Ihm war gelungen, was keinem Umweltkämpfer davor und danach beschieden war: Durch Sherwood Rowland ist eine globale ökologische Bedrohung gegen gewaltige Widerstände quasi im Frühstadium erstickt worden. Das „Ozonloch“, das in den achtziger Jahren über dem Südpol entdeckt wurde und von dem kaum einer mehr spricht, obwohl es immer noch jeweils mit der ersten Frühjahrssonne in der polaren Hochatmosphäre auftaucht, hatte er schon in den siebziger Jahren vorausgesagt.
Damals leitete der gebürtige Kalifornier bereits das Chemie-Institut an der University of California in Irvine und hatte sich nach einem Vortrag über die ungewöhnliche Stabilität der Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) gefragt, was aus diesen Verbindungen in der Atmosphäre wird. Zusammen mit Mario Molina hat er schnell zeigen können, dass diese in einer Kettenraktion im Sonnenlicht das Ozon zersetzen – zumindest unter den Bedingungen der polaren Stratosphäre. Dort, in mehr als fünfzehn Kilometern Höhe, ist Ozon eine Lebensversicherung: Es absorbiert die energiereiche Ultraviolettstrahlung, die – würde sie ungefiltert auf die Erde treffen – massenhaft Krebs verursachen würde. Der Mainzer Max-Planck-Forscher Paul Crutzen hatte schon davor gezeigt, dass auch Stickstoffmoleküle das Ozon zerstören. Alle drei Wissenschaftler erhielten für ihre Entdeckungen um das Ozon 1995 den Chemie-Nobelpreis.
Weil nun die FCKW als Katalysator das Ozon zerstören, ohne selbst verbraucht zu werden, und weil die FCKW-Gase zudem so extrem zäh sind – was sie zu perfekten Industriechemikalien machte – hat Rowland früh Alarm geschlagen. Lange Zeit vergeblich.
Als mit Satelliten das „Ozonloch“ sichtbar gemacht wurde, konnte die Politik nicht mehr ausweichen. 1989 trat das Montreal-Protokoll in Kraft, das erste, und bis heute einzige, ökologische Vielvölkerabkommen mit durchschlagendem Erfolg.
Die Produktion von FCKW brach ein, die Industrie sucht nach einem Stoffersatz, und Rowland verschrieb sich von da an der, wie er zuletzt zusehends pessimistisch meinte, größten Gefahr für die Atmosphäre und das Leben auf dem Planeten: dem globalen Klimawandel. Am Samstag ist Rowland im Alter von 84 Jahren an den Folgen der Parkinson-Krankheit gestorben.
Es geht um die Wahrheit - und um die Folgen der Lüge
Otto Haber (ohaber)
- 13.03.2012, 18:04 Uhr
Wirtschaft ist nicht alles.
Uwe Schrader (uschrad58)
- 13.03.2012, 17:27 Uhr
FCKW vs. Treibhausgase, ich bitte Sie!
Otto Haber (ohaber)
- 12.03.2012, 17:26 Uhr
Wissenschaftliche Warnungen ernst nehmen!
Eduard Heindl (eduardheindl)
- 12.03.2012, 15:20 Uhr
