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Anlage-Strategie Der Klimawandel wird zu einem Anlagethema

29.01.2007 ·  Die Hinweise darauf, dass sich die Erde tatsächlich erwärmt, mehren sich. Prompt wird der Klimawandel an der Börse als neues Investmentthema entdeckt. Anleger sollten aber auch bei höheren Temperaturen einen kühlen Kopf bewahren.

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Der Winter war in unseren Breitengraden in diesem Jahr bisher einer der wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Weil warme Winter kein kurzzeitiges Phänomen zu sein scheinen, sondern schon seit einigen Jahren zu beobachten sind, besteht die Sorge vor einem nachhaltigen Klimawandel.

Wie dominierend das Thema inzwischen geworden ist, zeigt sich alleine schon daran, dass der Klimawandel beim eben abgehaltenen Weltwirtschaftsforum in Davos das überragende Gesprächsthema war. Die anwesenden Führungskräfte wählten die globale Erwärmung zur wichtigsten Umwälzung, die der Erde bevorsteht. Nach einer Studie von PriceWaterhouseCoopers halten 40 Prozent der Firmenvorstände die globale Erwärmung für eine Bedrohung des eigenen Unternehmenswachstums.

Wie immer, wenn irgendwo Ängste vor Naturkatastrophen aufkeimen, dauert es nicht lange, bis erste Planspiele über die Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Börse angestellt werden. Das ist auch dieses Mal nicht anderes und die ersten reißerischen Artikel und Studien sind in dieser Hinsicht längst veröffentlicht worden. So hat der ehemalige Chefvolkswirt der Weltbank, Sir Nicholas Stern, folgendes errechnet: Wenn die globale Durchschnittstemperatur bis zum Ende des Jahrhunderts um fünf Grad steigt, dann kostet das bis zu 5,5 Billionen Euro. Im schlimmsten Fall könnten bis zu 20 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts zur Bekämpfung aufgewendet werden müssen. Zudem mahnt Stern, dass eigentlich schon jetzt jedes Jahr rund 270 Milliarden Euro ausgegeben werden müssten, um dem Klimawandel effektiv entgegenzuwirken.

Zertifikate auf Kohlendioxid-Emissionsrechte brachten bisher Verluste

Klar, dass bei solchen Summen auch darüber nachgedacht wird, wie die Anleger auf die Veränderungen in der Natur in ihren Portfolios reagieren sollen. Gesetzt den Fall, man ist von einem nachhaltigen Klimawandel überzeugt, dann wird auch diese Krise wieder nicht nur Verlierer, sondern auch Gewinner produzieren. Ohne dass man lange überlegen muss, dürfte klar sein, dass dann Unternehmen aus der Umweltbranche gute Geschäfte machen werden. So schätzen die Experten von Roland Berger, dass der Umweltsektor in Deutschland innerhalb von 25 Jahren seien Anteil am Umsatz aller Wirtschaftszweige von vier auf 16 Prozent steigern kann.

Im relativen Vergleich büßen dagegen Staatsanleihen an Attraktivität ein. Denn mit den steigenden Kosten für den Wiederaufbau der durch Naturkatastrophen in Mitleidenschaft gezogenen Infrastruktur wird das Ausfallrisiko bei Anleihen höher. Chancen wittern nicht wenige Anleger dagegen bei den Kohlendioxid-Emissionsrechten. Doch was auf den ersten Blick lukrativ erschien, hat sich seit dem zweiten Quartal des Jahres 2006 als Alptraum für die Investoren erwiesen. Der Preis für die Kohlendioxid-Future-Kontrakte ist seitdem nämlich stark gefallen. Auch ein von ABN Amro emittiertes CO2- Emissionsrechte Open End Zertifikat (ISIN: NL0000020097) ist inzwischen fast wertlos.

Investoren sollten auch bei höheren Temperaturen einen kühlen Kopf bewahren

Kritisch sind übrigens auch die zuletzt vermehrt emittierten Katastrophenbonds zu sehen. Sind sie doch eine Wette auf ausbleibende schwerwiegende Naturkatastrophen. Die Risiken sind hier aus unserer Sicht aber ungleich verteilt. Ist die Zahl der großen Naturkatastrophen seit den 50er Jahren doch nicht zuletzt bedingt durch wetterbedingte Ereignisse von durchschnittlich zwei auf rund sieben im Jahr gestiegen. Vom Wiederaufbau der Infrastruktur profitieren dagegen alle Vertreter aus dem Bausektor. Außerdem dürfte die Bedeutung der Agrarrohstoffe zunehmen und zwar nicht zuletzt deshalb, weil sie bei der Produktion von Biokraftstoffen zum Einsatz kommen und Klimafaktoren wie Dürre die Ernten vernichten könnten. Profiteure sind zudem auch jene Länder, die einen großen Überschussbestand an Greenhouse-Zertifikaten besitzen, wie es etwa bei Rußland der Fall ist.

Insgesamt dürfte es nicht leicht sein, schon jetzt auf ein solches Klima-Szenario bei der Geldanlage zu reagieren. Am ehesten bietet sich möglicherweise ein Engagement in einem der inzwischen emittierten Klimawandel-Zertifikate an. Wetten auf andere typischerweise genannte Zielobjekte wie die Hersteller von Solarzellen, Windrädern oder anderen alternativen Energien ist dagegen eine relativ schwierige Sache. Schließlich sind viele dieser Wert, wegen dem Hype, der um sie gemacht wird, schon recht hoch bewertet. Außerdem ist es wissenschaftlich noch lange nicht hundertprozentig erwiesen, dass es sich wirklich um eine dauerhafte Erderwärmung handelt und nicht nur um eine Episode (in manchen Weltregionen war es in diesem Jahr wärmer als sonst). Momentan spricht zwar einiges für einen entsprechenden Trend, aber Hysterie ist an der Börse selten ein guter Ratgeber.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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