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Internet Keine Maut für den Geist

An immer mehr Punkten im Internet stehen sie - digitale Kassenhäuschen. Jetzt setzten sich Wissenschaftler gegen die virtuelle Maut zur Wehr und stellen eine Fachzeitschrift kostenlos ins Netz.

Das ging weg wie warme Semmeln. Kaum waren die Datensätze online, liefen in San Francisco die Internetknoten heiß, und keine acht Stunden später waren die Server überlastet. Zu viele Interessierte wollten sich in der Nacht zum Montag gleichzeitig die erste Nummer der Biologie-Fachzeitschrift PLoS Biology herunterladen.

Ulf von Rauchhaupt Folgen:    

Das dürfte zum Teil auch an dem Artikel gelegen haben, in dem dort Forscher der Duke University von ihren Experimenten mit Implantaten in Affenhirnen berichteten. Die Arbeit war so aufsehenerregend, daß sie bestimmt auch in Nature oder Science abgedruckt worden wäre, den zwei führenden Wissenschaftsmagazinen, die nicht nur Forscher, sondern auch viele Journalisten und Politiker lesen.

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Fachzeitschrift vollkommen gratis

Doch statt ihren Artikel dort zu plazieren und damit ihren Ruhm zu mehren, zahlten sie auch noch 1500 Dollar Gebühr, damit die Redakteure von PLoS ihre Arbeiten zur Begutachtung an Fachleute weiterleiteten, die Gutachten auswerteten und die Texte zur Veröffentlichung im Internet vorbereiteten. Denn auch papierlose Veröffentlichungen kosten Geld. Nature, Science und auch die spezialisierten Fachzeitschriften berechnen diese Kosten ihren Lesern: Wie gewöhnliche Zeitschriften auch werden sie verkauft, die auflageschwachen Spezialzeitschriften sogar besonders teuer. Nur PLoS Biology nicht, das wird verschenkt.

Dabei ist es kein Anzeigenblatt, sondern ein echtes Fachjournal, das sich sogar vorgenommen hat, es an Renommee mit den angesehensten Bezahlzeitschriften aufzunehmen. Das ambitionierte Projekt ist eine Initiative der "Public Library of Science", einer von dem Nobelpreisträger Harold Varmus mitgegründeten und im Moment von der Stiftung des Computerchipmagnaten Gordon Moore finanzierten Organisation, die sich der Idee des "Open Access" verschrieben hat, des freien Zugangs zu Forschungsergebnissen im Internet - jederzeit und für jeden.

Das Internet ermöglicht Austausch

Hinter Open Access stehen zwei Motive. Das erste ist das Internet. Erst das Netz der Netze macht es möglich, Datensätze jedem Angeschlossenen jederzeit zugänglich zu machen. Schon in den Anfangsjahren des Internet wurde es vor allem unter Physikern üblich, den Fachkollegen Veröffentlichungen als sogenannte "Preprints", also vor Abdruck in den Fachzeitschriften, elektronisch zugänglich zu machen. Da lag es nahe, auch die begutachteten und editierten Endprodukte ins Netz zu stellen.

Tatsächlich sind zumindest in den Naturwissenschaften die Artikel der meisten Fachzeitschriften heute auch elektronisch verfügbar - doch in der Regel nur gegen Entgelt. Um an die entsprechenden Paßworte zu kommen, muß man die gedruckte Version abonniert haben oder beim Surfen immer mal wieder die Kreditkarte zücken. Solange Fachzeitschriftenverlage ihre Geschäftstätigkeit nach dem "Leser zahlt""-Modell organisieren, haben sie an freier Verfügbarkeit begreiflicherweise kein Interesse. Um so weniger, als sich die qualitätssichernde und reputationsschaffende Veröffentlichung dessen, was die Wissensgesellschaft so alles an Neuem ausstößt, zu einem lukrativen Geschäft entwickelt hat. Mit den Überweisungen der abonnierenden Fachbibliotheken kalkuliert es sich deutlich bequemer als mit wechselhaften Anzeigenerlösen oder launischen Kioskkunden.

Konzentrationsprozeß und Quasi-Monopol

Zudem haben viele Fachverlage in bestimmten Disziplinen quasi ein Monopol und diktieren damit den Preis. Abenteuerliche Steigerungen der Abonnementpreise sind die Folge, was vor allem die öffentlich finanzierten Fachbibliotheken an Universitäten und Forschungsinstitutionen zu immer mehr Abbestellungen zwingt. Die treffen aber erst einmal jene Zeitschriften, die nicht aus den großen Verlagshäusern kommen. Denn die haben die Bibliotheken oft "Bündelabonnements" vieler Journale aus einem Verlagsprogramm aufgenötigt, von denen sich nicht eben mal der eine oder andere weniger benutzte Titel kündigen läßt. Die Folge ist ein Konzentrationsprozeß: Eine steigende Zahl von Journalen findet sich unter dem Dach immer weniger Verlage, die sich ihre Dienstleistung immer teurer bezahlen lassen können.

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