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Die 16. Weltklimakonferenz in Cancún Emissionen, Waldschutz und Klimafonds

An diesem Montag beginnt im mexikanischen Badeort Cancún die 16. Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen. Fortschritte könnte es beim Schutz der Regenwälder und in der Entwicklungshilfe geben.

© Deutsche Welle Weltklimakonferenz in Cancún: Emissionen, Waldschutz und Klimafonds

An diesem Montag beginnt im mexikanischen Badeort Cancún die 16. Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen. Als Themen, bei denen Fortschritte erwartet werden, gelten ein besserer Schutz der Regenwälder, die ein wichtiger Kohlendioxidspeicher sind, sowie mehr Hilfen für Entwicklungsländer, die sich an die Folgen des Klimawandels anpassen müssen. Dazu gehören technische Hilfen und Finanzmittel in Milliardenhöhe. Zudem geht es um die Fortsetzung des Kyoto-Klimaschutzvertrages, der 2012 ausläuft. Verbindliche politische Beschlüsse gelten bei diesem Thema aber als unwahrscheinlich. Zu der zweiwöchigen Konferenz werden 15.000 Teilnehmer und Besucher erwartet, darunter Delegierte aus rund 190 Staaten, Vertreter von Nichtregierungsorganisationen und Umweltgruppen sowie Journalisten.

Bisher keine konkreten Maßnahmen vereinbart

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Ziel der Beratungen ist es, den Anstieg der Erdtemperatur möglichst auf zwei Grad zu begrenzen und so ein weiteres Abschmelzen der Polkappen, den Anstieg des Meeresspiegels und die weitere Zunahme von schweren Unwettern zu verhindern. Auf die Vorgabe hatten sich die Staats- und Regierungschefs im vergangenen Dezember in Kopenhagen geeinigt, nicht aber darauf, wie sie zu erreichen seien. Amerika, aber auch große Schwellenländer wie China, Indien oder Brasilien lehnen es ab, sich auf weitreichende und verbindliche Zusagen zur Reduzierung des Kohlendioxidausstoßes (CO2) einzulassen, weil sie das als nachteilig für ihre Wirtschaft und Entwicklung ansehen. Der von den Menschen verursachte CO2-Ausstoß, vor allem infolge der Verbrennung von Öl, Kohle und Gas, gilt als wichtigster Grund für die Erderwärmung, weil CO2 die Abstrahlung der von der Erde aufgenommenen Sonnenwärme in das Weltall verhindert.

Auch auf mehreren Vorbereitungskonferenzen haben sich die Staaten in diesem Jahr nicht auf konkrete und verbindliche Maßnahmen zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes einigen können. Allerdings haben sie, wie in Kopenhagen verabredet, freiwillige Zusagen für die Senkung gegeben. Würden diese eingehalten, könnte die Welttemperatur bis zum Ende des Jahrhunderts allerdings um mehr als drei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit ansteigen. Das selbstgesteckte Ziel würde nicht erreicht. Deshalb gibt es bei Umweltgruppen die Hoffnung, dass die Cancún-Konferenz die freiwilligen Ankündigungen als völkerrechtlich verbindlich erklären könnte und zugleich feststellen würde, dass die Zusagen nicht ausreichen. Welche Konsequenzen daraus zu ziehen seien, müsste dann auf späteren Konferenzen, frühestens 2011 in Südafrika, geklärt werden.

Fortsetzung des Kyoto-Protokolls

Fortschritte könnte es allerdings in Teilbereichen der Verhandlungen geben. Sie betreffen den Schutz der Regenwälder und den in Kopenhagen angekündigten Klimafonds. Der soll von den Industriestaaten finanziert werden und armen Staaten helfen, sich vor den Folgen der Erderwärmung zu schützen. Details der Finanzierung, der Verwaltung der Mittel und des Zugriffs auf sie sind umstritten. Umweltgruppen werfen etwa der Bundesregierung und der EU bereits vor, Mittel aus anderen Entwicklungsprogrammen umzuwidmen, und so zwar formal die Ziele zu erfüllen, sich tatsächlich aber vor der Erfüllung ihrer Zusagen zu drücken.

Zudem dürfte über die Fortführung des Kyoto-Protokolls gesprochen werden, das Ende 2012 ausläuft. In dem Vertrag, der vor allem die Industriestaaten bindet – nicht aber Amerika, das ihn nicht ratifiziert hat –, werden konkrete CO2-Minderungsziele vorgegeben. Schon in Kopenhagen war versucht worden, den Kyoto-Vertrag in ein weltweit gültiges Klimaabkommen zu überführen, das alle Staaten binden würde. Das Europaparlament hatte erst am Freitag die EU-Kommission aufgefordert, dafür zu sorgen, dass der CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2020 um 30 statt der bislang zugesagten 20 Prozent (gegenüber 1990) gemindert wird. Dazu ist die Kommission nicht bereit, solange nicht auch andere große Emittenten ihre Ziele heraufschrauben. Die Bundesregierung hat einseitig festgelegt, den CO2-Ausstoß bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Nach ihrem Energiekonzept sollen die CO2-Emissionen Deutschlands bis 2050 um 85 Prozent sinken. Wissenschaftler haben dies als Messlatte für alle Industriestaaten ausgegeben, wenn der Temperaturanstieg auf zwei Grad begrenzt werden soll. (ami.)

Quelle: F.A.Z.

 
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