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Sonntag, 19. Februar 2012
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Eisen für das Klima Darf die "Polarstern" mit dem Meer

17.01.2009 ·  experimentieren?

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Pro Das Projekt nennt sich "Lohafex". "Loha" ist Hindi für "Eisen" und "fex" steht für "Fertilisation Experiment": 20 Tonnen Eisensulfat will ein deutsch-indisches Team auf 300 Quadratkilometern im Südatlantik ausbringen. In antarktischen Gewässern herrscht Eisenmangel, mehr Eisen fördert daher die Vermehrung von Phytoplankton, von dem der Krill und weitere Glieder der Nahrungskette leben. Vor allem aber bindet Phytoplankton das Treibhausgas Kohlendioxid. Wie viel davon auf diese Weise für wie lange der Atmosphäre entzogen werden kann, ist unklar. Daher will man mehr darüber herausfinden, ebenso über eventuelle Nebenwirkungen übermäßiger Eisendüngung, inbesondere im kommerziellem Rahmen eines Kohlenstoff-Zertifikatemarktes. Einer solchen vorschnellen großflächigen Düngung wollte die Biodiversitätskonvention begegnen, als sie den Vertragsstaaten "größte Vorsicht" bei solchen Experimenten nahelegte. Ein Moratorium aller Forschung war das keineswegs. Kleinräumige, wissenschaftliche Düngungsversuche sind durchaus erlaubt.

Trotzdem laufen Umweltverbände nun gegen Lohafex Sturm. Ihr Argument, damit würden großflächigen kommerziellen Ozeandüngungen die Wege geebnet, läuft aber auf ein ethisch motiviertes Forschungsverbot hinaus. So etwas kann legitim sein (siehe Stammzellforschung), wirft aber immer die Frage der Grenzziehung auf. Die affektive Ablehnung jeder Art von Geoingeneering zur Abmilderung des Klimawandels ist getrieben von dem gesellschaftsutopischen Ideal des "behavioural fix": Niemand soll durch Forschung an technischen Maßnahmen gegen den Klimawandel zu der Hoffnung verleitet werden, um Verhaltensänderungen herumzukommen. Das Problem ist nur: Je grundsätzlicher man den "technological fix" ausschließt, desto einschneidender müsste sich das Leben ändern. Wenn das die Vorgabe ist für die politische Abwägung zwischen dem Klima morgen und dem Leben heute, dann kann das Klima nur den Kürzeren ziehen. Ulf von Rauchhaupt

Contra Was soll bei diesem Experiment eigentlich herauskommen? Fünfmal hat man bereits ähnliche Versuche durchgeführt, und jedesmal hieß es anschließend, es bestehe "weiterer Forschungsbedarf". Das ist immer so, wenn es um komplexe Zusammenhänge geht. Und was wäre komplexer als das Wechselspiel zwischen Ozeanen und Atmosphäre? Also wird man erst wissen, wie sich die Algendüngung auf das Klima auswirkt, wenn flächendeckend ganze Tankerladungen von Eisen versenkt worden sind.

Der Vater der Idee, der Ozeanograph John Martin, hat für diesen Fall eine neue Eiszeit prophezeit. Genauso gut könnte es auf Grund irgendwelcher Rückkopplungsprozesse auch in die andere Richtung gehen. Sterben die massenhaft vermehrten Algen beispielsweise ab, setzen sie erhebliche Mengen Lachgas frei, ein viel stärkeres Treibhausgas als CO2. Mehr Phytoplankton produziert außerdem mehr Dimethylsulfid, eine schwefelhaltige Verbindung, die an der Entstehung von Wolken beteiligt ist. Mit ein wenig Phantasie könnte man sich alle möglichen Folgen ausmalen - im besten Falle würde vielleicht auch gar nichts passieren.

Man muss mit der Eisendüngung nicht gleich eine kollektive Meeresintelligenz beleidigen, wie sie der Bestsellerautor Frank Schätzing ("Der Schwarm") erfunden hat. Es gibt auch so genügend Dinge, die sich durch noch so fleißiges Experimentieren nicht vorhersagen lassen. Jörg Albrecht

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