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Erwärmung und Wetterchaos : „El Nino“ ist im Anflug

Rötliche Färbung im tropischen Pazifik - das heißt ungewöhnlich warmes Wasser. Die Datenauswertung des amerikanischen El-Nino-Warndienstes vom 12. Mai. Bild: CDC

Das Weltklima könnte im Laufe der kommenden Monate aus den Fugen geraten. Ein El-Nino, eine starke Klimaanomalie, kündigt sich im Pazifik an. Vielleicht sogar ein Super-El-Nino? Das verheißt nichts Gutes, auch nicht für Europa.

          Das „Christkind“ kündigt sich im Pazifischen Ozean an, und es lässt bereits auf sozialen Netzwerken die Spekulationen über ein Rekordwärmejahr ins Kraut schießen. „El Nino“, spanisch für das Christkind, dieser Name sorgt unter Meteorologen und Klimatologen in der Regel für Unruhe. Wenn El Nino eintrifft, dann heißt das, dass die tropischen Gewässer vor der Westküste Südamerikas - insbesondere vor Peru und Ecuador - ungewöhnlich stark aufheizen. Eine Anomalie, die unregelmäßig alle paar Jahre auftritt, dann aber regelmäßig eine meteorologische Alarmkette in Gang setzt.

          Joachim  Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          El-Nino-Warnungen bedeuten vor allem: Überflutungsgefahren, und zwar nicht nur an der tropischen Pazifikküste Südamerikas, sondern sie bedeuten Wetterkapriolen nahezu weltwelt: In den südlichen Teilen der Vereinigten Staaten kann es zu Extremregenfällen kommen, sogar die Luftmassen und damit das Wetter über Europa werden beeinflusst, in Südostasien und Australien kommt es zu monatelangen Dürren, Ernteausfällen und der Gefahr von Buschfeuern.

          El Nino hebt, wenn er stark ausgeprägt ist, die meteorologischen Verhältnisse nahezu global aus den Angeln. Zur Jahreswende 1997/98 trat so ein superstarker El Nino auf. Damals waren die gewöhnlich vom kalten, nährstoffreichen Humboldtstrom dominierten Wassermassen vor der Küste Perus und Ecuadors von wärmeren Wassermassen aus dem Westpazifik überdeckt worden. Auslöser ist jeweils, dass die starken Westwinde nachlassen, die den Meeresspiegel vor Indonesien anheben und um bis zu acht Grad stärker aufheizen verglichen mit der südamerikanischen Küste. Dir Folge: Die warmen Wassermassen aus dem Westen überfluten den Osten des Pazifiks. Klimatologen sprechen von einer Art „Klimaschaukel“, weil sich der Prozess während eines „La Ninas“ auch mehr oder weniger umdrehen kann.

          El-Nino-Jahre sind meist auch extrem warme Jahre. 1998 etwa ist global betrachtet bis heute eines der wärmsten Jahre seit Beginn der meteorologischen Aufzeichnungen. Seither hat sich die Weltmitteltemperatur auf einem etwas niedrigeren Niveau einigermaßen stabilisiert.

          El Nino: Flut in Südamerika ...

          Wie sich in dieser „Klimawandelpause“ ein El Nino auswirken könnte, ob 2014 oder 2015 tatsächlich ein Jahr mit Rekordtemperaturen und überdurchschnittlich vielen Extremereignissen werden könnte, ist noch völlig unklar. Allerdings zeigen die Messdaten, die mit einer Reihe schwimmender Messbojen im tropischen Pazifik ermittelt werden, mittlerweile eindeutig nach oben. Im November gab es die ersten Klimamodelle, die aufgrund der Entwicklung der Wassertemperaturen einen El Nino in Aussicht stellten. Im März stieg dann die Wahrscheinlichkeit auf mehr als 50 Prozent. Dennoch blieben die Klimaofrscher skeptisch. Denn auch für 2012 hatte man schon einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 70 Prozent mit El Nino gerechnet. Die Anomalie verpuffte sang- und klanglos.

          ... und Dürre in Afrika

          Jetzt haben die Ozeanographen der amerikanischen Klimabehörde NOAA, das Climate Prediction Center (CDC) und das International Research Institute (IRI) for Climate and Society eine neuerliche Warnung herausgegeben. Mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 80 Prozent werde es im Laufe des Herbstes und Winters zu dem gefürchteten Klimaphänomen kommen. Schon in einem Monat könnte man vielleicht sogar sagen, ob sich ein neuer Rekord-El-Nino zusammenbraue. Die ersten Anzeichen gibt es bereits: Die Wassertemperaturen direkt unter der Oberfläche im tropischen Zentral- und Ostpazifik lagen im März bereits auf Rekordhöhe, im April waren sie immerhin noch auf dem zweithöchsten Niveau seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen. im Jahr 1979. 

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