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Illegales Viagra im Wasser : Ein hochpotenter Schwarzmarkt

Wird das meiste Viagra über den Internethandel bezogen? Bild: AFP

Viagra ohne Rezept gibt es nur im Internet. Dort aber boomt der Schwarzmarkt. Eine niederländische Behörde hat die Probe aufs Exempel im Abwasser dreier Metropolen gemacht. Sie erlebten ihr blaues Wunder.

          Der Schwarzmarkt für die blauen Viagra-Pillen gegen Potenzstörungen hat offenbar ungeahnte Dimensionen erreicht. Eine Stichprobe niederländischer Mediziner in drei Großstädten hat gezeigt, dass fast zwei Drittel der Potenzpillen nicht wie vorgeschrieben von Ärzten verschrieben werden, sondern mehrheitlich wohl illegal über den Internethandel bezogen werden. In der aktuellen Ausgabe des renommierten „British Medical Journal“ berichten Bastiaan Venhuis vom Nationalen Institut für öffentliche Gesundheit  in Bilthoven über die  Analysen des Klärwassers von Amsterdam, Eindhoven und Utrecht. Die Konzentration des Viagra-Wirkstoffs Sildenafil sowie zweier Abbauprodukte wurde an sieben aufeinander folgenden Tagen in den Klärwerken gemessen und mit den in entsprechenden pharmakologischen Datenbanken registrierten Verschreibungen verglichen.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          In Amsterdam  wurde ein statistischer Verbrauch von 250 Milligramm Sildenafil pro Woche für jeden der 769.000 Einwohnern ermittelt. Das entspricht gut zwei bis fünf Tablettten pro Woche im Schnitt der Bevölkerung. Den offiziellen  Verschreibungszahlen zufolge, die zum größten Teil auf Therapien gegen Erektionsstörungen und zum geringeren Teil gegen Lungenhochdruck zurück gehen, dürften aber höchstens 100 Milligramm im Abwasser zu finden sein. Etwa 60 Prozent lassen sich demnach medizinisch nicht eindeutig zuordnen. Ganz ähnlich ist das Verhältnis in den beiden anderen Städten. „Wir schließen daraus, dass der größte Teil des Sildenafils in den Abwässern rechtswidrig angewendet werden“, schreiben die niederländischen Mediziner in der BMJ-Veröffentlichung. Angesichts von Tausenden illegaler Internetadressen, auf denen die begehrten Potenzpillen ohne Prüfung von Rezepten vertrieben werden, scheint diese Schlu0ßfolgerung alles andere als unplausibel. Warum allerdings der Schwarzmarkt für Viagra und verwandte Präparate weiterhin so enorm blüht, obwohl seit Jahren immer mehr wirkungslose und gefälschte Medikamente in Umlauf sind, ist auch den niederländischen Wissenschaftlern schleierhaft.

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