechten Luft aus den häuslichen Verbrennungen zurückzuführen sei, resümiert der Atmosphärenforscher. Eine weitere Quelle der Luftverschmutzung stellt neben Kraftwerksabgasen und der Verbrennung von Biomasse auch die Emissionen der Landwirtschaft dar. In Europa, Russland, der Türkei, Japan und in den Vereinigten Staaten ist die Landwirtschaft die Hauptursache für schlechte Luft. Durch Düngung und Massentierhaltung gelangten übermäßig viel Ammoniak in die Atmosphäre. Dieser wandelt sich in Ammoniumsulfat und Nitrat um, die wiederum Ausgangsstoffe für  die Entstehung von Feinstaubpartikeln darstellen. In Deutschland ist die Landwirtschaft mit 40 Prozent sogar die Hauptquelle für durch verschmutzte Luft verursachte Todesfälle.

          Schlaganfälle und Herzinfarkte sind die Folge

          Zu den weltweit größten Ursachen der Todesfälle in Folge der Luftverschmutzung gehören laut Studie Schlaganfälle und Herzinfarkte. Rund dreiviertel aller Opfer sind davon betroffen, rund 27 Prozent der Todesfälle gehen auf  Atemwegserkrankungen oder Lungenkrebs zurück. Die mikroskopisch kleinen Feinstaubpartikel dringen über die Atemluft über die Lunge auch in die Blutgefäße ein, so Lelieveld. Das kann zu Gefäßverstopfung und somit zur Risikoerhöhung von Schlaganfällen oder Herzinfarkten führen.

          Lelieveld hebt auch noch einen weiteren wichtigen Aspekt hervor: Die berechneten Zahlen haben ergeben, dass in Deutschland doppelt so viele Menschen an Verkehrsemissionen sterben wie an Verkehrsunfällen.

          Auch für die Zukunft haben die Wissenschaftler um Lelieveld Prognosen abgegeben: Sollte es beim momentanen Wachstum der Schadstoffemission bleiben, werden im Jahr 2050 in Süd- und Ostasien doppelt so viele Menschen an den Folgen der Luftverschmutzung sterben wie heute. Weltweit könnte die Zahl somit auf 6,6 Millionen Tote jährlich steigen.

          Weitere Themen

          Gegen den Strich Video-Seite öffnen

          Wissenschaftliche Zeichnungen : Gegen den Strich

          Wissenschaftliches Zeichnen ist eine Kunst, die auf eine große Tradition zurückblickt. Heute beherrschen sie nur noch wenige. Ein Meister seines Faches ist der Schweizer Armin Coray.

          Nonnen retten besondere Molche Video-Seite öffnen

          Arterhaltung in Mexiko : Nonnen retten besondere Molche

          Die Patzcuarosee-Querzahnmolche sind vom Aussterben bedroht. Denn ihr natürlicher Lebensraum in Mexiko ist zu stark verschmutzt. Um die Art zu retten, haben Nonnen ihr Kloster in eine Aufzuchtstation für die Amphibien verwandelt.

          Topmeldungen

          Neue Elektroauto-Ziele : Warum niemand 4000 Euro haben will

          Daimler hat gerade seine neue Elektroautoreihe vorgestellt, Audi nachgelegt. Trotzdem haben sich solche Autos in der breiten Masse bislang nicht durchgesetzt. Hier kommen die Gründe.

          Maaßen-Beförderung : Das Dilemma der SPD

          Nach der Beförderung von Hans-Georg Maaßen zum Staatssekretär zeigt sich die alte Zwangslage der SPD: Wie sehr kann man drohen, wenn man zu viel Angst vor den Konsequenzen hat?

          FAZ Plus Artikel: Gefährliche Szene : Guns in Town

          Prepper sind Leute, die Vorräte und Waffen bunkern und den Tag X herbeifiebern. Wann der Tag X anbricht und wofür das X steht, ist Auslegungssache. Es gibt auch solche, die hier ein bisschen nachhelfen wollen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.