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CO2-Zertifikate Anleger können vom Handel mit Schmutz profitieren

02.12.2009 ·  Die Weltklimakonferenz in Kopenhagen ist auch für Privatanleger wichtig - sogar dann, wenn sie sich eigentlich gar nicht für die Umwelt interessieren. Wenn Politiker die CO2-Emissionen stark einschränken, steigen die Preise von Zertifikaten.

Von Alexander Armbruster
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Die Weltklimakonferenz in Kopenhagen ist auch für Privatanleger wichtig - sogar dann, wenn sie sich eigentlich gar nicht für die Umwelt interessieren. Denn je nachdem, auf wie wenig Verschmutzung der Erdatmosphäre sich die dort vom kommenden Montag an tagenden Politiker einigen: Die Besitzer oder Käufer spezieller Verschmutzungs-Wertpapiere können damit bares Geld verdienen.

Grund dafür ist der Emissionshandel. So heißt das System, nachdem in den EU-Ländern Industrieunternehmen und Energiewirtschaft dazu gebracht werden, weniger Kohlendioxid in die Atmosphäre zu blasen. Jede Fabrikanlage bekommt danach eine bestimmte Verschmutzungsmenge im Jahr zugeteilt.

Handel mit Verschmutzungsrechten ist in Europa standardisiert

Überschreitet sie diese, muss ihr Eigentümer eine Strafe bezahlen - ganz so wie ein Autofahrer, der zu schnell gefahren ist. Emittiert sie hingegen weniger Kohlendioxid, als sie darf, greift der eigentliche Clou, der diesen Mechanismus wirtschaftlich attraktiv macht: Die Fabrik darf die nicht verbrauchte Verschmutzungsmenge weiterverkaufen.

Als Käufer kommen dafür gerade jene Unternehmen in Frage, die mit ihrer eigenen Menge nicht hinkommen. Denn sie sparen so nicht bloß die Strafzahlung, sondern auch viel Geld, das sie sonst womöglich hätten bezahlen müssen, um die eigenen Emissionen zu verringern.

Dieser Handel mit Verschmutzungsrechten ist in Europa standardisiert. Ein einzelnes Verschmutzungsrecht berechtigt seinen Besitzer dazu, eine Tonne Kohlendioxid zu emittieren. Gehandelt werden diese Rechte auf zwei Arten: direkt zwischen den Unternehmen oder über Börsen wie zum Beispiel die EEX in Leipzig oder die ECX in London. Den Preis eines Verschmutzungsrechtes kann man dort genauso ablesen wie den Preis einer Volkswagen-Aktie an der Deutschen Börse in Frankfurt. Momentan kostet eine Tonne Kohlendioxid an der ECX beispielsweise 13,50 Euro.

Aus den beiden Faktoren, dass die Kohlendioxid-Preise nicht nur regelmäßig zustande kommen, sondern zudem leicht einsehbar sind, haben Banken spezielle Wertpapiere konstruiert, die auch Privatkunden kaufen können. Die zur Unicredit gehörende Hypo-Vereinsbank bietet beispielsweise ein entsprechendes Zertifikat an (Isin DE000HV2C025). Die Commerzbank und die zu ihr gehörende Dresdner Bank bieten die gleichen Papiere unter anderem Namen an (das Commerzbank-Zertifikat hat die Isin DE000CB8ZZM6, das der Dresdner Bank DE000DR1WBM0). Ein Zertifikat kostet so viel wie der börsennotierte Kurs einer Tonne Kohlendioxid. Sein Preis ändert sich nahezu eins zu eins mit dem des Verschmutzungsrechtes.

Preis der Verschmutzungsrechte unterliegt politischen Risiken

Für Privatanleger lohnt sich der Kauf also dann, wenn sie erwarten, dass auch der Kohlendioxid-Ausstoß in Zukunft teurer wird. Hundertprozentig sicher ist das nicht, allerdings deutet vieles darauf hin. Denn die EU-Länder haben bereits beschlossen, die Emissionen auf dem Kontinent weiter zu verringern - und zwar unabhängig davon, wie die Konferenz in Kopenhagen ausgeht. Im Jahr 2020 sollen in Europa nur noch 1,72 Milliarden Verschmutzungsrechte vergeben und verkauft werden. Dieses Jahr sind es noch mehr als zwei Milliarden. Die Rechte werden also knapper, was für sich genommen erst einmal dazu führen wird, dass ihr Preis steigt. Entscheidend wird aber zudem sein, wie gut sich die Unternehmen bisher darauf vorbereitet haben und imstande sein werden, ihren Kohlendioxid-Ausstoß mit Hilfe neuer Technologien zu senken. Schaffen sogar die großen Schmutzfinken das, ohne zusätzliche Verschmutzungsrechte kaufen zu müssen, dann sinken auch die Kurse der Zertifikate.

Ein Unsicherheitsfaktor ist aber auch die Politik selbst: Marktbeobachter fragen sich etwa, wie die Regierenden reagieren werden, wenn die Unternehmen ihre Emissionen nicht senken können und stattdessen unter unerwartet hohen "Klima-Kosten" leiden. Für den Wert der Privatanleger-Zertifikate ist dann entscheidend, ob die Regierungen hart bleiben oder nachgeben und im Zweifel doch mehr Emissionen billigen. Dieses Risikos sollten sich die Käufer der Zertifikate bewusst sein.

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Jahrgang 1982, Redakteur in der Wirtschaft.

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