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Glosse : Alles in 3D

Ausgedruckt: Ein Fötus als lebensechte Figur und als Anhänger. Bild: AFP

Die 3D-Drucktechnik, erdacht um Gegenstände schneller günstiger und leichter produzieren zu können, entwickelt Kapriolen. Jetzt können Schwangere eine 3D-Figur ihres Fötus drucken.

          Trinkbecher, Spielzeug, Lampenschirme, Schuhe, Zahnersatz, ja sogar erste Fahrräder - viele Gegenstände kommen mittlerweile aus dem Drucker. Mit dem Verfahren, das sich anschickt, die gängigen industrielle Fertigungsprozesse zu revolutionieren, kann man sich gewissermaßen seine eigene kleine Welt erschaffen. Was man benötigt ist ein 3D-Drucker. Dieses Gerät arbeitet ähnlich wie ein gewöhnlicher Tintenstrahldrucker - mit dem großen Unterschied, dass es mehrere Lagen eines Materials übereinander schichtet, wodurch Schritt für Schritt vor den Augen ein räumliches Abbild des gewünschten Gegenstands entsteht, mit dessen Idealmaßen man vorher den Computer gefüttert hat. Dass man keine Tinte dafür verwenden kann, versteht sich von selbst. Flüssige Kunststoffe, Kunstharze und Metalle, die aushärten, sobald sie auf die Unterlage gebracht werden und mit Luft in Kontakt kommen, erfüllen die Aufgabe. Findige Forscher aus England haben nun ein kohlenstoffhaltiges leitfähiges Material entwickelt, mit dem man sogar elektronische Bauteile und komplette Gerätschaften drucken kann. Ein Fortschritt, der nicht nur Elektronikfreaks entzücken dürfte. Für medizinische Forschungszwecke lassen sich auch Modelle von Organen und anderen Körperteilen drucken - hart oder weich, ganz nach Wunsch.

          Der Fötus aus dem Drucker. Als Basis dient ein Ultraschallbild.

          Große Nachfrage

          Aber auch für werdende Mütter ist gesorgt. Schwangere Frauen können ab sofort ein 3D-Modell ihres Fötus anfertigen. Was nach einem schlechten Scherz klingt, haben Forscher und Ingenieure einer japanischen Firma entwickelt. Als Basis für die Figuren dienen Ultraschall- und Magnetresonanzbilder. Umgerechnet rund 940 Euro kostet ein Abbild aus dem Mutterleib, wenn der Fötus bereits alle wichtigen Merkmale ausgebildet hat. Eine einfachere Version, bei der nur das Gesicht zu sehen ist, soll ab Dezember zum halben Preis angeboten werden. Man habe mittlerweile viele Anfragen bekommen, sagt ein Sprecher der Firma.

          Stolze Mütter

          Die Frauen wollten „die Gefühle und Erfahrungen dieser Zeit“ nicht vergessen. Als Zusatz zum neun Zentimeter großen Modell gibt es eine Miniversion als Handy-Anhänger - ein bei japanischen Frauen beliebtes Accessoire. Wer stolz die eingerahmten Ultraschallbilder seines ungeborenen Kindes zeigt oder die ersten Fußabdrücke des Babys in Gips, könnte bald nur ein müdes Lächeln ernten.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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