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Autonome Fahrzeuge : Technik ist nicht alles

Das selbstfahrende Auto von Goolge hat die Überwachungskamera auf dem Dach. Bild: dpa

Das mit den selbstfahrenden Autos wird wohl nichts. Das liegt auch an einem aktuellen Gesetzentwurf. Ein Kommentar.

          Der Bundestag soll eine Änderung des Straßenverkehrsgesetzes beschließen, welche den Betrieb von „Kraftfahrzeugen mit hoch- oder vollautomatisierter Fahrfunktion“ regeln soll. Die Kanzlerin hat den Gesetzentwurf als „besonders eilbedürftig“ eingestuft, da der Markt für solche Systeme der Rechtssicherheit bedürfe. Soll heißen: Die Autohersteller sollen sicher sein, dass sie nicht an etwas arbeiten, was am Ende unzulässig bleibt. Denn technisch gesehen, sind vollautomatisierte Fahrsysteme auf dem Weg zur Praxisreife. Nach ABS, Tempomat und Spurassistent kann heute ein Computer in Zusammenarbeit mit dem Navi dem Fahrer theoretisch auch den Rest abnehmen. Schon zeigen Werbebilder fröhliche Familien, bei denen Papa oder Mama mitten auf der Autobahn mit dem Rücken zur Windschutzscheibe an einer Partie „Mensch ärgere dich nicht“ teilnehmen.

          Nun zeigt sich allerdings: Etliche Probleme, die mit der Interaktion selbstfahrender Autos mit nichttechnischen Elementen ihrer Umwelt zu tun haben, sind noch weitgehend ungelöst. Dabei müssen nicht nur die Maschinen lernen, mit den Menschen um sie herum zurechtzukommen, sondern umgekehrt auch diese mit jenen.

          Der aktuelle Gesetzentwurf macht klar, dass, wie bisher, im Zweifelsfall der Mensch auf dem Fahrersitz die letzte Verantwortung trägt. Wer daran kritisiert, dass nicht hauptsächlich die Hersteller der Systeme haften, glaubt entweder an den Mythos von der Möglichkeit absolut sicherer Technik. Oder er möchte Auto-Autos durch die Hintertür verbieten lassen.

          Das aber dürfte nicht nötig sein. Die Unsicherheit darüber, ob solch ein Auto in bestimmten Situationen nicht das Leben anderer Verkehrsteilnehmer über das der Insassen stellt, wurde von Wissenschaftlern bereits als ein Motiv identifiziert, aus dem heraus potentielle Kunden solches System doch eher nicht erwerben würden. Die jetzt angestrebte Regelung, die den „Fahrer“ darauf verpflichtet, im Zweifelsfall einzugreifen, hält ihn damit de facto zur ständigen Überwachung des Systems wie des Verkehrs an. Das Brettspiel mit der Familie kann er damit gleich vergessen. Und das heißt am Ende: Völlig selbstfahrende Autos mag es einmal geben. Aber es wird sie keiner kaufen.

          Ulf von Rauchhaupt

          verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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          Quelle: F.A.S.

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