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Energien Brennwert löst viele Heizprobleme

09.03.2008 ·  Intensiv wird an Techniken für erneuerbare Energien gearbeitet. Dennoch werden Öl und Gas noch lange die wichtigsten Brennstoffe bleiben. An welchen neuen Konzepten bereits gearbeitet wird, erfahren Sie hier.

Von Georg Küffner
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Dieser Winter ist deutlich wärmer als im langjährigen Durchschnitt. Daher könnten Hausbesitzer und Mieter gelassen ihren Heizkostenabrechnungen entgegensehen - wären da nicht die drastisch gestiegenen Brennstoffpreise. Nie waren Öl und Gas so teuer wie heute. Und daher ist das „richtige Heizen“ zu einem abendfüllenden Thema geworden. Die Fragen lauten: Wie lassen sich bei gleichbleibendem Komfort die Heizkosten senken? Und für welche Technik soll man sich entscheiden? Auch nicht unwichtig: Wann soll man das Sparschwein schlachten und zuschlagen? Lohnt es sich, auf die mit viel Vorschlusslorbeer versehenen „neuen“ Verfahren zu warten, die momentan noch in den Testzentren der einschlägigen Industrie erprobt werden oder in Feldtests ihre Dauereigenschaften unter Beweis stellen müssen?

Für Stefan Hoffmann, den Chefentwickler des Allendorfer Heiztechnikherstellers Viessmann, ist die Antwort klar. Ein Blick auf die Statistik weise den richtigen Weg. Da noch immer im Gros der 19 Millionen Heizungskeller Technik von vorgestern arbeite (Heizungen sind hierzulande im Durchschnitt 24 Jahre alt) und nur in zwölf Prozent moderne Brennwertkessel stünden, sei der größte Schritt nach vorn der Ersatz betagter Kessel durch Neuanlagen.

Ein solarer Deckungsgrad von beachtlichen 60 Prozent

Welchen Spareffekt man mit einem Brennwertkessel, der nicht nur die „Kraft der Flamme“, sondern auch die Energie des im Abgas enthaltenen Wasserdampfs nutzt, erzielt, hat Professor Manfred Kleemann im Auftrag von Viessmann errechnet. Demnach lässt sich der Brennstoffbedarf mit einem Gas- oder Ölbrennwertgerät um rund 30 Prozent reduzieren. Noch größer ist der Entlastungseffekt, wenn man sich zusätzlich eine (Solar-)Kollektoranlage aufs Dach setzt und damit das Brausewasser erhitzt. Dass man für diese Kombilösung zusätzlich Geld ausgeben muss, ist zwar richtig. Doch schaffe man, argumentiert Hoffmann, damit einen solaren Deckungsgrad von beachtlichen 60 Prozent, der viele Hausbesitzer auch ohne schnelle Amortisation motiviere, ins Solarzeitalter einzusteigen.

Mit der Brennwerttechnik stehe ein „riesiger Hebel“ zur Verfügung, um mit einer überschaubaren Investition (der Preis für Brennwertgeräte liegt bei 5000 bis 6000 Euro) auch gesamtwirtschaftlich einen Beitrag zur Ressourcenschonung und damit indirekt zum Klimaschutz zu leisten. Denn würden, so die Rechnung, alle Heizungskeller mit dieser Technik ausgestattet und zudem die Häuser auf einen „normalen“ Dämmstandard gebracht, ließe sich die in Deutschland für Heizung und Warmwasser verfeuerte Brennstoffmenge um rund 30 Prozent vermindern - was etwa zehn Prozent des Primärenergiebedarfs entspricht.

Öl und Gas bleiben die wichtigsten Brennstoffe

Dass nicht mehr Brennwertkessel gekauft werden, liegt nach der Meinung von Hoffmann an dem vermeintlichen Nachteil, es mit einer „alten“ Technik zu tun zu haben. Zudem schrecke ab, dass Öl oder Gas verbrannt werde. Also Energieträger, von denen man nicht wisse, wie lange sie noch zur Verfügung stehen und mit welchen Preissteigerungen noch zu rechnen ist. Doch für Hoffmann steckt hinter dieser Einschätzung schlicht Panikmache. Zwar werde auch bei Viessmann intensiv an der Entwicklung erneuerbarer Energietechniken gearbeitet; und mit Holzpelletkesseln, (elektrisch betriebenen) Wärmepumpen und Kollektoranlagen habe man ein reichhaltiges Angebot. Dennoch blieben auf nahe Zukunft Öl und Gas die wichtigsten Brennstoffe.

So sei das Ziel der Bundesregierung, den Anteil der erneuerbaren Energien bei der Wärmeerzeugung von heute 7 auf 14 Prozent bis 2010 zu steigern, machbar, aber ambitioniert. Das gelte genauso für die im Raum stehende Vorgabe, bis 2050 den Anteil der „Renewables“ auf 40 Prozent anzuheben, zeige aber gleichzeitig, dass in 40 Jahren Öl und Gas immer noch die mit Abstand wichtigsten Brennstoffe sein werden. Übrigens sei das eine Zeitspanne, in der nach heutigen Erfahrungen der Wärmeerzeuger wegen Altersschwäche zweimal erneuert werden muss.

Neue Konzepte

An welchen neuen Konzepten arbeitet Viessmann? Hoffmann nennt die gasbetriebene Wärmepumpe, die Brennstoffzellenheizung und die Mikro-KWK (KraftWärme-Kopplung), wobei alle drei nicht den Abschied von fossilen Energieträgern bedeuten, sondern nur weniger davon verbrauchen. Vor allem Brennstoffzellen sind für die Hausenergie der Zukunft eine interessante Option: Sie arbeiten extrem effizient, sind geräusch- und emissionsarm und erzeugen Wärme und Strom genau an dem Ort und zu der Zeit, wo sie benötigt werden.

Die Entwickler von Viessmann haben sich für eine PEM-Brennstoffzelle entschieden und damit den Typ gewählt, mit dem bereits die umfassendsten Erfahrungen vorliegen und der eine hohe Leistungsdichte hat. Die Geräte sollen die Grundlasten des Strom- und Wärmebedarfs eines Einfamilienhauses decken. Ziel der Entwicklung ist daher eine elektrische Leistung von 2 und eine Heizleistung von 3,5 Kilowatt. Ihren Brennstoff bezieht diese Haus-Energiezentrale aus Erdgas.

Grundsätzlich nicht anders funktionieren Blockheizkraftwerke, die man für den Einsatz in Ein- und Zweifamilienhäusern miniaturisiert hat. Diese Mini-KWK-Anlagen arbeiten, wenn sie besonders kompakt sein sollen, mit Stirlingmotoren, die von einer Gasflamme auf Temperatur gebracht werden. Viessmann bezieht sie von der niederländischen Microgen Engine Corporation. Dabei handelt es um eine Freikolbenmaschine, bei der, wie der Name andeutet, Kolben (verschleißfrei) hin- und herschwingen und einen Lineargenerator antreiben. Die elektrische Leistung wird 1,1 Kilowatt und die Wärmeleistung 5,5 betragen.

Anschaffungskosten werden deutlicher höher sein

Der Vorteil der Gas-Wärmepumpe im Vergleich zu den etablierten Elektro-Wärmepumpen ist vor allem ein gesamtwirtschaftlicher: Denn Gasgeräte müssen nicht die schlechte Energieausbeute der stromerzeugenden (Wärme-)Kraftwerke einschließlich der Übertragungsverluste ausgleichen. Vielmehr wird zum Anzapfen der kostenlos zur Verfügung stehenden Umgebungswärme Gas an Ort und Stelle verbrannt. Und da zum Betreiben des Absortions-Wärmepumpenkreislaufs nur ein Teil der „Gaswärme“ benötigt wird und die Abwärme zum Heizen genutzt werden kann, sind sie schneller auf Temperatur zu bringen. Die Wohnung wird schneller warm.

Laut Hoffmann wird es noch einige Zeit dauern, bis die drei neuen Heiztechniken verfügbar sind. Ihre Anschaffungskosten werden deutlich über denen von Brennwertkesseln liegen. Ob und in welchem Maß sie sich für private Hausbesitzer „rechnen“, wird entscheidend von der weiteren Entwicklung der Brennstoffkosten und bei Mini-KWK-Anlagen und Brennstoffzellenheizungen auch von den Strompreisen abhängen. Und von der Bereitschaft der öffentlichen Hand, diese neuen Techniken zu fördern.

Quelle: F.A.Z., 04.03.2008, Nr. 54 / Seite T6
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Jahrgang 1947, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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