17.04.2007 · Nach dem Raps soll jetzt auch Tierfett für Mobilität sorgen. In den Vereinigten Staaten soll die Losung „Speck zu Diesel“ nun mit Millionenaufwand realisiert werden. Dabei ist die Idee, nicht nur pflanzliches, sondern auch tierisches Fett zu verwenden, nicht neu.
Kraftstoff ist nicht gleich Kraftstoff. Das versuchen jedenfalls die Mineralölkonzerne den Autofahrern einzureden. Mit dem Tiger im Tank zum Beispiel fährt es sich eben flotter als mit namenlosen Billigsprit, lautet eine bekannte Botschaft. In Zeiten aufgeheizter Klimadebatten rücken freilich andere Qualitäten des Kraftstoffs in den Vordergrund, nämlich die umweltpolitischen. Statt des Tigers packt man ökologisch korrekt Pflanzliches in den Tank, also Biosprit.
Dieser Begriff steht bislang vor allem für Treibstoff aus Grünzeug wie Raps und Getreide. Bald dürfte der Biosprit aber sein vegetarisches Image einbüßen. In etlichen Laboratorien arbeitet man jedenfalls mit Hochdruck daran, auch tierisches Material zu verwerten. So wird jetzt aus den Vereinigten Staaten gemeldet, der Ölkonzern ConocoPhillips wolle Fett von Rindern, Schweinen und Geflügel zu Dieselöl verarbeiten, und zwar in Kooperation mit Tyson Foods, dem größten Fleischproduzenten der Welt. Hundert Millionen Dollar stünden für das Vorhaben bereit.
Idee existiert auch in Deutschland
Das ist der eigentliche Kern der Nachricht, denn die Idee „Speck zu Diesel“ wird auch woanders, zum Beispiel in Deutschland, mit Eifer verfolgt, aber nicht mit derartiger finanzieller Wucht. Logisch erscheint das Prinzip schon, denn ungeachtet ihrer flotten futuristischen Blechkleider beziehen die meisten Autos immer noch ihren Vortrieb aus dem altmodischen Verheizen von Brennstoffen. Da bietet es sich an, Ausschau nach Verfeuerbarem zu halten, das in riesigen Mengen verfügbar ist und sich auf wirtschaftliche Weise verflüssigen lässt. Irgendwann musste dabei Tierfett ins Blickfeld geraten.
Es nicht zu essen, sondern in Diesel zu verwandeln, könnte nicht nur die Erdölvorräte schonen, sondern auch den Körper. Ein Doppelschlag also gegen den anthropogenen Beitrag zum Klimawandel und den gesundheitlich riskanten Hängebauch. Man ahnt schon die moralisch niederschmetternden künftigen Aufschriften auf der Butter und dem Griebenschmalz: „Dieses Produkt schadet Ihrer Gesundheit und dem Klima. Mit ihm hätte Ihr Auto fünf Kilometer weit fahren können!“. Was jetzt noch dringend gesucht werden muss, ist ein frischer Werbespruch. „Pack das Schwein in den Tank“ erscheint nicht sonderlich knackig.