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Deutschland Der Strom-Jäger

25.10.2009 ·  Wenn das Thermometer minus 196 Grad anzeigt, dann funktioniert die Technik, die Carsten Bührer verkaufen möchte. Er erfindet Anwendungen für Supraleiter, die ohne Energieverlust Strom leiten. Dafür erhält er den Deutschen Umweltpreis.

Von Alexander Armbruster
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Carsten Bührer hat schon alle Höhen und Tiefen miterlebt, vor allem in tiefsten Tiefen kennt er sich aus. Wenn das Thermometer minus 196 Grad anzeigt, dann funktioniert die Technik, die er verkaufen möchte: Bührer ist promovierter Physiker und erfindet Anwendungen für Supraleiter. Die zeichnen sich dadurch aus, dass sie (fast) keinen elektrischen Widerstand besitzen und deshalb Strom hervorragend leiten können - ohne Energieverlust. Im Idealfall sollten alle Stromkabel diese Eigenschaft haben. Dummerweise ist es sehr aufwendig, die Bedingungen dafür herzustellen. Die Leitung muss tiefstgekühlt und gut isoliert werden. Nichts für den Hausgebrauch, bisher jedenfalls. Dafür durchaus industrietauglich, zum Beispiel für Unternehmen, die Metallblöcke erhitzen möchten, um sie zu Kugelschreibergehäusen oder Fensterrahmen zu formen. Ihnen bietet Bührer riesige Maschinen an und wirbt: „Unsere Technik verbraucht 50 Prozent weniger Energie als die herkömmlich verwendete Technologie.“

Für Kaufinteressierte bedeutet das: Die Produktion der eigenen Ideen kostet weniger, sobald die Maschine bezahlt ist. Und ganz nebenbei sorgt der geringere Stromverbrauch auch dafür, dass die Umwelt weniger belastet wird. Im Jahr 1999 gründete Bührer sein Unternehmen unter dem Namen Trithor. Das Geschäft lief allerdings schleppend, sechs Jahre später mussten sein Partner Jens Müller und er Insolvenz anmelden. Ein Risikokapitalgeber glaubte jedoch weiter an die Geschäftsidee, verschmolz Trithor mit zwei weiteren Mittelständlern aus Australien und den Vereinigten Staaten und brachte das Dreierpack 2006 an die Londoner Börse. Unter dem neuen Namen Zenergy Power ist es im dortigen AIM-Index gelistet.

Dafür forschen seine Mitarbeiter emsig

Seitdem herrscht wieder Aufbruchstimmung, auch in Rheinbach im Rheinland, wo das deutsche Firmengebäude steht. In einer riesigen Halle schrauben sie dort die neueste Maschine zusammen, die so groß ist wie ein halbes Stockwerk und Kupferblöcke mit einem Gewicht von bis zu einer Tonne erhitzen kann. Zenergy konstruiert die Supraleiter, die Firma Bültmann aus Neuenrade liefert die Industriemaschinentechnik. Beide bekommen für ihre umweltfreundliche Geschäftsidee den Deutschen Umweltpreis.

Über den freut sich Bührer sehr. Der Neununddreißigjährige hat den Blick indes ganz in die Zukunft gerichtet. Denn je weiter sich herumspricht, dass seine Magneterhitzer fehlerfrei funktionieren, umso größer wird sein Kundenkreis. Dafür forschen seine Mitarbeiter emsig - in den hellen Laboren neben der großen Montagehalle.

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Jahrgang 1982, Redakteur in der Wirtschaft.

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