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Namensgebung : Zwischen Tradition und Lallform

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So wie diese Persönlichkeiten heißen heute zahlreiche Kinder, allerdings eher selten nach ihnen: It-Girl Kim Kardashian, Erzvater Noah, Gottesmutter Maria, der Junge aus „Kevin - allein zu Haus“, Stammvater Jakobs erste Ehefrau Lea Bild: André Laame

Die Aufgabe, einen Vornamen auszuwählen, macht aus jungen Eltern praktizierende Linguisten. Früher hieß das Kleine einfach nach der Oma, nach dem Herrscher oder einer Heiligen – heute ist die Wahl komplizierter.

          Ein Kind zu zeugen ist vergleichsweise einfach. Es zur Welt zu bringen, dürfte zumindest für die Mutter deutlich schwieriger sein. Aber für manche Eltern scheint die Namensfindung tatsächlich die noch größere Herausforderung zu sein.

          Die Entscheidung kann heute regelrecht in Stress ausarten, so viel gibt es zu bedenken: Harmonisch soll der Name klingen und trotzdem originell, beste Berufsaussichten möge er garantieren, international und zugleich aber einzigartig sein. Außerdem darf er nicht zu lang, nicht zu altmodisch, nicht zu extravagant oder verschroben ausfallen. Aber Charakter soll er schon verleihen, dabei Weltoffenheit signalisieren und bloß nichts Dämliches bedeuten. Angesichts dieses Forderungskatalogs kann Eltern durchaus eine veritable „Baby name anxiety“ befallen – eine Wortschöpfung der New York Times, die vor vier Jahren erstmals über verzweifelte Eltern berichtete, die wochenlang Ratgeber, Websites und das Gesamtwerk William Shakespeares durchforsteten – immer auf der Suche nach dem ultimativen Namen. In vielen Fällen muss man sich fragen, ob es dabei überhaupt um das Kind geht oder ob die Eltern nur einem Selbstverwirklichungswahn folgen.

          Darf mein Sohn Atomfried heißen?

          Vielleicht fiel die Wahl eines Vornamens für sein Kind aber wirklich noch nie so schwer wie heute. „Einen einzigartigen Namen zu finden ist sehr schwierig geworden“, bestätigt Knud Bielefeld aus Ahrensburg bei Hamburg, der die populäre Website „Beliebte Vornamen“ betreibt. Bielefeld ist Informatiker von Beruf, die Namensforschung ist sein Hobby. Allerdings weiß in Deutschland wohl keiner so gut über Rufnamen Bescheid wie er. Seine Datenbank umfasst mittlerweile 60.000 Einträge, und immer wieder erhält er Anrufe besorgter Eltern auf der Suche nach dem ganz besonderen Namen. Langweilig ist das selten. Mal will jemand wissen, ob er seinen Sohn Atomfried nennen könne, mal fragt einer nach den Vorzügen eines Vokals mit Trema wie in Noël oder Zoë. Dabei hat Bielefeld in den vergangenen Jahren eine deutliche Zunahme der Namensvielfalt festgestellt. Unerklärlich ist sie nicht: Die Deutschen bekommen weniger Kinder – da muss jeder Name sitzen.

          Trotz Konstruktionen wie Namika, Joudia, Raik oder Kingston-Madox, zählt jeder zweite vergebene Vorname zu den Top 60 auf Bielefelds Liste. Oder wie der Ahrensburger Hobby-Onomastiker es ausdrückt: „Die Hälfte aller Kinder hat einen normalen Namen.“ Viele Eltern wollten eben doch nicht, dass ihr Kind zu sehr auffalle.

          Nur nicht übertreiben

          Dass sich Eltern den Namen ihres Nachwuchses genau überlegen, findet Bielefeld grundsätzlich gut. Das sagt er auch all denjenigen, die ihn um Rat fragen. Seid nicht zu nachlässig bei der Auswahl, empfiehlt er. „Aber bitte übertreibt es nicht!“ Ein Name sollte nicht zur Marke werden: Er stiftet zwar Identität und beeinflusst natürlich den ersten Eindruck, den man über eine Person erhält. Aber er ist niemals mächtiger als deren Persönlichkeit.

          Zunächst stöbert man am besten in einer der bekannten Listen. Eine systematische amtliche Erhebung gibt es in Deutschland nicht, da sich das Statistische Bundesamt dafür nicht zuständig fühlt. Stattdessen wertet die Gesellschaft für die deutsche Sprache in Wiesbaden jedes Jahr Zehntausende Babynamen aus – genauso wie Hobbyforscher Bielefeld. In beiden Fällen unterscheiden sich allerdings die Methoden, weshalb jedes Jahr zwei voneinander abweichende Liste veröffentlicht werden.

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